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08.01.2012

20:51 Uhr

Republikaner

Romney vor US-Vorwahl unter schwerem Beschuss

Zwei Tage vor der wichtigen Republikaner-Vorwahl im US-Staat New Hampshire haben sich die Kandidaten auf Spitzenreiter Mitt Romney eingeschossen. Er könne die Wahl gegen US-Präsident Barack Obama nicht gewinnen.

Republikanischer Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (r.) unter Beschuss: Bei einer Debatte in Concord wurde er von seinem Rivalen Rick Santorum (l.) attackiert. Reuters

Republikanischer Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (r.) unter Beschuss: Bei einer Debatte in Concord wurde er von seinem Rivalen Rick Santorum (l.) attackiert.

Manchester/WashingtonNur zehn Stunden nach einer vorangegangenen Debatte zweifelten sie in einer neuerlichen Fernsehrunde am Sonntag die konservative Überzeugung des Multimillionärs an. Auch gaben seine Rivalen Romney wenig Chancen, im November die Wahl gegen US-Präsident Barack Obama zu gewinnen.

Mit am schärfsten wandte sich der ehemalige Präsident des Abgeordnetenhauses Newt Gingrich gegen den früheren Unternehmer. Als sich Romney gegen Kritik an seiner politischen Karriere wehrte, erwiderte Gingrich: „Können wir mit dem frommen Quatsch aufhören?“ Romney müsse erst einmal auf Augenhöhe mit dem amerikanischen Volk kommen. Gingrich nannte seinen Rivalen einen „scheuen, gemäßigten Mann aus Massachusetts, dessen Wirtschaftsplan selbst das Wall Street Journal für so zurückhaltend hält, dass er von Obama stammen könnte“.

Der Ex-Senator aus Pennsylvania, Rick Santorum, warf dem früheren Gouverneur von Massachusetts zudem vor, sich 2006 vor einer neuerlichen Bewerbung angesichts starker Konkurrenz gedrückt zu haben. „Wenn Ihre Erfolgsbilanz so toll gewesen ist als Gouverneur - warum haben Sie sich dann nicht zur Wiederwahl gestellt?“

Bei einer TV-Debatte in selber Runde am Vorabend hatten Romneys Rivalen zur Überraschung vieler Beobachter noch weitgehend auf scharfe Attacken gegen den derzeitigen Spitzenreiter verzichtet. Romney hatte dadurch freie Bahn, hauptsächlich Präsident Obama ins Visier zu nehmen - seinen potenziellen Kontrahenten bei der Präsidentschaftswahl.

In der Debatte am Samstag in Manchester warf Romney Obama unter anderem vor, er wolle die USA „in einen Wohlfahrtsstart im europäischen Stil verwandeln“. Der Präsident habe zudem die Rezession in den USA mit seiner Politik noch verschlimmert und die Erholung erschwert. Romney, erfolgreicher Geschäftsmann und einstiger Organisator der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City, sprach dem Präsidenten außerdem jegliche außenpolitische Führungskraft ab und warf ihm insbesondere auch Schwäche im Kurs gegen den Iran vor.

Nach einem von der Webseite realclearpolitics.com ermittelten Durchschnitt mehrerer Umfragen liegt Romney in New Hampshire weit in Führung. Die Erhebungen sehen ihn im Mittel bei über 40 Prozent, nächster Verfolger ist Polit-Veteran Ron Paul mit rund 21 Prozent.

So funktionieren die US-Vorwahlen

Caucus und Primary

Die Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Konservativen müssen sich in allen 50 Bundesstaaten dem Votum der Wähler stellen. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Vorwahlen: Im Primary-System können Bürger einen Tag lang in einem öffentlichen Wahllokal ihre Stimme abgeben. Dieser Modus gilt in der Mehrheit der 50 Staaten, die erste Primary hält New Hampshire am 10. Januar ab. In manchen Bundesstaaten dürfen nur registrierte Parteimitglieder abstimmen, in anderen sind die Vorwahlen offen für alle. Der Caucus ist dagegen eine Parteiversammlung, bei der sich Mitglieder auf Ortsebene persönlich zur Diskussion treffen und danach abstimmen. Im ersten Vorwahl-Staat Iowa gilt am Dienstag traditionell das Caucus-System. Die genauen Regeln legt jede Landespartei selbst fest.

Der Super-Dienstag und die Etappen der Vorwahlen

Nach dem Start in Iowa folgen Vorwahlen in anderen Bundesstaaten in dichtem Takt, ehe am 6. März in mehr als zehn Bundesstaaten gleichzeitig abgestimmt wird. Bei diesem so genannten Super-Dienstag kristallisiert sich oft ein klarer Favorit heraus. Bis Ende Juni treffen die restlichen Staaten ihre Entscheidung, und die Mehrheitsverhältnisse stehen fest.

Kandidatenkür auf der Convention

Der Bundesparteitag der Republikaner in Tampa, Florida, Ende August ist deshalb nur noch reine Formsache. Dorthin werden aus den Bundesstaaten Delegierte entsandt, um den Kandidaten aufs Schild zu heben. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat zu der so genannten Convention entsenden darf, wird durch eine komplizierte Formel festgelegt und hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind in ihrem Abstimmungsverhalten an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden. Einige Teilnehmer wie Gouverneure oder Parteifunktionäre, die qua Amt bei der Convention vertreten sind, haben bei ihrer Entscheidung aber freie Hand.

Romney hatte am vergangenen Dienstag die parteiinterne Kandidatenkür in Iowa mit einem Vorsprung von acht Stimmen vor Santorum gewonnen. Umfragen deuten auf einen klaren Sieg bei den nächsten beiden anstehenden Vorwahlen am kommenden Dienstag in New Hampshire und am 21. Januar in South Carolina hin. Gewinnt Romney auch die dann folgende Abstimmung in Florida, könnte er am 31. Januar die republikanische Spitzenkandidatur praktisch schon in der Tasche haben - vor allem dann, wenn er jeweils solide Vorsprünge vor seinen Rivalen, insbesondere Santorum, vorweisen kann.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Kurt-Horst

08.01.2012, 21:06 Uhr

Recht haben sie!
BAhn frei für Ron Paul!

Account gelöscht!

08.01.2012, 22:01 Uhr

Ich wundere mich täglich, warum ein so integrer und kluger Mann wie Ron Paul so wenig Beachtung findet. Könnte das damit zu tun haben, dass er die Federal Reserve Bank abschaffen und das Schuldensystem fundamental aushebeln will? Das wäre sicherlich langfristig im Interesse gesunden Wirtschaftens und nicht zuletzt im Interesse des Friedens. Aber ich bin wohl etwas altmodisch ...

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