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07.06.2013

14:33 Uhr

Retour-Kutsche für EU-Beschluss

Deutsche Autobauer fürchten chinesische Strafzölle

Das chinesische Handelsministerium prüft eine Beschwerde über subventionierte europäische Oberklassewagen auf dem chinesischen Markt. Das könnte die Antwort der Volksrepublik auf die EU-Strafzölle auf Solarmodule sein.

Chinesen und deutsche Autos – ein unzertrennliches Begriffspaar, das nicht nur An Tiecheng, Chef von FAW Volkswagen, hier vor dem VW-Messestand auf der Auto Shanghai verkörpert. Doch nun könnte es zum Bruch zwischen der Traumpaarung kommen, zumindest was deutsche Importe angeht. dpa

Chinesen und deutsche Autos – ein unzertrennliches Begriffspaar, das nicht nur An Tiecheng, Chef von FAW Volkswagen, hier vor dem VW-Messestand auf der Auto Shanghai verkörpert. Doch nun könnte es zum Bruch zwischen der Traumpaarung kommen, zumindest was deutsche Importe angeht.

Frankfurt/ StuttgartDer Handelsstreit der EU mit China könnte Europas Autobauern auf dem weltgrößten Absatzmarkt schaden. Außer Strafzöllen auf europäischen Wein erwäge die Regierung in Peking auch zusätzliche Zölle auf den Import von Autos aus Europa, befürchtet der Verband der europäischen Fahrzeughersteller ACEA. Damit sei zu rechnen, falls die EU-Kommission nicht von ihrer gegenwärtigen Handelspolitik gegenüber China abweiche und die Strafzölle auf chinesische Solarmodule zurücknehme. Wenn es keine Verbesserung des politischen Klimas gebe, dann werde China voraussichtlich „Vergeltung“ bei Fahrzeug-Einfuhren üben, sagte ein ACEA-Sprecher am Freitag in Brüssel.

Nach Angaben des Verbands ging beim Handelsministerium in Peking eine Beschwerde über unzulässige Beihilfen ein, mit deren Hilfe europäische Autobauer ihre Fahrzeuge in China unter Wert verkauften. Die Regierung habe daher ein Prüfverfahren für Strafzölle auf europäische Oberklasse-Wagen angekündigt. Erste Strafzölle könnten ab September erhoben werden, im Visier stünden Autos mit einem Hubraum von mehr als zwei Litern.

Das EU-Dumpingverfahren zu Solarmodulen

Worum geht es?

Die EU-Kommission untersucht seit vergangenem Jahr, ob Solarmodule aus China in Europa zu billig sind. Der Verdacht lautet auf Dumping, das heißt, die Waren werden womöglich unter ihrem eigentlichen Marktwert angeboten, um Wettbewerber auszustechen. Als Gegenmaßnahme sieht das Recht Extrazölle auf die chinesischen Importe vor, um die europäische Industrie zu schützen.

Was hält Deutschland von Strafzöllen?

Nichts. Darin sind sich Bundesregierung und führende Oppositionspolitiker einig. Sie fürchten, dass sich der Streit um die Solarmodule zu einem Handelskonflikt hochschaukeln könnte, unter dem auch andere Branchen leiden. Anzeichen gibt es: Erst am Freitag startete Peking eine Antidumping-Untersuchung gegen Einfuhren von Chemieprodukten aus Europa. Berlin plädiert für eine Verhandlungslösung - wie dem Vernehmen nach die Mehrzahl der EU-Regierungen.

Was will die EU-Kommission?

Sie verweist auf ihre Rolle als Hüterin des EU-Rechts. Dumpingverfahren seien keine Willkürentscheidungen von Handelskommissar Karel De Gucht, sondern beruhten "auf harten Fakten", stellte ein Sprecher klar. Die Kommission sei sich "des Druckes von Seiten Chinas" bewusst. Sie pocht aber auf ihre Unabhängigkeit. Nichtsdestoweniger hat De Gucht wiederholt Verhandlungsbereitschaft signalisiert - wenn China ernsthafte Vorschläge macht.

Was will die Wirtschaft?

Sie ist gespalten. Die in der Allianz EU Pro Sun vereinten europäischen Solarhersteller haben den Fall ins Rollen gebracht und wollen die Zölle. Das Dumping aus China gefährde 30.000 Jobs in der Branche. Wenn die Chinesen sich durchsetzen und am Ende keine Konkurrenz mehr haben, könnten sie zudem kräftige Preise diktieren, warnt EU Pro Sun.

Gegen die Zölle ist die Allianz für bezahlbare Solarenergie (AFASE). Ihr zufolge würden gerade die Zölle Arbeitsplätze kosten. Bei AFASE sind Firmen vertreten, die von billigen chinesischen Teilen profitieren, weil sie sie weiterverarbeiten oder installieren. Ohne preisgünstige Solaranlagen leide letztlich auch die Umwelt, macht AFASE geltend und bekommt dabei Rückenwind vom Umweltverband WWF.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hält es für durchaus möglich, dass die Kommission mit Zöllen ernst macht. Außenhandelsexperte Ilja Nothnagel warnt aber: "Man darf keinen Handelskrieg vom Zaun brechen."

Kann der Streit über die Wirtschaft hinaus Schaden anrichten?

Ja, sagt Gudrun Wacker, Asien-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. "Wenn die politische Atmosphäre sich dadurch verschlechtert, kann es sein, dass China auch in anderen Bereichen nicht willens ist, große Kooperationsbereitschaft zu zeigen." China hänge allerdings wirtschaftlich ebenso von Europa ab wie umgekehrt. Auf jeden Fall sei die Uneinigkeit innerhalb der Europäischen Union schlecht für deren Bild nach außen.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Denkbar ist, dass die Kommission die vorläufigen Zölle verhängt - und dann schnell mit den Chinesen eine Verhandlungslösung anstrebt, sodass es nicht zu dauerhaften Zöllen kommt. "Das wäre die gesichtswahrendste Lösung für alle", meint Asien-Expertin Wacker. Am Dienstag sah es so aus, als ob die Kommission genau diesen Weg einschlägt. Aus EU-Kreisen verlautete, dass die Kommission die Zölle verhängen wolle, zugleich hieß es: "Wir verhandeln weiter mit den Chinesen, aber von jetzt an mit geladener Pistole."

Dem Vernehmen nach will die Kommission dabei zumindest nicht sofort so hohe Zölle verhängen wie vorgesehen; bisher waren Zölle von durchschnittlich 47 Prozent im Gespräch, jetzt sollen sie zunächst unter 25 Prozent liegen.

Dieses vor allem von deutschen Herstellern wie Audi, VW, BMW, Daimler und Porsche dominierte Marktsegment machte zuletzt laut des deutschen Herstellerverbands VDA acht Prozent des chinesischen Automarkts aus. Die Mehrheit der Autokäufer erwirbt hingegen kleinere Pkw mit einem Motorhubraum zwischen 1,1 bis 1,6 Liter. Insgesamt wurden in China im vergangenen Jahr 13,2 Millionen Pkw verkauft – zwanzig mal mehr als im Jahr 2000. Zum Vergleich: In Europa fielen die Verkaufszahlen 2012 mit gut zwölf Millionen Neuwagen auf den tiefsten Stand seit 1995. Der Autoexport aus Europa nach China brummt: 2011 gingen laut ACEA knapp 545.000 Pkw im Wert von mehr als 17 Milliarden Euro nach China, knapp ein Fünftel der europäischen Autoausfuhren in alle Welt.

Kommentare (23)

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Oliver42

07.06.2013, 15:51 Uhr

Wir sollten uns nicht von China erpressen lassen.

Wenn China dies wagen sollte, die Aotbranche mit Strafzöllen zu belegen, sollten wir über die EU SÄMTLICHE chinesische Waren mit Strafzöllen belegen.

Amerika/Europa kann gut ohne China, aber China kann nicht ohne Amerika/Europa.

Bis in die 1990er spielte China keine wirtschaftliche Rolle und es ist durchaus auch möglich, unsere Wirtschaft in Europa/Amerika ohne China zu gestalten.

Account gelöscht!

07.06.2013, 16:15 Uhr

"Außer Strafzöllen auf europäischen Wein erwäge die Regierung in Peking auch zusätzliche Zölle auf den Import von Autos aus Europa, befürchtet der Verband der europäischen Fahrzeughersteller ACEA."

Jeder vernuenftige deutsche Autobauer hat schon heute Fertigungsanlagen in China.

Ich nehme mal ein Beispiel aus Asien - Thailand. Autos, die importiert werden haben extrem hohe Importsteuern (ich glaube (fast) 100 Prozent). Nun gibt es deutsche Autobauer, welche dort produzieren (BMW und Daimler beispielsweise). Fuer solche lokal produzierten Autos entfallen diese Importsteuern. Diese Autos sind natuerlich wesentlich billiger, wenn auch unfinanzierbar fuer den Grossteil der Thai-Bevoelkerung. Aber die Idee ist mehr die billig erzeugten Autos in andere Laender zu verkaufen. Mit China wird Thailand jedoch ein Problem bekommen, hinsichtlich Standortrentabilitaet. Alleine die grossen Fluten in Thailand im letzten Jahr verursachten viele Abwanderungen.

Wie auch immer - die grosse Gefahr fuer Deutschland ist wie Apple es vormacht - es wir nicht mehr im eigenen Lande produziert. Es gibt kein Gesetz dagegen, aber dies bedeutet einen Kahlschlag dieser Industrie in unserem eigenen Lande mit allen negativen Konsequenzen daraus.

Account gelöscht!

07.06.2013, 16:34 Uhr

Einen Handelskrieg mit Europa wird China haushoch verlieren. Die EU hat ein Handelsdefizit mit China von 110 Mrd.€ im Jahr. China exportiert viel mehr nach Europa als das was wir ihnen verkaufen. Sollte der EU Markt abgeschottet werden, sieht es gar nicht gut aus für die Ostküste der Volksrepublik. Peking reagiert so scharf weil die EU praktisch 'über Nacht' das Schoppen und Konsumieren eingestellt hat-die Importe aus Asien(nicht nur China)sind in bestimmte Bereiche um 40% gefallen und das nur in 2 Jahren. Die Solarmodule sind neben Elektronik der einzige Bereich der im Bezug auf Exportvolumen konstant bleibt oder expandiert. China verkauft PV-Module im Wert von 20 Mrd.€ PRO MONAT nach Europa! Sie haben alle Hersteller in den Ruin getrieben und in 3 Jahren 85% Marktanteil erreicht. D hatte 2008 noch 4 der 10 größten Solarkonzerne der Welt-die sind alle Geschichte, nicht weil China technologisch bessere Produkte angeboten hat oder weil die Produktionsprozesse in China effizienter sind als in der Bundesrepublik. Die Flut kam als Peking 2008 ein Konjunkturprogramm aufgelegt hat und 50 Fabriken errichtete und danach die Welt in Solarmodule ertrank. DIE EU MUSS HART BLEIBEN!

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