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04.12.2014

20:10 Uhr

Rettungsaktion

Befreiung von US-Geisel im Jemen gescheitert

Der Al-Kaida-Ableger im Jemen hatte in einem Video mit der Tötung einer amerikanischen Geisel gedroht. US-Präsident Obama genehmigte seinem Militär eine Rettungsaktion. Doch der verschleppte US-Journalist war nicht da.

Ein im Internet verbreitetes Video zeigt den entführten US-Journalisten Luke Somers. ap

Ein im Internet verbreitetes Video zeigt den entführten US-Journalisten Luke Somers.

WashingtonDas US-Militär ist nach eigenen Angaben mit der Befreiung einer amerikanischen Geisel des Terrornetzwerks Al-Kaida im Jemen gescheitert. Bei der Aktion seien Gefangene verschiedener Nationalitäten gefunden und gerettet worden, aber der vermisste US-Journalist Luke Somers sei nicht dabei gewesen, teilten das Weiße Haus und das Pentagon am Donnerstag in Washington mit. Zur Identitäten der befreiten Geiseln wurde keine Angaben gemacht.

Die US-Regierung reagierte mit dem Eingeständnis auf ein im Internet verbreitetes Video, das den Amerikaner zeigt. Ein Sprecher des Al-Kaida-Ablegers auf der arabischen Halbinsel droht in dem Film mit der Tötung des 33-Jährigen. „Uns ist das Video bekannt“, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates von Präsident Barack Obama, Bernadette Meehan. Weitere Details zu der bislang geheimen Kommandoaktion wollte sie nicht bekanntgeben.

Die US-Regierung habe drei Tage Zeit, um Forderungen zu erfüllen, „die sie genau kennen“, erklärte der Sprecher in dem Video. Ansonsten werde die Geisel ihr „unabdingbares Schicksal“ treffen. Am Ende muss sich Somers selbst äußern. „Ich suche nach jeder Hilfe, die mich aus dieser Situation befreien kann“, sagte er. „Ich bin sicher, dass mein Leben in Gefahr ist.“

Mitstreiter und Gegner der USA im Kampf gegen den Terror

Iran

Iran: Teheran ist sowohl Gegner als auch Mitstreiter der USA. Einerseits kann der Iran eine Militäroperation des Erzfeindes in der eigenen Nachbarschaft nicht einfach absegnen. Andererseits handelt es sich beim IS um einen gemeinsamen Feind.

Ägypten

Auch Ägypten nahm an der Anti-Terror-Konferenz in Dschidda teil. Der Kampf gegen den IS könnte Kairos Beziehungen zum Westen verbessern, die unter dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär vor mehr als einem Jahr gelitten haben.

Katar

Katar könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Finanzquellen der Extremisten auszutrocknen. Kritiker werfen dem Land vor, Radikale dürften dort unbehelligt Geld für Dschihadisten sammeln. Die Regierung weist das zurück.

Jordanien

Auch Jordanien hat den IS vor der Haustür. Anhänger der Miliz kontrollieren Teile Iraks und Syriens, die unmittelbar an das Königreich grenzen. Auch der einzige Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist in IS-Händen. Jordanien hat daher eine Taskforce gegen IS-Angriffe gegründet. In der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition könnte das Land zum Operationszentrum werden.

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der wichtigsten US-Partner. Am Donnerstag trafen sich mehrere Länder in der Hafenstadt Dschidda, um über den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Weil der IS auch an der Grenze zwischen dem Irak und Saudi-Arabien steht, fühlt sich Riad massiv bedroht.

Irak

Kerry reiste zum Auftakt seiner Tour nach Bagdad. Der Irak wird die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, weil vor allem die Soldaten der Regierung und kurdische Einheiten am Boden gegen die Extremisten kämpfen müssen. Zugleich muss es der neuen Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi gelingen, die Sunniten im Land auf ihre Seite zu ziehen - nur so würde der IS seine starke Unterstützung in den sunnitischen Teilen des Landes verlieren.

Türkei

Westliche Länder haben der Türkei vorgeworfen, Extremisten dürften die Grenze zu Syrien ungehindert passieren. Zuletzt attestierte das Pentagon der Regierung jedoch, sie gehe stärker gegen Dschihadisten vor. Dennoch unterstützt Ankara die USA nicht mit voller Kraft. Den Luftwaffenstützpunkt Incirlik will sie nur für humanitäre Hilfsflüge freigeben. Ankara ist in einer schwierigen Lage, weil der IS im Nordirak 49 türkische Diplomaten festhält.

Nato

Zehn Staaten zählen bislang zum Anti-Terrorbündnis der USA, darunter die Nato-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Dänemark, Kanada und die Türkei. Auch Australien hat sich der Koalition angeschlossen. Deutschland will Waffen an die Kurden im Nordirak liefern, London hat das bereits getan. Frankreich hat mittlerweile Bombardements gestartet.

Der Journalist war vor mehr als einem Jahr in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa entführt worden, wo er als freie Fotoreporter arbeitete. Die „Washington Post“ hatte bereits vor der Bekanntgabe durch die Regierung berichtet, dass die US-Armee in der vergangenen Woche mit dem Versuch scheiterte, ihn zu befreien. Laut dem Pentagon wurde bei der Aktion mit jemenitischen Streitkräften kooperiert.

Was die Terroristen von Washington verlangen, sagte der Al-Kaida-Sprecher nicht. Er verurteilte US-Angriffe in der islamischen Welt, unter anderem in Afghanistan, im Irak, in Syrien, in Somalia und im Jemen. Das Terrornetzwerk hat vor allem im Süden des Jemens seine Hochburgen. Jementische Sicherheitskräfte und US-Armee gehen dort immer wieder gegen Dschihadisten vor.

Von

dpa

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