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18.01.2010

19:43 Uhr

Rettungsmaßnahmen

EU und USA wetteifern bei Haiti-Hilfe

VonE. Bonse, K. Ehringfeld, J. Herbermann, M. Ziener

Weltweit überbieten sich Regierungen mit Hilfszusagen für Haiti. Mit 420 Millionen Euro liegen die Europäer vorn. Die Kontrolle über das Land haben aber de facto die USA übernommen. Die Uno dagegen ist hilflos, Kritiker sprechen von einem „US-Protektorat“.

Airport von Port-au-Prince: Die USA haben das Kommando übernommen. dpa

Airport von Port-au-Prince: Die USA haben das Kommando übernommen.

BRÜSSEL/PORT-AU-PRINCE/GENF/WASHINGTON. Die Europäische Union will Haiti mit mehr als 420 Mio. Euro unter die Arme greifen. Außerdem sollen 150 Gendarmen für Sicherheit im Katastrophengebiet sorgen. Darauf einigten sich die Entwicklungsminister der 27 EU-Staaten. Um die internationale Hilfe für den Wiederaufbau zu koordinieren, schlugen sie eine internationale Konferenz am 25. Januar in Kanada vor. Morgen will EU-Außenvertreterin Catherine Ashton das Vorgehen mit US-Außenministerin Hillary Clinton abstimmen.

Die USA haben die Führung beim internationalen Noteinsatz übernommen. Nun sucht auch die EU ihren Platz. Vor allem der spanische Ratsvorsitz und die ehemalige Kolonialmacht Frankreich wollen Präsenz zeigen. Aber auch Ashton zeigt Einsatz – sie ist erst seit Dezember im Amt; Haiti ist ihre erste Bewährungsprobe. Die Hilfe solle „unter dem strategischen Schirm der Uno und in enger Zusammenarbeit mit den USA“ koordiniert werden, sagte Ashton.

Spaniens Außenminister Miguel Angel Moratinos sagte, die Uno hätte die EU informell um Sicherheitskräfte gebeten. Die EU bereite daher die Entsendung von 140 bis 150 Beamten der „Europäischen Gendarmerietruppe“ vor. Diese Truppe besteht aus mindestens 800 rasch einsetzbaren Polizisten aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal, Rumänien und Spanien. Deutschland will sich an dem Einsatz nicht beteiligen.

Knapp eine Woche nach dem Erdbeben rief die Regierung in Port-au-Prince am Montag den Ausnahmezustand aus und bat die USA, für die Sicherheit zu sorgen. In der weitgehend zerstörten Hauptstadt wurden am Montag bis zu 12 000 US-Soldaten erwartet. Schon seit dem Wochenende besetzen US-Marines zentrale Posten wie die Krankenhäuser. „Die wollen in Haiti die Kontrolle übernehmen“, sagte ein ausländischer Helfer. Dagegen konzentrieren sich die Kräfte der Uno auf Bergungsarbeiten bei ihrem eigenen Hauptquartier, das ebenfalls vollständig zerstört worden war.

Die US-Regierung trat Kritik entgegen, sie monopolisiere die Rettungsoperationen. „Wir werden uns nicht für die harte Arbeit entschuldigen, die wir auf Haiti leisten, um die Leiden der Menschen dort zu mildern“, sagte Denis McDonough, Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama. Tatsächlich haben die USA sowohl bei der Hilfe wie bei der Sicherung der Insel die Führung auf Haiti übernommen. Bereits bis Sonntagabend hatten sie 600 000 Essensrationen und 250 000 Liter Wasser ausgeliefert sowie große Mengen Medikamente. Neben den Soldaten sind 30 Hubschrauber im Einsatz, eine ganze Flotte von Schiffen, darunter auch ein schwimmendes Klinikum sowie Räumfahrzeuge. Seitdem das US-Militär die Kontrolle über den Flughafen übernommen hat, können täglich 100 Flugzeuge landen. Welchen Stellenwert Obama der Hilfe einräumt, wird auch daran erkennbar, dass er seine Vorgänger Bill Clinton und George W. Bush bat, die Koordination beim Spendensammeln zu übernehmen. Clinton reiste am Montag nach Port-au-Prince, um sich ein Bild von der Situation zu machen und den Menschen Mut zuzusprechen.

Im Vergleich zum Tsunami Ende 2004 liegt Washingtons Hilfe jedoch bisher hinter den damaligen Summen. George W. Bush hatte seinerzeit sehr schnell 350 Mio. Dollar für die Opfer der Flutkatastrophe in Asien versprochen. Obama hat Haiti bislang 100 Mio. Dollar zugesagt. Das Land ist seit vielen Jahren ein regelmäßiger Empfänger amerikanischer Unterstützung, mit jährlichen Zuwendungen von rund 300 Mio. Dollar.

Kommentare (2)

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td

19.01.2010, 01:29 Uhr

wetteifern - das ist doch lächerlich...
150 gendarmen, armeselig ist das. europa ist zu träge, zu unentschlossen. während die usa und einige südamerikanische staaten fakten schaffen und helfen, wird bei "uns" in europa wieder mal über die usa gejammert (kennen wir ja schon von der isaf/oef mission, da dürfen die "bösen ammis" auch die kohlen aus dem feuer holen - nun ja auch im deutschen verantwortungsbereich. ist für unsere politische kaste ja bequemer...).
ein witz ist das doch. wir sind nicht in der lage derartige hilfe zu leisten, so schaut es aus. nicht mal transportflugzeuge mit entsprechenden kapazitäten gibt es bei uns - die müssen wir in der ukraine chartern. ein paar drk´ler, ein paar thw´ler, das war´s dann. und dann wird hier von wettstreit gesprochen??? all die millionen nutzen doch ert mal garnichts. dann doch lieber gi´s und marines die anpacken wo es nötig ist und für ordnung sorgen. 30 hubschrauber - da könnten die heeresflieger mit dem zur verfügung stehendem alten material ohnehin nicht "mithalten". aber schnell verlegen können die ja ohnehin nix, passt ja nicht in die transall (...und der a 400 m ist ja noch immer nicht so richtig flügge). deutschland und der rest der eu haben sich wieder mal überschätzt, so schaut´s doch aus. den betroffenen wird wohl selbst ein de facto "us-protektorat" recht sein - das ist doch eigentlich auch das beste für diese region. schlimmer kann´s ja eh nicht mehr kommen...

Jonas

22.01.2010, 02:49 Uhr

Welch ein Schwachsinn.

Niemand interessiert sich für die Leute in Haiti.

Das einzige, für das man sich interessiert, ist, daß das Land dem Westen verbunden bleibt und nicht zu Kuba und Venezuela rückt, und dafür muss die öffentliche Ordnung bestehen bleiben.

Dabei gäbe es in Haiti eine einmalige Chance: Dem Land und der Welt das Gute des Kapitalismus zeigen. Derzeit sind alle auf der Suche, wo sie ihr Geld bestmöglich anlegen können, und weil sie es nicht wissen, geben sie es für Aktienluftnummern aus oder spekulieren mit Gold.

Dabei ist hier in Haiti der richtige Ort, um JETZT zu investieren, und zwar nicht Millionen, sondern Milliarden. Der bau neuer Häuser kann von der dort lebenden bevölkerung nicht in der nötigen Qualität und Organisiertheit gemeistert werden, aber von finanzstarken und fachlich kompetenten immobilienfonds.

Wenn die ihr Geld in einen klugen Wideraufbau stecken würden, könnten sie auf billige Arbeitskräfte zurückgreifen, auf Wohlwollen der Regierung, und könnten eine Struktur schaffen, in der eine ganze bevölkerung denen die nächsten Jahrzehnte die Mieten zahlt (halt so lange, bis das nächste Erdbeben stärker ist als die Auslegung der Häuser), letztlich erarbeitet durch das Volk.

Wir haben dort derzeit tabula rasa, hier kann das Modell Kapitalismus zeigen, was es taugt. Oder sollte man trotz abertausender Wirtschaftswissenschaftler nicht wissen wie das geht ?

Aber nein, lieber verliert man noch billionen in Spekulationsblasen, als mit der solidesten Geldanlage der Welt, immobilien, Werte zu schaffen.

So wird das nichts mit dem Kapitalismus, wenn er trotz vagabundierender billionen und Geld zum 0-Zins den Menschen nicht dient, wie man an Haiti heute überdeutlich sehen muß.

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