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01.04.2014

12:01 Uhr

Rettungsprogramm

Neue Milliardenhilfen für Griechenland beschlossen

Monatelang verhandelte die Geldgeber-Troika in Athen über Sparkurs und Reformen. Nun können neue Milliardenzahlungen fließen. Ein drittes Rettungspaket scheint zur Zeit nicht nötig zu sein.

„Griechenlands Reformen kommen viel zu spät“

Video: „Griechenlands Reformen kommen viel zu spät“

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AthenNach monatelanger Hängepartie erhält Griechenland von den internationalen Geldgebern eine weitere Kreditrate in Höhe von 6,3 Milliarden Euro. Das beschlossen die Euro-Finanzminister grundsätzlich am Dienstag in Athen, wie Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem mitteilte. Zwei weitere Raten in Höhe von jeweils einer Milliarde Euro werden an Auflagen geknüpft und sollen im Juni und Juli an die Regierung in Athen überwiesen werden.
Die Geldgeber-Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) hatte nach zähen Verhandlungen mit der griechischen Regierung den Weg für neue Hilfen geebnet.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sprach mit Blick auf Griechenland von „Dringlichkeit“. Mitte Mai muss Athen Schulden in Milliardenhöhe tilgen. Von den Europäern sollen dem Vernehmen nach 6,3 Milliarden Euro im April ausgezahlt werden, die restlichen 2 Milliarden Euro würden dann gestaffelt in den kommenden Monaten folgen.

„Wir sehen derzeit kein drittes Paket“

Das bis zum Mittwoch dauernde Treffen der europäischen Kassenhüter wurde von starken Sicherheitskräften geschützt. Behörden untersagten Demonstrationen rund um das Tagungszentrum in der Athener Innenstadt. Linke Parteien und Gewerkschaften riefen zu Kundgebungen am Abend auf.

Griechenland bekam von internationalen Geldgebern zwei Hilfspakete mit einem Umfang von insgesamt rund 240 Milliarden Euro, um die Staatspleite zu verhindern. Von europäischer Seite läuft das Programm Ende des Jahres aus. Es war häufig darüber spekuliert worden, ob ein Anschlussprogramm nötig sei oder nicht.

„Wir sehen derzeit nicht, dass es noch ein drittes Paket braucht, ich hoffe es bleibt dabei“, sagte der österreichische Ressortchef Michael Spindelegger. Aus Kreisen des Athener Finanzministeriums hieß es, Griechenland plane, so bald wie möglich die Aufnahme frischen Geldes an den Finanzmärkten zu wagen.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Die Euro-Kassenhüter debattierten laut Diplomaten auch über Portugal. Das Hilfsprogramm für Lissabon läuft bereits Mitte Mai aus. Es wird seit längerem diskutiert, ob das Land für seinen Ausstieg ein vorbeugendes Kreditprogramm braucht, um die Finanzmärkte zu beruhigen. „Wir warten die Entscheidung der portugiesischen Regierung ab“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn dazu. Der Finne wies gleichzeitig auf gute Wirtschaftsdaten aus Portugal hin.

Rehn sagte, der wirtschaftliche Aufschwung in Europa fasse Fuß. „Falls die Sicherheitskrise in und um die Ukraine (...) nicht die wirtschaftliche Erholung aus der Bahn bringt, bewegen wir uns in eine bessere Richtung.“ Das gelte auch die Arbeitslosigkeit, die in Europa immer noch sehr hoch ist.

Voraussetzung für neue Hilfen

Griechen peitschen neues Reformpaket durch

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Von

dpa

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

01.04.2014, 10:36 Uhr

Solange der "Dummichel" die Parteien wählt, die dafür sind geht die Milliardenverschiebung in dunkle Kanäle weiter!

Account gelöscht!

01.04.2014, 11:10 Uhr

Wie kann man bei einer solchen geschönten Nachrichtenlage noch positiv denken? Bei einer Firma würde man von schwerer Insolvenzverschleppung sprechen.
Nicht so in Griechenland; warum wohl?

Account gelöscht!

01.04.2014, 11:21 Uhr

Es kommt wie es zu erwarten war, tote "Südstaaten" ohne jeglichen Hang, auch nur ansatzweise Reformen einzuleiten, werden weiter mit verlorenen Zuschüssen subventioniert.

Man kann nur froh sein, dass es Deutschland (noch) so gut geht, diesen Widersinn zu begleiten, deshalb gilt es, am 25. Mai europakritische Parteien zu wählen.

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