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19.09.2011

11:26 Uhr

Rettungsschirm-Debatte

Dublin wird Musterschüler, Athen muss nachsitzen

Expertenanhörung im Bundestag: Der Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling, hat Irland und Portugal für ihre Bemühungen in der Schuldenkrise gelobt. Dagegen ging er mit Griechenland scharf ins Gericht.

Klaus Regling, Chef des EFSF. dpa

Klaus Regling, Chef des EFSF.

BerlinDer Chef des Euro-Rettungsschirmes EFSF, Klaus Regling, hat Irland und Portugal eine erfreuliche Entwicklung bescheinigt. „Die internationalen Hilfsprogramme für Irland und Portugal, unter Einbindung der EFSF, entfalten positive Wirkung“, erklärte er am Montag bei einer Anhörung im Haushaltsausschuss des Bundestages seinem Manuskript zufolge.

Irland erwirtschafte einen Leistungsbilanzüberschuss, getragen vom Export und neu gewonnener Wettbewerbsfähigkeit, sagte Regling weiter. Das Staatsdefizit sinke schneller als im Anpassungsprogramm vorgegeben. Auch die Restrukturierung des Bankensektors erfolge rascher als gefordert.

Private Investoren hätten sich zuletzt an der Bank of Ireland beteiligt. Ferner seien die Fusionen - Allied Banks und EBS Building Society sowie Anglo Irish Bank und INBS - vorzeitig umgesetzt worden. Die Märkte hätten das mit einem deutlichen Rückgang der Zinsen von 14 Prozent auf rund 8,5 Prozent während der vergangenen zwei Monate honoriert.

Auch Portugal hätten die internationalen Kreditgeber einen erfolgreichen Kurs zur Sanierung der öffentlichen Finanzen bescheinigt, fügte Regling hinzu. Das Defizit solle im laufenden Jahr auf 5,9 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung von zuvor 9,1 Prozent sinken. Bis 2013 solle die Neuverschuldung die Maastricht-Obergrenze von drei Prozent unterschreiten.

Zugleich sei deutlich, dass Portugal den Reformkurs fortsetzen müsse, um die Wirtschaft offener und wettbewerbsfähiger aufzustellen. Dazu seien weitere Strukturanpassungen nötig. Das Reformprogramm werde aber von der neu gewählten Regierung und der Opposition unterstützt.

Anders als Irland und Portugal sei Griechenland „ein Sonderfall. Das Land hat nicht nur kurzfristige Liquiditätsprobleme. Deshalb werden im geplanten zweiten Rettungspaket für Griechenland private Gläubiger auf freiwilliger Basis mit einbezogen, um die Schuldenlast zu verringern“.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Dieses Vorgehen orientiere sich am Ansatz der Hilfen des Internationalen Währungsfonds. In solchen Fällen werde die Gewährung öffentlicher Hilfen an eine Lastenteilung geknüpft. Private Gläubiger müssten einen teilweisen Forderungsverzicht hinnehmen. Die Einführung standardisierter Umschuldungsklauseln ab 2013 in Schuldverschreibungen der Euro-Staaten werde die Restrukturierung im Währungsraum erleichtern.

Von

dapd

Kommentare (3)

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hamp

19.09.2011, 12:28 Uhr

Musterschüler, nachsitzen, hausaufgaben..

warum würden ganzen staaten...erwachsene leute...wie kinder..schulkinder behandelt?

diesen ganzen 'hausaufgaben' gelaber geht mir richtig auf die nerven und ich glaube es ist absicht...wir sollen wie kinder behandelt werden

...bitte erwachsene uber dinge schreiben..und fordere auch das von der politiker die sie zitieren und interviewen..

wir sind sind keinen kinder...und wollen auch nicht so behandelt werden..

FDPunter2Prozent

19.09.2011, 12:47 Uhr

"...Dagegen ging er mit Griechenland scharf ins Gericht. "

Inwiefern bitte? dazu steht im Artikel rein gar nichts, ausser das Greichenland eine Sonderfall sei. Der Verfasser der unterüberschrift hat den Artikel wohl selbst nicht gelesen. Für das HB leider mittlerweile typischer Bildzeitungsstil.

Account gelöscht!

19.09.2011, 15:25 Uhr

Dublin, der Musterschüler nagt am Hungertuch.
Irland ist erledigt. Der Hunger hält Einzug. Wie soll so ein kleines Agrarland für hunderte von Milliarden geradestehen, und warum überhaupt?

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