Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.02.2011

17:14 Uhr

Revolte in Ägypten

Mubaraks Frau ist an allem Schuld

VonMartin Gehlen

Schon für einen normalen Rentner ist das Ende des Arbeitslebens beängstigend - wie muss es da jetzt einem Diktator gehen, dessen Volk 30 Jahre lang vor ihm zitterte? Mubarak ist abgetaucht, doch laut einem Zeitungsbericht geht es ihm immer schlechter. Und Schuld an seinem Ende haben natürlich alle anderen außer ihm.

Ende einer Ära: "Du hast mich da reingeritten!" soll Mubarak laut einer ägyptischen Zeiung zu seiner Frau und seinem Sohn Gamal gesagt haben. Quelle: dapd

Ende einer Ära: "Du hast mich da reingeritten!" soll Mubarak laut einer ägyptischen Zeiung zu seiner Frau und seinem Sohn Gamal gesagt haben.

KairoDer Gesundheitszustand von Hosni Mubarak hat sich nach seinem vom Volk erzwungenen Sturz offenbar am Wochenende rapide verschlechtert. Wie die Zeitung „Al-Masry al-Youm“ berichtete, fiel der 82-Jährige in den vergangenen zwei Tagen mehrmals ins Koma und leidet unter schweren Depressionen. Der Ex-Präsident weigere sich, seine Medikamente einzunehmen, sich von Ärzten untersuchen zu lassen oder sich in ein Krankenhaus überweisen zu lassen – sei es im Inland oder im Ausland.

„Er ist möglicherweise in einem schlechtem Zustand“, bestätigte erstmals offiziell auch Ägyptens Botschafter in den USA, Sameh Shoukry. Der Diplomat berief sich am Montag bei einem Interview im Fernsehsender NBC auf Regierungskreise in Ägypten. Nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes CIA leidet Mubarak an Speicheldrüsenkrebs.

Mubarak ließ sich 2004 in München am den Bandscheiben operieren. Im März 2010 wurden ihm in Heidelberg Gallenblase und ein gutartiges Darmgeschwulst entfernt. Dabei wurde offenbar auch der Krebs entdeckt.

Der amtierende Premierminister Ahmed Shafiq war am Wochenende Gerüchten entgegengetreten, Mubarak und seine Familie hätten sich nach Bahrain oder in die Vereinigten Arabischen Emirate abgesetzt. Nach seinen Worten hält sich der Ex-Präsident nach wie vor in seiner Residenz in Sharm al-Sheikh auf.

Die Zeitung „Al-Masry al-Youm“ berichtete zudem, es sei zwischen Mubarak, seiner Frau Suzanne und seinem Sohn Gamal zu hitzigen Wortgefechten gekommen. Die Ehe der beiden gilt seit langem als zerrüttet. Mubarak hielt seiner Frau und seinem Sohn vor, seinen Sturz durch ihre falschen Ratschläge mit verursacht zu haben.

"Du hast mich da reingeritten, du und deine Mutter“, soll der Ex-Präsident seinen Sohn angeherrscht haben. „Ihr habt meinen Platz in der Geschichte Ägyptens ruiniert“.

Nach Angaben aus Kreisen des Regimes war Mubarak bereits am Tag vor seinem Sturz zweimal in Ohnmacht gefallen. Aus diesem Grund hatte sich am Donnerstag offenbar seine angekündigte dritte Rede an die Nation um mehr als zwei Stunden verzögert. Eigentlich hatte Mubarak bereits zu diesem Zeitpunkt seinen Rücktritt verkünden sollen - so war es offenbar mit der Militärführung abgestimmt.

Sohn Gamal aber soll in den dramatischen Stunden zuvor die Ansprache seines Vaters mehrfach umgeschrieben haben. Am Ende beschwor er ihn, nicht zurückzutreten, es lasse sich noch ein Ausweg aus dem Durcheinander finden. Und so machte sein Vater dann beim spätabendlichen Fernsehauftritt einen letzten verzweifelten Versuch, seinen Thron zu retten.

Am Tag darauf ließ die Armee die Demonstranten dann erstmals zum Präsidentenpalast in Heliopolis und zum Fernsehgebäude an der Nil-Corniche vordringen. Dadurch erhöhte sie den Druck auf die Präsidentenfamilie so stark, dass Mubarak schließlich am Freitag endlich aufgab.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×