Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2015

01:07 Uhr

Revolution in Ägypten

18 Menschen sterben bei Jahrestag-Protesten

Vier Jahre nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Husni Mubarak und damit dem Ausbruch des "Arabischen Frühling" kommen in mehreren Teilen Ägyptens bei Protesten 18 Menschen ums Leben.

Das Gesicht eines jungen Ägypters ist in den Nationalfarben angemalt: Vier Jahre nach dem Ausbruch des "Arabischen Frühling" kommt es in dem Land immer noch zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Protestlern. dpa

Das Gesicht eines jungen Ägypters ist in den Nationalfarben angemalt: Vier Jahre nach dem Ausbruch des "Arabischen Frühling" kommt es in dem Land immer noch zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Protestlern.

KairoAm vierten Jahrestag der Revolution in Ägypten sind bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften mindestens 18 Menschen getötet worden. Mindestens 54 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium am Sonntagabend in Kairo mit.

Zu den Protesten hatten Anhänger des im Juli 2013 gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi aufgerufen. Sie betrachten die Herrschaft des derzeitigen Staatschefs Abdel Fattah al-Sisi als illegitim. Al-Sisi war Militärchef, als die Armee nach Massenprotesten die Herrschaft der islamistischen Muslimbrüder beendete.

Unterdrückung statt Freiheit

Video: Unterdrückung statt Freiheit

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Allein im Kairoer Stadtteil Matarija starben mindestens zehn Menschen, unter ihnen auch ein Polizist. Das im Norden Kairos gelegene Viertel gilt als eine Hochburg der Muslimbrüder. Seit dem Sturz Mursis und einer Reihe von Anschlägen wird sie in Ägypten als Terrororganisation eingestuft.

Weitere drei Demonstranten und zwei Polizisten seien bei anderen Zusammenstößen in Kairo ums Leben gekommen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Auch im Norden Ägyptens starben nach Polizeiangaben Menschen.

Bereits am Samstagabend war in Kairo unweit des Tahrir-Platzes eine Demonstrantin bei einem Trauermarsch für die Opfer der Revolution getötet worden. Die 32-jährige Schaima al-Sabagh sei mit Schrotkugeln erschossen worden, teilten Aktivisten am Sonntag auf einer Pressekonferenz mit. Polizisten hätten die Schüsse abgefeuert, um den Marsch gewaltsam aufzulösen.

Das Innenministerium hingegen machte nicht näher definierte „Bewaffnete“ verantwortlich. Die Kairoer Staatsanwaltschaft versprach, die bei der Auflösung des Trauermarsches beteiligten Beamten zu befragen.

Zur Trauerfeier am Sonntag kamen Hunderte. Sicherkräfte riegelten den Kairoer Tahrir-Platz und Teile der Innenstadt mit Panzern und Straßensperren ab.

Fragen und Antworten zur Reise nach Ägypten

Was sagt das Auswärtige Amt?

Das Auswärtige Amt in Berlin hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten entschärft. Es rät seit Ende September nicht mehr grundsätzlich von Reisen dorthin ab. Touristen sollten aber im ganzen Land – ausdrücklich auch in den Badeorten am Roten Meer – besonders vorsichtig sein, rät das Ministerium.

Von Reisen nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nil-Kreuzfahrten) und in das Nildelta wird abgeraten. Auch in die anderen Gebiete wie die Touristen-Hochburgen am Roten Meer sollten Deutsche derzeit aber nicht fahren. Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere vor religiösen Stätten sollten unbedingt gemieden werden.

Das Auswärtige Amt rät außerdem von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara eindringlich ab. Dies gilt insbesondere für die Grenzregionen zu Libyen und zum Sudan.

Kann ich meine Reise jetzt kostenlos stornieren?

Da unterscheiden sich die Meinungen. Zahlreiche Reiseveranstalter akzeptieren kostenlose Stornierungen nur bei einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, wie sie für den Nordsinai und das Grenzgebiet zu Israel gilt. Der Reiserechtler Paul Degott sagt aber, eine Kündigung sei immer in einer Situation höherer Gewalt möglich, wenn diese die Reise konkret betreffe und so zum Beispiel „der planmäßige Erholungsurlaub nicht mehr möglich ist“. Dies sei in Ägypten mittlerweile der Fall. Die Anbieter müssten bei Stornierung also den gesamten Reisepreis zurückzahlen. Bei vorzeitiger Abreise müsse vom Verbraucher nur der erbrachte Teil der Reise und die Rückreise bezahlt werden.

Wie reagieren die Anbieter in der aktuellen Situation?

Zahlreiche Anbieter haben ihre Reisen für die kommenden Wochen komplett abgesagt. Andere bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen, wollen aber keine Stornierungen akzeptieren. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass Verbraucher eine Umbuchung durch ihren Reiseveranstalter nicht akzeptieren müssen.

Was sollten Touristen tun, die schon vor Ort sind?

Das Auswärtige Amt hält die Lage in den Touristenorten am Roten Meer noch für „ruhig“. Nach Angaben von TUI und Thomas Cook können Urlauber, die bereits in Ägypten sind, ihre Reise fortsetzen. Sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der örtlichen Reiseleitungen halten und wie gebucht zurückfliegen. In Hurghada ist das Auswärtige Amt bereits durch einen Honorarkonsul vertreten, auch in andere Reiseorte soll Botschaftspersonal entsandt werden, das für Fragen zur Verfügung steht.

Hilft mir eine Reiserücktritt-Versicherung?

Selbst wer eine Reiserücktritt-Versicherung abgeschlossen hat, ist bei Streit mit dem Reiseveranstalter nicht auf der sicheren Seite. Die Police schließt Ereignisse höherer Gewalt wie Anschläge oder Naturkatastrophen regelmäßig aus. Sie deckt nur persönliche Risiken ab, etwa eine schwere Krankheit oder der Tod eines Angehörigen vor Reiseantritt. Sollte der Anbieter eine kostenlose Stornierung verweigern und wollen Verbraucher dagegen vorgehen, wären sie also auf eine Rechtsschutz-Versicherung angewiesen.

In Ägypten fällt der Jahrestag des Ausbruchs der Revolution, die Anfang 2011 zum Sturz des Langzeitmachthabers Husni Mubarak führte, stets auf den landesweit gefeierten „Tag der Polizei“. Der 25. Januar ist daher ein Feiertag, Versammlungen zu Ehren der 2011 getöteten Demonstranten werden jedoch aus Sicherheitsgründen verboten.

Bei den Protesten gegen Mubarak waren mehr als 800 Menschen ums Leben gekommen. Der damalige Staatschef musste in der Folge zurücktreten, ein Verfahren gegen ihn wegen Mitschuld am Tod der Demonstranten wurde jedoch eingestellt.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hikmet Özdemir

26.01.2015, 07:40 Uhr

Ägypten ist unter Al-Sisi zu einer neuen Militärdiktatur geworden.. Einstige Protagonisten der Revolution werden gejagt, die Opposition verfolgt, auf Bürgerrechtler, Journalisten und Demokratieaktivisten macht die Justiz ebenfalls Jagd. Militärdiktaturen haben, entgegen der Hurraschrei der Europaregierungen, nie zu mehr Demokratie geführt. Sie hofieren sie trotzdem um wirtschaftliche Interressen wegen. Fazit der Sisi Diktatur:Heute, im Ägypten von Ex-Feldmarschall Abdel Fattah al-Sisi, jedoch dominieren vor allem die Albträume. Mindestens 20.000 politische Gefangene sitzen hinter Gittern, mehr als 1800 Menschen sind nach Sisis Machtübernahme durch Polizeikugeln gestorben – die Hälfte allein am 14. August 2013 auf dem Rabaa Adawiyya Platz in Kairo, dem schlimmsten Massaker durch Sicherheitskräfte in der modernen Geschichte Ägyptens.

Herr Joly Joker

26.01.2015, 13:21 Uhr

Ägypten existiert seit 5000 Jahren. Immer ohne Demokratie. Das gilt auch für China. Die Mehrheit der Ägypter will nicht Demokratie, sondern Ful und Aisch(Bohnen und Brot) Wenn man den Ägyptern helfen will, dann müssen die Geldquellen wieder sprudeln und zwar für die kleinen Menschen. Jene die vom Tourismus leben. Um Ägypten zu helfen ist mehr als Revolution und Aufstände nötig. Vor allem braucht man dazu keine Demokratie. Sinnvoll ist eine Diktatur der 1 Kind/Sohn Politik je Familie. Die Schaffung von Millionen Minijobs und die Sicherung der Bildung. China könnte da ein Vorbild sein. Natürlich sind viele weitere Maßnahmen nötig wie Bürokratieabbau, Reduzierung der Beamten, Hausbau nur noch in der Wüste - nicht mehr im Fruchtland; aber auch Modernisierung der Landwirtschaft und die Förderung der Kleinunternehmer. Ohne ein stabiles Ägypten gibt es keine Sicherheit und Ruhe im Nahen Osten. Der arabische Raum steht und fällt mit diesem Land.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×