Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.03.2017

19:38 Uhr

Rex Tillerson

Heikle Gespräche in der Türkei

US-Außenminister Tillerson ist zu Besuch in der Türkei. Die Beziehung zwischen beiden Nato-Ländern ist nicht ungetrübt. So stört sich die Türkei etwa daran, dass die USA in Syrien kurdische Kämpfer unterstützen. 

US-Außenminister Rex Tillerson (l) in Ankara bei einer Pressekonferenz nach dem Treffen mit dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu. Laut Tillerson müssen die Vereinigten Staaten und die Türkei „schwierige Entscheidungen“ über den weiteren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien treffen. dpa

Rex Tillerson und Mevlüt Cavusoglu

US-Außenminister Rex Tillerson (l) in Ankara bei einer Pressekonferenz nach dem Treffen mit dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu. Laut Tillerson müssen die Vereinigten Staaten und die Türkei „schwierige Entscheidungen“ über den weiteren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien treffen.

AnkaraDer amerikanische Außenminister Rex Tillerson hat den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat mit der türkischen Regierung abgestimmt. Die USA und die Türkei müssten „schwierige Entscheidungen“ darüber treffen, wie der IS in Syrien bekämpft werden solle, sagte Tillerson am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu.

Die beiden Nato-Länder haben unterschiedliche Vorstellungen davon, ob syrisch-kurdische Kräfte bei der Rückeroberung der De-facto-Hauptstadt des IS, das syrische Al-Rakka, beteiligt werden sollen. Während Washington die Kurdenmiliz YPG unterstützt, hält Ankara sie für eine Terrorgruppe, die die Sicherheit des Landes bedroht.

Gemeinsam mit der türkischen Führung gehe er „eine Reihe von Optionen und Alternativen“ bei der Befreiung Al-Rakkas durch, sagte Tillerson. Er deutete jedoch an, dass bislang keine Einigung erzielt worden sei. Die beiden Länder müssten weiterhin darüber diskutieren, wie es weitergehe, sagte Tillerson.

Türkischer Spitzenbanker: Türkei verurteilt Banker-Verhaftung in USA

Türkischer Spitzenbanker

Türkei verurteilt Banker-Verhaftung in USA

Die USA haben eine hochrangige Führungskraft der türkischen staatseigenen Halkbank wegen angeblicher Verstöße gegen Iran-Sanktionen festgenommen. Die türkische Regierung hält dies für rein politisch motiviert.

Cavusoglu sagte, die Unterstützung der USA für die kurdischen Kräfte in Syrien hätten die Türkei betrübt und die amerikanisch-türkischen Beziehungen beeinträchtigt.

Das Büro des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim hatte zuvor am Donnerstag mitgeteilt, dass eine engere Zusammenarbeit mit den USA in der Region verabredet worden sei. Die Differenzen hinsichtlich der Kurden wurden dabei nicht erwähnt.Tillerson traf am Donnerstag auch mit Präsident Recep Tayyip Erdogan zusammen. Der neue Chefdiplomat der USA betonte die Wichtigkeit der Türkei für die Sicherheit der USA und ihre wirtschaftlichen Beziehungen in der Region.

Yildirim hatte den Einsatz des Militärs gegen den IS im Norden Syriens am Mittwochabend für beendet erklärt. Türkische Soldaten und Verbündete hätten mit der Operation „Euphrat-Schild“ das Gebiet entlang der Grenze zwischen der Türkei und Syrien gesichert, sagte Yildirim im türkischen Nachrichtensender NTV. Sollte es nötig sein, werde eine neue Militäroperation unter anderem Namen beginnen.

Die Kurden - ewiger Streit

Kurdengebiete

Das Kurdengebiet erstreckt sich vom Osten der Türkei über Syrien, bis in den Irak und Iran. Kurdische Nationalisten fordern seit jeher ein eigenes Staatsgebiet für die Kurden. Die Staaten in diesem Gebiet, allen voran die Türkei, lehnen das jedoch ab.

Tradition und Religion

Die Kurden sind eine Bevölkerungsgruppe mit einer eigenen Sprache, traditionellen Festen, Musik und Literatur und einer eigenen kurdischen Küche. Religiös sind die Kurden hingegen gespalten: Die Mehrheit der Kurden sind Sunniten. Daneben gibt es, wenn auch wenige, Schiiten, Jesiden, Christen und Juden.

Politik

In der Türkei, in Syrien und im Iran gründeten Kurden eigene Parteien, die jedoch zum Teil nur im Untergrund agieren können, da sie von den nationalen Regierungen unterdrückt werden. Die wohl bekannteste von ihnen ist die PKK in der Türkei. Nur die autonome Region Kurdistan, im Irak, hat ein eigenes Parlament und wählt ihren eigenen Präsidenten.

Türkei Konflikt

Der Konflikt zwischen der Türkei und der PKK gilt als der längste Konflikt zwischen Kurden und der türkischen Regierung. Die PKK fordert seit ihrer Gründung im Jahr 1978 einen unabhängigen Kurdenstaat. Diesen versucht sie, zum Teil auch gewaltsam, durchzusetzen. Die Türkei lehnt einen autonomen Kurdenstaat ab und ging ihrerseits immer wieder militärisch gegen die PKK vor. Die PKK wird von der der Türkei, von den USA und von der EU als terroristische Vereinigung eingestuft.

Sport

Die beliebteste Sportart in der autonomen Region Kurdistan ist Fußball. Vor zehn Jahren gründete sich der kurdische Fußballverband „Kurdistan Football Association“, in dem heute 24 Mannschaften spielen. Außerdem gibt es eine kurdische Fußballauswahl, die von der FIFA jedoch nicht anerkannt wird und deshalb nicht an den Weltmeisterschaften teilnehmen darf.

Bei den Gesprächen des US-Außenministers sollte auch die von der Türkei geforderte Auslieferung des in den USA lebenden muslimischen Geistlichen Fethullah Gülen zur Sprache kommen. Die Regierung in Ankara sieht ihn als Drahtzieher hinter dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016.

Die Festnahme eines Topmanagers der türkischen Staatsbank Halkbank in New York dürfte ebenfalls zur Sprache kommen. Dem Mann wird vorgeworfen, dem Iran dabei geholfen zu haben, gegen US-Sanktionen zu verstoßen.

Von

ap

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×