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05.09.2011

21:15 Uhr

Richtlinien-Entwurf

EU kämpft gegen Rohstoff-Spekulation

VonRuth Berschens

ExklusivDie EU will die Spekulation mit Weizen, Speiseöl, Metall und anderen Rohstoffen stoppen. Das sieht ein neuer Richtlinienentwurf von EU-Kommissar Michel Barnier vor, der dem Handelsblatt vorliegt.

Blick in den Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main dpa

Blick in den Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main

BrüsselDie Finanzaufsichtsbehörden sollen "das ausdrückliche Recht erhalten, Geschäfte mit Rohstoff-Derivaten zu begrenzen", heißt es in dem 240 Seiten starken Entwurf der sogenannten Mifid-Richtlinie. Die Behörden sollten sowohl für "individuelle Transaktionen" als auch für "über einen längeren Zeitraum aufgebaute Handelspositionen" Obergrenzen setzen. Anleger und Händler sollen außerdem verpflichtet werden, "Marktmissbrauch vorzubeugen und eine ordentliche Preisbildung und Abwicklung" zu gewährleisten.

Mit dem Entwurf reagiert Barnier auf dramatische Preisschübe an den Rohstoff-Märkten. Sie führten in armen Ländern bereits zu Hunger-Aufständen und bringen auch die auf Rohstoffe angewiesene Industrie der entwickelten Staaten in ernste Schwierigkeiten. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, derzeit Präsident der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer, setzt sich deshalb für ein weltweites Spekulationsverbot an den Rohstoff-Märkten ein. Der für EU-Finanzmarktregulierung zuständige französische EU-Kommissar Barnier will ihn dabei nun unterstützen.

Der Entwurf der "Markets in Financial Instruments Directive" (Mifid)enthält außerdem neue Vorschriften gegen den superschnellen Computerhandel mit Wertpapieren. Barnier will Börsen und andere Handelsplattformen verpflichten, Kurssicherungssysteme in ihre Software einzubauen. Sie sollen den Handel bei unerwarteten Kursschwankungen vorübergehend unterbrechen. Außerdem soll die Finanzaufsicht künftige auch bankinterne elektronische Handelssysteme überwachen. Beim sogenannten Hochfrequenzhandel tätigen Computerprogramme in Sekundenschnelle ohne menschliches Zutun hunderte von Kauf- oder Verkaufsorders. Dabei kommt es immer häufiger zu dramatischen Kursausschlägen. Im Mai 2010 verlor der US-Leitindex Dow Jones binnen weniger Minuten fast 1000 Punkte. Im August dieses Jahres stürzte der Aktienkurs der französischen Großbank Société Générale blitzschnell um mehr als 20 Prozent ab.

Kommentare (3)

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05.09.2011, 22:13 Uhr

Viel Luft um nichts. Wo sollen denn all die Milliarden hin, die FED und EZB aus dem nichts erschaffen?

Die 1500 Millarden Dollar müssen ja irgendwo angelegt werden.

Das Eindämmen des Marktes kennt man ja bereits: aus der DDR. (War es da wirklich so schön, dass man eine Mauer bauen musste, weil alle dahin wollten?)

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06.09.2011, 08:11 Uhr

Da sieht man Mal wieder dass da Leute ohne Verstand aber mit großem Maul sitzen. Nicht die steigenden Preise sind für den Hunger verantwortlich, sondern die Politik.
Die Realität ist doch, dass die Bevölkerung explodiert und die Ansprüche an die Lebensmittelversorgung, insbesondere in den Schwellenländern, steigt. Wenn dann auch noch landwirtschaftliche Flächen dazu genutzt werden, dass da Pflanzen angebaut werden, damit die auf besonderen Wunsch der EU zu Treibstoffe für Autos verarbeitet werden, dann weiss offenbar in dem Kasperletheater EU der eine Dummkopf nicht was der andere Dummkopf ausgeheckt hat.

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06.09.2011, 16:47 Uhr

Protest gegen Nahrungsmittel-Spekulationen
Spekulanten profitieren vom Handel mit Nahrungsmitteln, während die Zahl der Hungernden weltweit steigt! Die Initiative handle-fair.de protestiert dagegen!

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