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05.08.2016

15:20 Uhr

Rios Bürgermeister

Einwohner sollen bei Olympia zu Hause bleiben

Tausende Gegner von Brasiliens Übergangspräsident Michel Temer planen Proteste vor dem Maracanã-Stadion während der Olympia-Eröffnungsfeier. Rios Bürgermeister Paes empfiehlt den Einwohnern, zuhause zu bleiben.

Mit keinem Wort ging Paes (l) auf die für Freitag geplanten Proteste vor dem Maracanã-Stadion ein, dem Ort der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. dpa

Rios Bürgermeister Eduardo Paes

Mit keinem Wort ging Paes (l) auf die für Freitag geplanten Proteste vor dem Maracanã-Stadion ein, dem Ort der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele.

Rio de JaneiroKurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro hat Bürgermeister Eduardo Paes alle Einwohner der Millionenmetropole aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Auf diese Weise würden unnötige Staus vermieden, sagte Paes am Donnerstag auf einer Pressekonferenz: „Morgen werden alle Athleten und Journalisten zur Eröffnungsfeier kommen. Die Carioca (Rios Einwohner) sollten daheim bleiben oder in der Nähe ihrer Wohnung“. Er empfahl, während der gesamten Spiele ähnlich zu verfahren.

Die kommenden Tage würden „verwirrend und fröhlich“, sagte Paes weiter. Für die Stadt als Austragungsort der Sommerspiele seien sie sehr „wichtig“. Rios Einwohner sollten deshalb stets dafür sorgen, dass die Athleten „die jeweiligen Austragungsorte ungehindert erreichen“.

Mit keinem Wort ging der Bürgermeister auf die für Freitag geplanten Proteste vor dem Maracanã-Stadion ein, dem Ort der Eröffnungsfeier. An der Kundgebung gegen den konservativen Übergangspräsident Michel Temer wollten tausende Anhänger seiner Vorgängerin Dilma Rousseff teilnehmen.

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Temer selbst hatte bereits halb scherzhaft gesagt, er sei auf Pfiffe und Buhrufe während seiner kurzen Eröffnungsansprache vorbereitet. Nach Informationen brasilianischer Medien wollen die Olympia-Organisatoren deshalb sofort nach Temers Auftritt die Musik im Stadion aufdrehen, um Protestäußerungen zu übertönen. Eine Bestätigung der Berichte gab es allerdings nicht.

Rousseff wurde Anfang Mai vom Parlament in einem umstrittenen Verfahren vorläufig ihres Amtes enthoben. Ihr wird vorgeworfen, Haushaltszahlen geschönt zu haben, um vor der Präsidentschaftswahl 2014 ihre Chancen zu verbessern. Sie selbst spricht von einem „Putsch“. Obwohl Rousseff und vor allem ihr Vorgänger Inácio Lula da Silva eine Schlüsselrolle beim Zustandekommen der Olympischen Spiele in Rio spielten, wollten sie die Eröffnungsfeier boykottieren.

Vor zwei Jahren war auch Rousseff bei der Eröffnung der Fußball-WM in São Paulo ausgepfiffen und beschimpft worden. Sie musste daraufhin auf ihre Ansprache verzichten. Grund für den Unmut der Menschen waren damals die Milliarden-Investitionen für die Spiele, während in vielen Teilen des Landes Armut herrschte.

Inzwischen herrscht in Brasilien Rezession, und praktisch die gesamte Elite des Landes ist in einen Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras verwickelt. Für zusätzlichen Ärger sorgen massive Einschnitte der Regierung Temer bei einigen Sozialprogrammen. In einer Umfrage der vergangenen Woche vertraten 60 Prozent der Brasilianer die Auffassung, dass die Olympischen Spiele dem Land „mehr schaden als nutzen“.

Von

afp

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