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13.01.2011

20:29 Uhr

Robert Greenhill

„Die Führung hat versagt“

Das World Economic Forum (WEF) vermisst eine effektive Krisenprävention durch die internationale Staatengemeinschaft. Torsten Riecke sprach mit Robert Greenhill, dem wirtschaftlichen Leiter des Forums, darüber, was bei der Bekämpfung der Finanzkrise falsch gelaufen ist - und was jetzt zu tun ist.

Robert Greenhill: Der wirtschaftliche Leiter des World Economic Forums bemängelt kurzsichtige Reaktionen auf die Krise. Pressefoto World Economic Forum

Robert Greenhill: Der wirtschaftliche Leiter des World Economic Forums bemängelt kurzsichtige Reaktionen auf die Krise.

Herr Greenhill, was ist die wichtigste Botschaft des "Risk Reports" vom World Economic Forum?

Robert Greenhill: Wir sind der Meinung, dass die Regierungen zwar die Symptome der Finanzkrise bekämpft haben. Wir haben jedoch versäumt, die Systemrisiken zu beseitigen und die Lücken in der globalen Steuerung unserer Volkswirtschaften zu schließen.

Im vergangenen Jahr hat das WEF bereits vor der Schuldenkrise gewarnt. Haben wir in den vergangen zwölf Monaten nichts dazugelernt?

Greenhill: Die globale Führung hat versagt. Wir müssen einen Schritt zurückmachen und uns mit den Ursachen der Krise beschäftigen. Und zwar nicht nur mit den Gründen für die Finanzkrise, sondern auch mit den Ursachen für die steigende Zahl von Krisen, sei es bei der Nahrungsmittelversorgung oder der Energiesicherheit. Bislang sind wir darauf nicht vorbereitet.

Was sind denn die größten Risiken für die Weltwirtschaft?

Wir haben drei Klumpenrisiken identifiziert: Die wirtschaftlichen Gefahren der globalen Ungleichgewichte im Güter- und Kapitalverkehr, die Zunahme der Schattenwirtschaft, wo Korruption, Schmuggel und Terrorismus sich ausbreiten, und schließlich die Engpässe und Preissteigerungen bei Energie, Lebensmittel und Wasser.

Sie befürchten eine neue Nahrungsmittelkrise?

Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen höheren Energie- und Nahrungsmittelpreisen. Hohe Ölpreise treiben die Produktionskosten für Lebensmittel nach oben. Das macht uns Sorge.

Wo liegen die neuen Gefahren der Schattenwirtschaft?

Das Problem ist heute viel komplexer. So zeigen sich in Afghanistan enge Verbindungen zwischen einer schwachen Regierung, Korruption, illegalem Handel und dem Terrorismus.

Das WEF fordert ein sogenanntes "Risk Response Network". Was meinen Sie damit?

Das Krisenmanagement der Staaten war wichtig, reicht aber nicht aus. Wir brauchen ein globales Netzwerk der wichtigsten Experten und Entscheidungsträger. Nur dadurch können wir Risiken früher identifizieren, bevor sie sich zu einer Krise ausweiten.

Wir haben eine Vielzahl internationaler Gipfeltreffen. Brauchen wir noch mehr davon?

Wir brauchen mehr Interaktion zwischen den vielen Gremien, die es gibt. Es ist doch so, dass die Geschwindigkeit, mit der sich Krisen rund um den Globus ausbreiten, stark zugenommen hat.

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