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07.10.2015

21:14 Uhr

Robert Mugabe

Simbabwe wartet auf den Tod des Machthabers

Dürre, Wirtschaftsflaute und eine Arbeitslosigkeit von bis zu 80 Prozent: Simbabwe steht am Abgrund. Seit 35 Jahren klammert sich der greise Präsident Robert Mugabe an die Macht. Sein Volk spekuliert über den „Tag X“.

Simbabwes Langzeitpräsident Mugabe muss sich dem Westen zuwenden. Lange Zeit waren die USA und Europa ein rotes Tuch für ihn. Doch die Wirtschaftskrise zwingt den Politiker zum Umdenken. ap

Robert Mugabe

Simbabwes Langzeitpräsident Mugabe muss sich dem Westen zuwenden. Lange Zeit waren die USA und Europa ein rotes Tuch für ihn. Doch die Wirtschaftskrise zwingt den Politiker zum Umdenken.

HarareCalvin Bembere will sich als Straßenhändler durchschlagen. Vor zwei Monaten hat der 35-Jährige seinen Job beim Staatsfernsehen in Simbabwe verloren. Er ist eines der Opfer der Wirtschaftsflaute, unter der das Land im Süden Afrikas leidet – und die auch seine potenziellen Kunden betrifft. „Die Leute die von mir etwas kaufen sollten, sind jetzt auch arbeitslos und haben kein Geld“, sagt Bembere.

Ein weiteres Zeichen der Krise ist die Dunkelheit in den Städten: Strom ist inzwischen stark rationiert. Viele Kunden bekommen nur noch einige Stunden am Tag Elektrizität. Die Stromkrise lähmt die strauchelnde Wirtschaft. Doch aus Dürre-Gründen kann eines der wichtigsten Kraftwerke des Landes, der Staudamm am Kariba-See, nur noch einen Bruchteil der geplanten Leistung erbringen. In der Hauptstadt Harare und anderswo wird auch die Wasserversorgung oft für mehrere Stunden oder gar Tage eingestellt.

Sogar Langzeitpräsident Robert Mugabe, der sich seit 35 Jahren an die Macht klammert, sieht inzwischen ein, dass es wirtschaftlich so nicht weiter gehen kann. In den vergangenen Jahren hatte er offenbar gehofft, seine neuen Freunde aus China würden die Wirtschaft Simbabwes im Austausch gegen Diamanten, Tabak und andere Exportgüter wieder aufpäppeln. Zudem stellen die Chinesen keine für ihn lästigen Fragen zu Menschenrechten und dergleichen. Der Westen - also vor allem die USA, die EU und die frühere Kolonialmacht Großbritannien - waren für Mugabe bislang ein rotes Tuch. Doch nun schlägt er neue Töne an.

„Meine Regierung weiß neues Engagement der westlichen Welt in der simbabwischen Wirtschaft zu schätzen“, kündigte der Machthaber in seiner Rede an die Lage der Nation im August an. Beobachter sahen darin ein seltenes Eingeständnis des 91-Jährigen, dass seine Politik der Isolierung vom Westen gescheitert ist. Nun hofft er auf Unterstützung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.

Simbabwe steht vor erheblichen Problemen. Doch die Regierungspartei Zanu-PF konzentriert sich auf den Machtkampf darüber, wer Mugabe nachfolgen soll. „Das Erbe der Misswirtschaft macht die Aufgabe, das Wachstum wiederzubeleben, ungleich schwieriger“, sagt der Ökonom Tony Hawkins.

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Nach der Unabhängigkeit 1980 blieb Simbabwe zunächst ein Vorzeigemodell - wirtschaftlich erfolgreich galt es als Brotkorb des südlichen Afrikas. Doch Ende der 90er-Jahre begann die Vertreibung von etwa 4000 weißen Großgrundbesitzern. Das Land wurde auf etwa 200.000 schwarze Bauern umverteilt, denen aber fehlte häufig das Fachwissen. Die Produktion brach zusammen. Der Weltbank zufolge sank die Wirtschaftsleistung zwischen 1999 und 2008 um fast die Hälfte.

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