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26.11.2015

06:31 Uhr

Rockband im Vice-Interview

Die Horrornacht im Pariser Bataclan

VonFrank Wiebe

Das Pariser Bataclan, in dem die Band „Eagles of Death Metal“ gerade ein Konzert gibt, wird plötzlich Schauplatz eines terroristischen Anschlags. In einem Interview für Vice-Online schildern die Musiker die Horrorszenen.

Das Bild zeigt die US-Band Eagles of Death Metal auf der Bühne im Pariser Bataclan - nur wenige Momente, bevor Terroristen die Halle stürmten und 89 Menschen töteten. AFP

Eagles of Death Metal im Pariser Bataclan

Das Bild zeigt die US-Band Eagles of Death Metal auf der Bühne im Pariser Bataclan - nur wenige Momente, bevor Terroristen die Halle stürmten und 89 Menschen töteten.

New YorkEs war der Abend, an dem die Mörder kamen. Die Mitglieder der amerikanischen Rockband „Eagles of Death Metal“ brauchten einen Moment, um zu begreifen, was geschah. Doch dann hatten sie nur noch einen Gedanken: Rette sich, wer kann.

Bei dem Angriff am Freitag, dem 13. November, für den die Organisation Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernahm, war das Konzert der Eagles in der Pariser Konzerthalle Bataclan das Zentrum des Geschehens; rund 90 der insgesamt 130 Opfer von diesem Abend kamen dort ums Leben.

Im Gespräch mit Shane Smith, dem Gründer des internationalen Medienunternehmens Vice Media, schildern die Musiker in einem ausgedehnten Video stockend und mitunter den Tränen nahe, immer wieder nach Worte suchend und Luft holend, was geschah.

Gitarrist Eden Galindo schildert, wie er sich ins Freie rettete, nachdem die ersten Schüsse fielen. Bassist Matt McJunkins erzählt, wie er mit anderen zusammen in einem Raum gefangen war. Einzig eine Champagner-Flasche aus dem Kühlschrank hatten sie als potenzielle Waffe zur Verfügung. „Vor mir blutete eine Frau die ganze Zeit. Sie hatte einen Schuss abbekommen, und man konnte ihr nicht helfen“, sagt er.

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Schlagzeuger Julio Dorio beschreibt den „schrecklichsten Moment“ seines Lebens, als er sah, wie zwei Männer vor ihm anfingen, ununterbrochen in die Menge zu schießen. Er rettete sich kriechend von der Bühne.

Gitarrist Dave Catching beobachtete: „Leute fallen tot um oder sind verletzt.“ Ein Attentäter habe auf ihn gezielt, traf aber daneben.

Jesse Hughes, einer der Gründer der seit 1998 bestehenden Band, geriet ebenfalls unter Feuer. Er durchlebte Minuten der Hölle. „Wo ist Tuesday?“, sei sein erster Gedanke gewesen – so heißt seine Freundin, die sich im Publikum befand. Am Ausgang der Halle fand er sie wieder.

Alle in der Band sind gezeichnet von der Angst und der Panik dieses Abends. Sie haben Menschen sterben gesehen, aber auch beobachtet, wie sie sich gegenseitig zu helfen und sogar vor den Kugeln zu schützen suchten. Ihre Fans laden sie nun ein, ihre Geschichten mit ihnen zu teilen. Und ihre Musik wollen sie weiterhin als Botschaft der Liebe und der Freiheit verstanden wissen.

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Das lange Gespräch war wie für Vice geschaffen: Smith moderierte hier und da behutsam, ließ aber den Musikern viel Zeit für ihre Schilderungen. So nah dran wie möglich, viel Atmosphäre: Nach diesem Konzept funktionieren die Filme von Vice.

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