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13.11.2017

14:22 Uhr

Rodrigo Duterte

Ein Liebeslied für Donald Trump

VonMathias Peer

Der US-Präsident zelebriert auf seiner Asienreise die Männerfreundschaft zu anderen Staatschefs. Auch bei dem brutalen Staatschef der Philippinen hat er keine Berührungsängste. Für die USA könnte sich das aber rächen.

Rodrigo Dutertes Liebeslied für Donald Trump AP

Donald Trump und Rodrigo Duterte (v.l.)

Für den US-Präsidenten stellen die Menschrechtsverletzungen auf den Philippinen kein Problem dar.

BangkokDer philippinische Präsident Rodrigo Duterte, der für einen brutalen Antidrogenkrieg mit Tausenden Toten verantwortlich ist und seine Gegner gerne als Hurensohn beschimpft, zeigt beim Besuch von Donald Trump plötzlich eine charmante Seite: Im cremefarben Festtagshemd begibt sich der für seine rabiaten Äußerungen bekannte Politiker bei einem Staatsempfang in Manila an das Mikrofon – und schlägt ausnahmsweise sanfte Töne an: „Du bist das Licht in meiner Welt“, singt er in seiner Landessprache. Am Ende des Liebesliedes lässt er sein Publikum wissen: „Ich habe das Lied auf Wunsch des Oberbefehlshabers der Vereinigten Staaten vorgetragen.“

Für Donald Trump, der auf der für seine Verhältnisse außergewöhnlich harmonischen Asienreise bereits mit Japans Premier Shinzo Abe Cheeseburger aß und Chinas Präsidenten Xi Jinping als „einen ganz besonderen Mann“ bezeichnete, ist der letzte Stopp auf den Philippinen der krönende Abschluss einer Reihe von öffentlichkeitswirksam inszenierten Männerfreundschaften.

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Bei einem bilateralen Treffen mit Duterte am Rand des Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean lobte der US-Präsident die „herausragende Beziehung“ zwischen den Philippinen und den USA. Vermutlich mit Blick auf die Gesangseinlage seines Amtskollegen fügte er hinzu: „Die Show war fantastisch, du warst fantastisch.“

Auf den ersten Blick sind die guten Beziehungen, die Trump auf seiner Reise knüpfte, durchaus als Erfolg zu werten. So wurde noch seinem Vorgänger eine deutlich weniger zuvorkommende Behandlung zuteil: Als Barack Obama vor einem Jahr zur letzten China-Reise seiner Präsidentschaft in der Metropole Hangzhou landete, stellten die Gastgeber nicht einmal eine Flugzeugtreppe bereit. Obama musste den Notausgang durch den Flugzeugbauch nehmen. Ob Absicht oder Versehen – der Vorfall am Flughafen wurde als Symbol der Geringschätzung für den US-Präsidenten gewertet.

Mit Duterte hatte Obama sogar noch größere Schwierigkeiten. Beim Asean-Gipfel vor einem Jahr fiel ein geplantes Treffen zwischen den beiden Präsidenten aus, nachdem Duterte verbal ausfällig geworden war. „Hurensohn, ich werde dich bei diesem Forum verfluchen“, kündigte Duterte an, weil sich Obama bei dem Treffen kritisch über die massiven Menschenrechtsverletzungen auf den Philippinen äußern wollte. „Wenn du das tust, werden wir uns wie Schweine im Matsch wälzen“, warnte Duterte.

Der 72-Jährige, der seit Mai 2016 regiert und zuvor wegen seines populistischen Anti-Establishment Wahlkampfs als „Donald Trump Asiens“ bezeichnet wurde, hat möglichst große Brutalität gegen angebliche Drogenkriminelle zum Kern seiner Präsidentschaft gemacht.

Er werde Tausende Verbrecher töten und ihre Leichen in die Bucht von Manila werfen, kündigte er vor seiner Wahl an. Tatsächlich wurden seit Dutertes Amtsantritt mehr als 12.000 Verdächtige von der Polizei oder selbsternannten Bürgerwehren getötet – mit ausdrücklicher Billigung von Präsident Duterte.

Kommentare (14)

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Herr Old Harold

13.11.2017, 15:04 Uhr

Brüder, nicht nur im Geiste:

Für USA-Besucher gilt seit Jahrzehnten der Tip, stets 10 oder 20 Dollar griffbereit zu halten, falls ein Drogensüchtiger angreift.

Für Philippinos gilt seit Jahrzehnten der Tip, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr vor die Haustür zu gehen, um vor Überfällen von Drogensüchtigen sicher zu sein.

Jetzt haben die sich in demokratischen Wahlen für den "brutalen" Bürgermeister Dutete als Staatschef entschieden, weil der ihnen versprochen hat, auch die Bucht von Manila mit Drogenabhängigen und deren Dealern zu füllen.

(Und in Deutschland wollen Rot/Rot/Grün/Gelb die Einstiegsdroge Cannabis für den Verkauf freigeben, weil man gegen Konsumenten und deren Dealer ohnehin machtlos sei).

Herr Helmut Metz

13.11.2017, 16:10 Uhr

Welcher Staatschef, der entweder nicht homosexuell ist oder einen Ödipus-Komplex hat, würde denn freiwillig Mutti berühren?

Enrico Caruso

13.11.2017, 17:40 Uhr

@ Helmut Metz

Das sollte man meinen. Aber ich erinnere an den notorischen Knutscher Sarkozy!
Was der allerdings vorher genommen hat, das weiß man nicht.

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