Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Rohingya in Bangladesch

Seite 2 von 2

160 Millionen Einwohner und nur halb so groß wie Deutschland

Indische Muslime verbrennen Bildnisse des indischen Premierministers Narendra Modi und der myanmarischen Politikerin Aung San Suu Kyi, um gegen die Unterdrückung und Gewalt gegenüber den Rohingyas in Myanmar zu protestieren. dpa

Rohingya-Konflikt in Myanmar

Indische Muslime verbrennen Bildnisse des indischen Premierministers Narendra Modi und der myanmarischen Politikerin Aung San Suu Kyi, um gegen die Unterdrückung und Gewalt gegenüber den Rohingyas in Myanmar zu protestieren.

Ihr Land, das mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 1500 Dollar im Jahr zu den ärmsten Staaten der Welt zählt, leidet schon jetzt an massiver Überbevölkerung: 160 Millionen Einwohner leben auf einer Fläche, die weniger als halb so groß ist wie Deutschland. Ökonomen in Bangladesch befürchten, dass dem Land die Ressourcen fehlen, um sich um die Flüchtlinge zu kümmern.

Ashikur Rahman, Wirtschaftsforscher am Policy Research Institute in Dhaka, rechnet mit jährlichen Zusatzkosten von mindestens einer Milliarde Dollar – und das sei eine sehr konservative Schätzung. „Wir müssen die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auffordern“, sagt er. Andernfalls drohe an anderer Stelle das Geld für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu fehlen.

Die Kosten der Flüchtlingskrise könnten somit eine der größten Erfolgsgeschichten in der globalen Armutsbekämpfung ausbremsen: Bangladeschs Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahrzehnt um durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr. Die Einkommen der ärmsten Bevölkerungsschicht stiegen laut einer Weltbank-Studie besonders stark. Seit Beginn der 90er-Jahre entkamen 50 Millionen Menschen in Bangladesch der extremen Armut.

Die Situation der Rohingya, die vor dem aktuellen Massenexodus aus Myanmar zum Teil bereits seit Jahrzehnten Zuflucht in Bangladesch gesucht hatten, verbesserte sich hingegen kaum. Der Genfer Flüchtlingskonvention ist Bangladesch nie beigetreten, die Rohingya sind deshalb weitgehend rechtlos und dürfen offiziell auch keine Arbeit aufnehmen.

Ob die Volksgruppe künftig mehr Unterstützung bekommen soll, ist umstritten. Regierungschefin Hasina hatte noch im vergangenen Jahr gegenüber den Rohingya eine Abwehrhaltung eingenommen: „Wir können nicht einfach unsere Tore öffnen für Menschen, die wie in Wellen hier ankommen.“

In der öffentlichen Debatte werden aber auch die Stimmen lauter, die Bangladesch trotz knapper Ressourcen in einer humanitären Verpflichtung sehen: „Wir müssen diejenigen aufnehmen, die vor Tod und Zerstörung fliehen“, sagt der Zeitungsjournalist Zafar Sobhan in einem Videoplädoyer, das er bei Facebook hochgeladen hat. Es werde nicht einfach sein, und es werde hohe Kosten mit sich bringen. „Aber es ist das, was uns die Menschlichkeit vorschreibt.“

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Anno Nymicus

13.09.2017, 16:15 Uhr

"Das bitterarme Land nimmt sich ein Beispiel an Deutschland. "

Wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden - wie in diesem Fall (Krieg/ kriegsähnliche Zustände im Nachbarland, und nicht 7-8 Nationalgrenzen und 2-3 Kulturgrenzen weiter weg),
dann ist dies keine Berichterstattung - sondern manipulative, Propaganda.
"Lügenpresse!
Lügenpresse!
Lügenpresse!
...".

Heutzutage fragt man sich mittlerweile: Und wann sind die dann alle hier in Deutschland?

Frau Willy Strasser

13.09.2017, 16:20 Uhr

Wie der Vorredner schon schreibt: Lügen- oder Lückenpresse...

Ich bin gerade in einem Nachbarland (Indien) und lese jeden Tag die regionale Presse. In den West-Medien fehlt vollständig die andere Seite der Medaille. Ja, um die Leute kann es einen leid tun, ABER:

Es geht wieder mal um islam. Terror - die bekannten Kräfte greifen aus dem Schutz der Masse heraus an. Burma sieht doch wohin das führt - Syrien, Afgh. etc. etc. Was sollen die machen - es soweit kommen lassen. Die sagen sich "Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende". Ich würde das als Burmese auch so sehen.

Frau Annette Bollmohr

13.09.2017, 17:11 Uhr

„Die Kosten der Flüchtlingskrise könnten somit eine der größten Erfolgsgeschichten in der globalen Armutsbekämpfung ausbremsen: Bangladeschs Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahrzehnt um durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr. Die Einkommen der ärmsten Bevölkerungsschicht stiegen laut einer Weltbank-Studie besonders stark. Seit Beginn der 90er-Jahre entkamen 50 Millionen Menschen in Bangladesch der extremen Armut.“
___

In der öffentlichen Debatte werden aber auch die Stimmen lauter, die Bangladesch trotz knapper Ressourcen in einer humanitären Verpflichtung sehen: „Wir müssen diejenigen aufnehmen, die vor Tod und Zerstörung fliehen“, sagt der Zeitungsjournalist Zafar Sobhan in einem Videoplädoyer, das er bei Facebook hochgeladen hat. Es werde nicht einfach sein, und es werde hohe Kosten mit sich bringen. „Aber es ist das, was uns die Menschlichkeit vorschreibt.““

Eins ist klar: Am Geld darf dieser Fortschritt nicht scheitern. Es muss durch geeignetes politisches Handeln gewährleistet sein (oder vielmehr: werden), dass die Funktion des von Menschen geschaffenen Geldes auch im Dienst der Menschen steht (und zwar aller!).
Nicht umgekehrt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×