Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.09.2011

18:10 Uhr

Rohstoff-Streit

Erdogan droht Zypern mit Marine

Der Streit zwischen der Türkei und Zypern eskaliert: Die Regierung in Ankara hat das EU-Mitglied aufgefordert, Erkundungsarbeiten im Mittelmeer einzustellen, Zypern wies die Forderungen zurück. Experten sind besorgt.

Gemeinsam mit der US-Firma Noble Energy bereiten sich zyprische Experten auf die Suche nach Öl- und Gasvorkommen im Mittelmeer vor. Doch die Regierung in Ankara beansprucht die Gebiete für sich. dpa

Gemeinsam mit der US-Firma Noble Energy bereiten sich zyprische Experten auf die Suche nach Öl- und Gasvorkommen im Mittelmeer vor. Doch die Regierung in Ankara beansprucht die Gebiete für sich.

AnkaraDie Suche nach Öl und Gas im Mittelmeer hat einen neuen Streit zwischen der Türkei und Zypern ausgelöst. Die Regierung in Ankara forderte das EU-Mitglied Zypern am Montag auf, die Erkundungsarbeiten mit der US-Firma Noble Energy sofort zu stoppen und drohte auch mit dem Einsatz der Marine. Ministerpräsident Tayyip Erdogan erklärte, die Türkei habe ihrerseits ein entsprechendes Abkommen mit Nord-Zypern geschlossen. Sein Land könnte noch in dieser Woche mit eigenen Erkundungsarbeiten rund um die Insel beginnen.

Der türkische Energieminister Taner Yildiz begründete die Forderung nach einem Stopp der zyprischen Sucharbeiten mit einem geplanten Abkommen über die Festsetzung der Seegrenze mit der international nicht anerkannten Regierung des türkisch-sprachigen Nord-Zypern. Der Vertrag würde der türkischen Ölfirma TPAO die Präsenz in den Gewässern vor Nord-Zypern gestatten. Yildiz sagte, die Marine seines Landes könnte türkische Erkundungsschiffe eskortieren. Erdogan kündigte an, die Türkei werde die Region mit Flugzeugen, Fregatten und Torpedobooten überwachen.

Der stellvertretende Regierungssprecher Zyperns, Christos Christofides, sagte im staatlichen Fernsehen, die Drohungen seien inakzeptabel. „Die Türkei ist eine Besatzungsmacht in Zypern. Seine Unnachgiebigkeit verhindert eine faire und machbare Lösung des Zypern-Problems“, sagte er. Gleichzeitig erwarte die Türkei offenbar, sie könne die souveränen Rechte Zypern in Geiselhaft nehmen.

Der diplomatische Streit fällt in eine Zeit, in der sich auch die Beziehungen der Türkei zu Israel verschlechtert haben. Nobles Partner, die israelische Delek Group , darf an den Bohrungen vor der zyprischen Küste teilnehmen.

Der Istanbuler Sicherheitsexperte Gareth Jenkins sagte, es drohe eine Konfrontation. Besonders sei diese Gefahr groß, wenn türkische Kriegsschiffe im gleichen Gebiet operierten wie Noble. „Das ist eine gefährliche Eskalation. Viel hängt davon ab, wohin die Türkei ihre Schiffe schickt“, sagte er. Die EU habe keine andere Wahl, als Zypern zu unterstützen. Alles, was Zypern getan habe, sei im Rahmen der Gesetze.

Die EU Kommission rief beide Seiten am Montag zur Zurückhaltung auf. Sowohl die Türkei als auch Zypern sollten an einer Lösung der Teilungsfrage arbeiten. Die Vereinten Nationen baten um eine friedliche Lösung des Konflikts und sagten, beide Seiten sollten von den gefundenen Energie-Ressourcen profitieren.

Wegen der Teilung der Insel liegen Türken und Zyprer seit Jahrzehnten im Streit. Die Auseinandersetzungen überschatten auch die Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der Europäischen Union (EU), die seit langem stocken. Die Regierung in Ankara drohte der Union am Wochenende mit dem Einfrieren der Beziehungen, falls Zypern im Juli 2012 turnusgemäß die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.

Von

rtr

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.09.2011, 19:10 Uhr

Obwohl durch den Besuch von Gül die Türkische Pressefreiheit der AKP in Deutschland gilt muss man sich trotzdem fragen, warum droht die Türkei Israel und Zypern.
Wenn Erdokan Israel angreift werden seine Gurkentruppen
von Israelis plattgemacht.So schnell kann Erdokan nicht mal gucken.Sollte Zypern angegriffen werden ist das ein Bündnisfall und dann lass ich mich sogar noch einziehen.FREIWILLIG: Größenwahn macht sich in der Türkei breit.

Account gelöscht!

19.09.2011, 20:37 Uhr

Es geht doch in erster Linie um Erkundungsarbeiten bis wirklich Öl oder Erdgas gefördert werden kann dauert doch noch ein weilchen.
In dieser Zeit können beide Seiten doch Ihren Konflikt lösen...
Sobald der Konflikt gelöst ist und beide Seiten vereint sind profitieren dann beide..

Account gelöscht!

19.09.2011, 20:49 Uhr

.
Ich fänds gut,
dann rückt Asien 2000 km näher an Europa ran.
Wobei für mich das schon immer der Fall war.
In diesem Fall müssen die Deutschen natürlich die Guthaben ihrer Banken in Griechenland nicht nur abschreiben, sondern aufstocken.

Was kann man sich mehr wünschen als tapfere, standhafte, disziplinierte Griechen auf seiner Seite an vorderster Front zu wissen.
.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×