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18.11.2015

20:00 Uhr

Rom und die Drohungen des IS

Drohnen über dem Petersplatz

VonRegina Krieger

Taschenkontrollen, Luftraumüberwachung, Drohneneinsätze: Italien verschärft die Sicherheitsmaßnahmen. Denn zum Heiligen Jahr rechnet Rom mit Millionen Touristen. Und die Terrormiliz IS erklärt, „Rom erobern“ zu wollen.

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Hetze nach Paris-Anschlägen: Schämt Euch!

Handelsblatt in 99 Sekunden: Hetze nach Paris-Anschlägen: Schämt Euch!

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RomDen Papst sehen? Das ist nicht mehr so einfach. Bisher musste man nur viel Zeit mitbringen und warten, um Franziskus am Sonntag Mittag beim Angelusgebet auf dem Petersplatz zu sehen. Und für die wöchentliche Generalaudienz am Mittwoch muss in jedem Fall drei Monate vorher Karten bestellen. Jetzt gelten neue Sicherheitsvorschriften in Rom. Und das bedeutet auch für den Vatikan strengere Kontrollen.

Es wird statt der sporadischen Handtaschendurchsicht demnächst feste Kontrollstellen mit Metalldetektoren geben, durch die jeder muss, und es wird eine Überwachung und demnächst auch Sperrung des Luftraums geben.

„Die Furcht vor terroristischen Bedrohungen steigt mit dem Heiligen Jahr“, sagte Innenminister Angelino Alfano im Parlament in einer Aktuellen Stunde zur Sicherheitslage in Italien nach den Anschlägen von Paris, „Rom und der Papst sind schon bedroht worden mit hasserfüllten Erklärungen, die zu Zerstörung aufrufen.“ Im Netz zirkuliert eine Fotomontage, auf der auf der Kuppel des Petersdoms die schwarze IS-Flagge weht.

Die Anti-Terror-Strategie der G20

Abschlusskommuniqué – Punkte 1 bis 3

- Prävention und Abwehr von Terroranschlägen in „verstärkter internationaler Solidarität und Kooperation“

- Mehr Zusammenarbeit und Informationsaustausch beim Einfrieren der Vermögenswerte von Terroristen

- Strafbarkeit der Terrorfinanzierung

Abschlusskommuniqué – Punkte 4 und 5

- Finanzsanktionen gegen Staaten, die mit Terrorismus und Terrorfinanzierung verbunden sind

- Bewegungsfreiheit von Terroristen einschränken. Sie werden als Gefahr für die Ursprungs-, Transit- und Zielländer eingestuft. Deshalb Informationsaustausch über die Bewegungen von Terroristen, besserer Grenzschutz, strafrechtliche Verfolgung illegaler Reisen

Abschlusskommuniqué – Punkte 6 bis 8

- Verbesserte Sicherheit im globalen Luftverkehr
- Abwehr der Radikalisierung und Rekrutierung durch Terroristen
- Kampf gegen terroristische Propaganda im Internet, Gegenpropaganda

Abschlusskommuniqué – Punkte 9 und 10

- Unterstützung der Zivilgesellschaft bei der Abwehr von gewalttätigem Extremismus

- Die Vereinten Nationen sollen eine zentrale Rolle spielen. Die Staaten sagen zu, im Kampf gegen den Terror internationales Recht und die UN-Konventionen für Menschen- und Flüchtlingsrechte einzuhalten.

Am Dienstag kam eine neue Drohung per Videobotschaft, von den Geheimdiensten dem irakischen Flügel der IS in Anbar zugeordnet. Darauf sind der Big Ben in London, der Eiffelturm in Paris und das Kolosseum in Rom zu sehen. Eine Stimme sagt: „Die christlichen Nationen haben dem Islam den Krieg erklärt. Ihr Blut wird nicht verschont werden.“ Zuvor hatten die Terroristen immer wieder gedroht: „Wir werden Rom erobern.“

In Italien ist die Sorge besonders groß, dass es einen Anschlag geben könnte. Einmal ist Rom das ganze Jahr über ein Ziel für Touristen wie Mailand und Florenz, doch dazu kommt für die Hauptstadt ein besonderes Ereignis, das Heilige Jahr. Papst Franziskus wird das außerordentliche „Jubiläum der Barmherzigkeit“ am 8. Dezember mit der Öffnung der heiligen Pforte im Petersdom beginnen. Es endet am 20. November 2016. Und das bringt mit den Touristen viele Pilger in die Ewige Stadt, bisher kalkuliert man mit rund 20 Millionen Menschen.

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Um die zu schützen, hat die Regierung ein Maßnahmenpaket beschlossen: „Wir verstärken die Überwachung, angefangen beim Petersplatz“, so der Innenminister. 700 Militärs sind seit Wochenbeginn nach Rom abkommandiert worden, die die touristischen Sehenswürdigkeit wie das Kolosseum oder das Pantheon bewachen, natürlich französische und jüdische Einrichtungen, aber auch alle Metrostationen und Bahnhöfe. Sie kommen zu den 1300 Militärs, die der Präfekt von Rom Franco Gabrielli für das Heilige Jahr vom Staat bekommt. „Wir wollen die Hauptstadt nicht militarisieren“, so Alfano, die bewaffneten Militärs seien nur zum Schutz der Objekte, sie patrouillieren nicht, sondern sollen Polizeikräfte, Carabinieri und Agenten entlasten, damit diese sich mehr um Ermittlungen kümmern könnten.

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