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31.08.2012

08:49 Uhr

Romneys Kandidatenkür

Mission erfüllt

VonNils Rüdel

Der Imagewechsel ist gelungen. Mitt Romney kam als hölzerner Technokrat zum Parteitag. Er verlässt ihn als Problemlöser mit Herz. Wichtiger aber ist: Er hat die zerstrittene Partei vereint. Doch der Preis dafür ist hoch.

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Romneys großer Tag

Video: Romneys großer Tag

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Tampa„Es ist Zeit, das Versprechen Amerikas zurückzubringen“ – spätestens, als Mitt Romney diesen Satz sagte, gab es in der Halle kein Halten mehr. Die Delegierten sprangen auf, kreischten, wedelten mit „Mitt“-Transparenten herum. Auch die Gruppe aus Texas, allesamt in dunkle Sakkos und weiße Cowboyhüte gekleidet, riss es aus ihren Sitzen. „U-S-A! U-S-A“, schallte es mehrmals durch das Stadion. Konfetti, Luftballons, Musik.

Romneys kämpferische Rede am Donnerstagabend war der Höhepunkt des Republikaner-Parteitags in Tampa. Und die Delegierten feierten ihren Präsidentschaftskandidaten, als hätten sie sich von Anfang an niemand anderes als ihn gewünscht.

Nominierungsrede: Romneys Rundumschlag

Nominierungsrede

Romneys Rundumschlag

In seiner vielleicht wichtigsten Rede hat Mitt Romney ein bisschen was für alle dabei, wird auch persönlich. Arbeitslose, Manager und Hausfrauen finden sich genauso wieder wie die Tea Party. Ein Durchbruch war es nicht.

Die Partei hat sich erstaunlich schnell gefangen. Vergessen scheinen für einen Moment all die blutigen Grabenkämpfe, die die tief gespaltenen Republikaner noch in den Vorwahlen ausgetragen hatten. Als liberalen Ostküsten-Snob hatte der konservative Flügel Romney beschimpft, weil er als Gouverneur von Massachusetts eine staatliche Krankversicherung aufgezogen hatte. Einen gierigen Kapitalisten nannten sie ihn, weil er als Chef eines Finanzinvestors Firmen ruiniert habe und damit reich wurde. Und ein Wendehals sei er gewesen, der keine Meinung habe.

Von solchen Gemeinheiten war in den drei Tagen in Tampa nichts mehr zu hören. Der Parteitag hat den Graben erst einmal zugeschüttet. Selbst die rauflustige Tea Party benahm sich und gab dem Pragmatiker Romney, dem Kandidaten des Partei-Establishments, ihren Segen. Das gemeinsame Ziel ist wichtiger: Präsident Barack Obama muss abgewählt werden.

Dokumentation: Romneys Rede im Original-Wortlaut

Dokumentation

Romneys Rede im Original-Wortlaut

Es war die bis jetzt wichtigste Rede im Leben von Mitt Romney. Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner ging in seiner Rede mit Amtsinhaber Obama hart ins Gericht und skizzierte seine eigenen Vorstellungen.

Das ist nun Romneys Erfolg, den er aus Tampa mitnimmt: Die Partei steht hinter ihm. Allerdings zu einem hohen Preis. Denn nicht die Konservativen sind auf ihn zugegangen – es war Romney, der ihnen Zugeständnisse machte und weiter nach rechts rückte, als er eigentlich steht. Mit der Nominierung des Hardliners Paul Ryan zum Kandidaten für die Vizepräsidentschaft trieb es Romney dann auf die Spitze. Und Marco Rubio, ein weiterer Star der Tea Party, durfte die Ankündigung für Romneys Rede halten.

Kommentare (21)

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Pooooolitiker_sonst_nichts

31.08.2012, 09:25 Uhr

Wenn ein Politiker auf eine Bühne tritt und alles mögliche verspricht, um als oberster Staatschef gewählt zu werden, dann glaube ich ihm immer sofort alles, was er sagt. Denn Politiker handeln nie aus Eigennutz und alles was sie versprechen, setzen sie um. Sie tun wirklich alles für ihre Wähler und ihr gesamtes Volk. Ich verneige mich obrigkeitshörig in Ehrfurcht vor der Politikerzunft.

Mitt Romney hat es finanziell zu großem Erfolg gebracht. Was ihm jetzt noch fehlt, ist die Spitze der Macht. Wenn man so gut wie alles erreicht hat, dann will man nach ganz oben. Wenn er sein Ziel erreicht hat, dann hat er einen weiteren Triumph, den er feiern kann. Das ist alles. Die Wahlversprechen sind dann nichts mehr wert. Das ist kein politisches Problem der USA, sondern der ganzen Welt. Jeder Politiker will einmal ganz oben stehen und das eigene Land regieren. Nur ein persönlicher Sieg. Mehr nicht. Wenn er errungen wurde, dann sind die Versprechen vergessen. Menschen, die Politikern glauben oder ihnen sogar zujubeln, tun mir leid.

Ofelas

31.08.2012, 09:50 Uhr

Ich wuensche der USA alles Gute sollten Romney und Ryan gewaehlt werden. Ein Vetreter des Rauptierkapitalismus, der es vorzieht seine Steuererklaerungen nicht transparent darzulegen wird sicher nicht mit Wall Street zusammenarbeiten oder nru fuer die oberen 20% sorgen. Ryan's fundamentalistische Ansichten werden ihn als Verhandlungspartner der Taleban sicher helfen.

Die USA zerreisen sich gerade selbst, mit den beiden wird es nur noch schlimmer, aber alle grossen Reiche zerfallen zuerst intern.

drschaeffera

31.08.2012, 10:03 Uhr

Es würde völlig ausreichen, in hiesigen Medien zu erfahren, wenn die bzw. eine Wahl stattfindet und wie sie ausgegangen ist. Ansonsten verstehe ich nicht, warum wir hier seit Monaten über sämtliche Vorgänge inkl. 'Vorwahlen' und was es da nicht alles noch in den USA gibt, auf dem laufenden gehalten werden.
Wen interessiert denn das wirklich bzw. wieso soll das für uns relevant sein, wer wann was warum in den USA wählt bzw. gewählt wird? Oder: Warum wird nicht über entsprechende Wahlen sonst wo auf der Welt entsprechend berichtet?

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