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06.04.2017

12:20 Uhr

Rote Linien

Das sind Trumps Optionen in Syrien

Obama ist am Syrien-Krieg verzweifelt. Russland verhalf dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu neuer Stärke. Die jüngste Giftgas-Attacke zieht auch den neuen US-Präsidenten in den Konflikt. Doch was kann Trump tun?

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WashingtonPlötzlich ist sie zurück, die rote Linie. Die Worte, die Donald Trump an den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad richtet, wecken Erinnerungen an das Jahr 2013. Für ihn seien viele Grenzen überschritten worden, die über eine rote Linie hinausgingen, sagt Trump mit Blick auf den jüngsten mutmaßlichen Giftgaseinsatz in der syrischen Stadt Chan Scheichun.

Die rote Linie, sie steht ganz maßgeblich für die gescheiterte Syrien-Politik seines Vorgängers Barack Obama. Der Demokrat hatte Assad im Sommer 2013 ein Ultimatum gestellt, ihm mit Luftschlägen gedroht, sollte er Chemiewaffen gegen das eigene Volk einsetzen. Assad überschritt die Linie. Aber Obama entschied sich anders.

Einsatz von Giftgasen

Syrienkrieg

Im Syrienkrieg gibt es immer wieder Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen. Die Rede ist vor allem von Chlorgas, aber auch von Senfgas und Sarin – aus dem Ersten Weltkrieg bekannte Giftgase.

Chlorgas

Wird das stechend riechende Gift eingeatmet, greift es Atemwege und Lunge an. In hohen Konzentrationen führt es zu Atemnot und schließlich zum qualvollen Tod.

Senfgas

Das Zellgift verätzt Schleimhäute, Augen und Atemwege. Auch neurologische Störungen sind möglich. Senfgas wurde auch unter den Namen Lost, Yperit und Gelbkreuz bekannt.

Sarin

Das Nervengas gehört neben Tabun, Soman und VX zu den giftigsten Kampfstoffen. Es wird durch Einatmen und über die Haut aufgenommen und kann in Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen.

Was also wird Trump machen? Er, der immer wieder geschworen hatte, keine weiteren amerikanischen Soldaten in blutige Konflikte zu verwickeln? Der sich raushalten wollte, weil Amerika zuerst kommen müsse? Was kann er überhaupt tun?

Militärisch können die USA eigentlich nicht gegen Assads Truppen vorgehen, ohne eine Konfrontation mit Russland zu riskieren. Obamas Regierung erwog 2013 den Beschuss ausgewählter Ziele des syrischen Militärs mit Marschflugkörpern, darunter Einheiten, die sie für Chemiewaffenangriffe verantwortlich machten, sowie Kommandozentren und Start-und Landebahnen der Luftwaffe. Russland hat ein hochmodernes Luftabwehrsystem S-400 auf dem Stützpunkt Hamaimim am Mittelmeer stationiert. Es kann damit im Umkreis von 400 Kilometern über Syrien und im Nahen Osten bestimmen, wer fliegt und wer nicht.

Die wichtigsten Akteure im Syrien-Krieg

Regierung

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad beherrschen die großen Städte des Landes. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte die Rebellen aber dank massiver russischer und iranischer Hilfe in vielen Gebieten zurückdrängen, unter anderem aus der Großstadt Aleppo. Assad sitzt derzeit fest im Sattel.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die mächtigen Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Moskau ist von seiner Forderung abgerückt, diese beiden auf die Terrorliste zu setzen. Dschaisch al-Islam wird in Genf an den Verhandlungen teilnehmen.

Politische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul, die in Genf mit Repräsentanten vertreten sein wird.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten weiterhin riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken. Sie sind an keinerlei Verhandlungen beteiligt. Für sie und andere Terrorgruppen gilt auch die landesweite Waffenruhe nicht.

Al-Kaida

Auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) ist von der Feuerpause aufgenommen. Sie hat sich mit anderen Gruppen zu einer Allianz zusammengetan und kämpft mit anderen Rebellen um die Vorherrschaft im Nordwesten Syriens.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Allerdings sind weder die wichtigste Kurdenpartei PYD noch die größte Kurdenmiliz YPG in Genf dabei. Die Türkei betrachtet sie als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

Russland

Moskau ist wichtigster Verbündeter der Regierung. Seit September 2015 fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

Iran

Teheran ist ein treuer Unterstützer der Assad-Regierung. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sowie andere bewaffnete Gruppen sind in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Die Türkei

Sie ist mittlerweile der einflussreichste Partner der Rebellen. Ankara war neben Moskau maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer neuen Waffenruhe kam. Türkische Truppen sind in Nordsyrien im Einsatz, wo sie Rebellen im Kampf gegen den IS unterstützen.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien und ein Flugzeug zur Luftbetankung. In den jetzigen Verhandlungen spielt der Westen nur eine Nebenrolle.

Trump hat in seinen ersten Amtstagen vage darüber gesprochen, sichere Zonen für Flüchtlinge einrichten zu wollen. Ein solches Gebiet aber müsste mit Bodentruppen abgesichert werden, im Fall einer Flugverbotszone gar mit Kampfjets. Das würde Assad als Verstoß gegen die Souveränität seines Landes werten. In der Praxis kann es nicht gegen Russland und seine S-400 funktionieren.

Der Nahostexperte Daniel Byman von der Washingtoner Denkfabrik Brookings meint, eine Sicherheitszone würde die Lage nur verschlimmern, erhebliche Ressourcen beanspruchen und den Weg für eine größere militärische Intervention der USA bereiten.

Und wo sollte eine solche Zone überhaupt errichtet werden? In Frage käme ein Gebiet in Nordsyrien, das von türkischen Truppen und moderateren Rebellen kontrolliert wird. Es dürfte aber kaum ausreichen, um noch mehr Vertriebene aufzunehmen. Chan Scheichun wiederum liegt in der Provinz Idlib, in der auch Al-Kaida-nahe Milizen stark sind - die durch eine Sicherheitszone ebenfalls geschützt würden.

Kommentare (5)

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Herr Alex Lehmann

06.04.2017, 12:47 Uhr

HB träumt mal wieder.

Herr Toni Ebert

06.04.2017, 12:59 Uhr

Doch was kann Trump tun?
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JEDER !!!, der sich von dem abwendet, was Fake-News von sich gibt, muss bald Erfolg im Leben haben.

Vergessen wir nicht, wer wirklich ahnung von der Wirtschaft hat, geht in die Wirtschaft, Traumtänzer gehen zu Fake-News oder werden Politiker.

Trotzdem muss ich die Journalisten hier mal in Schutz nehmen. Immer wenn ich lachen will, lese ich mal HB oder wenn ich einen Kontra-Indikator suche, ist das HB oft sehr gut geeignet.

Herr Heinz Keizer

06.04.2017, 14:24 Uhr

@ Herr Vinci Queri06.04.2017, 12:36 Uhr

Vielleicht verbreiten aber ja auch die Russen fake-news? Soll ja auch schon vorgekommen sein.

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