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25.05.2011

20:24 Uhr

Roubini-Gastbeitrag

"Verleihen und Beten wird die PIIGS nicht retten"

ExklusivEuropas Süden hat kein Liquiditäts-, sondern ein Solvenzproblem, urteilt US-Ökonom Nuriel Roubini. Weder Griechenland noch Portugal, Irland, Italien oder Spanien könnten ihre Probleme mit konventionellen Mitteln lösen.

US-Ökonom Nouriel Roubini. Quelle: ap

US-Ökonom Nouriel Roubini.

Nach Ansicht von US-Ökonomen werden die Euro-Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien ihre Probleme nicht konventionell lösen können. Nouriel Roubini, der an der Stern School of Business an der Universität New York lehrt, wird deutlich: "Griechenland ist eindeutig insolvent".

Selbst mit einem drakonischen Sparpaket, das sich auf zehn Prozent des BIP beliefe, würde sich Staatsverschuldung Athens auf 160 Prozent des BIP steigen. Portugal, wo das Wachstum seit einem Jahrzehnt stagniert, erlebe ein fiskalisches Zugunglück in Zeitlupe, das zur Zahlungsunfähigkeit des öffentlichen Sektors führen werde, argumentiert der Ökonom.

In Irland und Spanien wird die Überführung der riesigen Verluste des Bankensystems in die staatlichen Bilanzen - zusätzlich zur ohnehin schon eskalierenden Staatsverschuldung - letztlich in die staatliche Zahlungsunfähigkeit münden."

Die Euro-Gemeinschaft habe aber bisher so getan, als ob die Volkswirtschaften der PIIGS-Länder kein Solvenz-, sondern lediglich ein Liquiditätsproblem hätten. Deshalb wurden Kredite und Garantien zur Verfügung gestellt. Dieser Ansatz des "Verlängerns und So-tun-als-ob" oder des "Verleihens und Betens" werde zwangsläufig scheitern.

Roubini schlägt andere Maßnahmen vor, um einen Ausweg aus der Krise zu finden. So könne man die Inhaber von Staatsanleihen ermutigen, diese gegen Anleihen einzutauschen, bei denen Ausschüttungen an künftiges Wirtschaftswachstum gebunden werden. Solche Instrumente machten aus Gläubigern Anteilseigner an der Volkswirtschaft eines Landes.

Europa könne es sich nicht leisten, weiter wie bisher Unsummen aufzuwenden und zu beten, Wachstum und Zeit möchten die Rettung bringen. Die Gläubiger und Obligationsinhaber, so der US-Ökonom, müssten ihren Teil an der Last tragen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

25.05.2011, 20:45 Uhr

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Keine wirtschaftliche Basis für eine Konkurenzfähigkeit im weltweiten Wettbewerb !

Ohne Reset in den Köpfen der Menschen ist der Niedergang nicht aufzuhalten.
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matt_us

25.05.2011, 21:40 Uhr

Roubini, ist das der der Millionen verdient hat mit CDS, damit der sich in Manhattan ein $5 Mio Penthouse kaufen konnte?

Dann weiss man auch warum der sagt, was er sagt. Umschulden, das wird CDS zur Auszahlung bringen.

Alles Panikmache. Die Griechen haben 280 Mrd in der Schweiz. Das deckt die Staatschulden zu 80%. Die Griechen muessen nur mal ihre Reichen und Maechtigen besteuern. Sekulatiusse wie Roubini wollen die Schulden lieber der Allgemeinheit aufdruecken, das koennte denen so passen. Von wegen, mein lieber Roubini, suchen sie sich einen anderen Bloeden.

Und schmeissen Sie Ihr CDS in den Muell, das auf Griechenlandpleite wettet.

Buerge-r

25.05.2011, 21:52 Uhr

Schön, aber wer sagt das unserem von Lagardes Charme "verhexten", die deutschen Steuerkassen für fragwürdige (oder kriminelle?) Insolvenzverschleppungen verzockenden Finanzminsiter, unserer "auf Sicht" (oder doch im Blindflug) umherirrenden Kanzlerin und unseren europäischen "Partnern", die erst an die Pleite glauben wollen, wenn auch Deutschland dort ist?

Wieso lernt keiner aus dem Beispiel Ex-DDR, die sich nach Einführung der DM ebenso wie jetzt die Euro-Südflanke nur eben schneller deidustrialisierte? Da half auch keine identische Rechtsordnung. Hört mit der Gleichmacherei auf! Die Menschen (und auch die Umweltbedingungen) sind verschieden. Die einen malochen bis zum Umfalllen, andere sind erfinderisch, wieder andere zocken oder lassen fünfe gerade sein und tun nur das Nötigste. Alle verdienen grundsätzlich Respekt und keiner sollte um seine Existenz fürchten müssen aber ansonsten das erhalten, was er verdient und seiner Art gemäß ist. Und wenn sich dann einige organisch (nicht zusammen gezwungen!) annähern umso besser.

Der Euro ist ein Irrweg und kann so wie er seinerzeit beschlossen wurde, also ohne Transferunion, die sich auch die selbst verschuldeten Geberländer nicht leisten können und für die es dort keine Mehrheit gibt, nicht erhalten werden. Er mutet so absurd an, wie der Versuch in einer sehr heterogenen Hausgemeinschaft aus Zockern, Malochern, Partypeople, Hedonisten, Asketen, Gestörten und Genies, die jahrelang im Streit lagen und nun ein Mediationsverfahren begonnen haben, eine gemeinsame Kasse, in die alle Ihre Einkommen einzahlen, als vertrauensbildende Maßnahme einzuführen. Wie friedlich wird es da wohl zugehen, insbesondere wenn es enger wird und die ersten anfangen zu rechnen?

Vielleicht muss Europa ein neues Selbstverständnis finden, das seiner Vielfalt gerecht wird und sie als Wert begreift und sie hegt, statt sie platt zu walzen aus Angst vor interner Respektlosigkeit und Marginalisierung durch äußere Großmächte.

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