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04.04.2011

14:50 Uhr

„Rubygate“-Skandal

Lebemann Berlusconi vor dem Showdown

Vorhang auf für „Rubygate“: In Mailand beginnt am Mittwoch der Sexprozess gegen Silvio Berlusconi. Auch die internationalen Medien wollen wissen, was es mit den wilden „Bunga Bunga“-Partys in der Villa des italienischen Regierungschefs auf sich hatte.

Silvio Berlusconi und die Marokkanerin "Ruby": Der Showdown mit drei Richterinnen naht. Quelle: dpa

Silvio Berlusconi und die Marokkanerin "Ruby": Der Showdown mit drei Richterinnen naht.

MailandDer Mailänder Justizpalast wird zum Tummelplatz der internationalen Medien. Auch wenn die Staatsanwälte im Gericht keine Fernsehkameras haben wollen, so sind doch alle Scheinwerfer auf „Rubygate“ gerichtet. Italiens Lebemann, Milliardär, Medienzar und Regierungschef Silvio Berlusconi (74) muss sich wegen Sex mit minderjährigen Prostituierten bei wilden „Bunga-Bunga“-Festen in seiner Villa bei Mailand verantworten - und wegen Amtsmissbrauchs.

Wegen der absehbar pikanten Details und einer prominenten Zeugenliste ist Riesenrummel garantiert. Berlusconi gibt sich wie immer gelassen und ist dabei auffallend hektisch. Sein Showdown mit drei Richterinnen muss aber noch warten - am Mittwoch tritt der Cavaliere zum Verdruss der Medien wohl noch nicht vor sie.

In einem Schnellverfahren haben die Staatsanwälte der norditalienischen Metropole den Auftakt des Prozesses gegen den umstrittenen, schillernden Sohn der Stadt vorangetrieben. Wenn es jetzt um dutzendfachen Sex Berlusconis mit dem damals minderjährigen marokkanischen Escortgirl „Ruby“ geht, schaut alle Welt neugierig zu - und wenn es auch nur der Aufmarsch der jungen und attraktiven Zeuginnen vor dem Justizpalast oder schlüpfrige Schmankerln sein sollten, die die Gerichtsreporter dazu erzählen.

Berlusconi, der gleichzeitig gegen ein Zerbrechen seiner Mitte-Rechts-Koalition in Rom ankämpft, nutzte die Tage vor der Prozesseröffnung zu einer medienwirksamen Vorwärtsverteidigung. Im Dauer-Clinch mit der Justiz seines Landes, derzeit in immerhin gleich vier Verfahren verwickelt, erschien er erstmals seit acht Jahren wieder einmal vor Gericht - im sogenannten Mediatrade-Vorverfahren um Steuervergehen. Alles in Ordnung, sagte er lächelnd den versammelten Fans, nur wollten die linken Staatsanwälte ihn wieder einmal zu Fall bringen. Danach trat er auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa auf, um vor den Kameras ein rasches Ende des Immigrantendramas zu verkünden 

Das sollte nach Berlusconis Blitzbesuch dann zwar doch etwas länger dauern als vollmundig von ihm verkündet - das Wetter stand für den Abtransport all der Bootsflüchtlinge aus Tunesien nicht auf seiner Seite. Der Kommunikationsguru aus dem Regierungspalazzo Chigi in Rom machte indessen ungerührt weiter auf Macher - und verbreitete Optimismus. Für den Montag vor dem Mailänder Prozessbeginn setzte er einen Flug übers Mittelmeer nach Tunis auf sein Programm, wobei er eigentlich an diesem Tag schon wieder einen Gerichtstermin hätte. Aber die medialen Nebenschauplätze sind ideal: Tunesien soll den Exodus in Booten stoppen und das Heer der 20.000 Immigranten zurücknehmen.

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