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12.03.2006

18:25 Uhr

Rückblick

Kochen, Spielen, Einkaufen: Milosevics Leben im Gefängnis

Drei mal fünf Meter war sie groß - die Zelle in der UN-Haftanstalt Scheveningen, in der der jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic die letzten fünf Jahre seines Lebens verbrachte. Selbst das war einigen seiner Gegner aber schon zuviel des Guten.

HB DEN HAAG. Eine Toilette, ein Waschbecken, eine Dusche, ein Tisch, eine Garderobe, eine Kaffeemaschine, ein Fernseher und ein Bett, mehr gab es nicht. Einige seiner Kritiker hielt dies nicht davon ab, den Raum mit der Behaglichkeit eines Luxushotels zu vergleichen.

Wenn Milosevic gerade nicht in seiner Zelle saß, dann hielt er sich in Gemeinschaftszimmern auf, wo er mit seinen Mitinsassen zu Brettspielen zusammenkam oder kochte. Oder er ging im Gefängnisladen einkaufen: Zigaretten, Nahrungsmittel, Telefonkarten gibt es dort. Die Regeln der Anstalt erlaubten es Milosevic, beinahe den ganzen Tag außerhalb der Zelle zu verbringen.

47 Angeklagte sind es insgesamt, die in Scheveningen als mutmaßliche Kriegsverbrecher im Zusammenhang mit den Balkankriegen einsitzen - darunter nicht nur Serben, sondern auch Kroaten und Moslems. Mit den niederländischen Häftlingen kommen sie nicht in Kontakt. Mit den Gehältern für 75 Wächter, Sprachassistenten, Lehrer, Psychologen und Mediziner belaufen sich die jährlichen Unterhaltskosten für die Anstalt insgesamt auf rund sieben Millionen Euro.

Die Vorwürfe, den Angeklagten in dem Gebäude nahe dem Nordseestrand zu viel Luxus zu bieten, weist das unweit gelegene UN-Tribunal in Den Haag vehement von sich. Es gehe lediglich darum, den Insassen eine positive Umgebung zu schaffen. „Sie kochen. Sie spielen Schach. Sie basteln. Sie sind besonders scharf auf Keramik“, sagt Gefängnisdirektor Tim McFadden. Seine Verantwortung liege einzig darin, sicherzustellen, dass es den Insassen vor und während ihres Prozesses physisch und psychisch gut gehe. 2001 erzählte McFadden dem „Irish Examiner“, Milosevic sei ein vorbildlicher Häftling. „Er ist extrem folgsam, was die Haftregeln angeht und begegnet dem Personal und mir mit großem Respekt.“

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