Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.04.2017

10:09 Uhr

Rückendeckung aus Deutschland

Außenminister Gabriel hält Angriff für „nachvollziehbar“

VonDietmar Neuerer

Der US-Angriff auf Syrien hat im Westen ein überwiegend positives Echo ausgelöst. Bundesaußenminister Gabriel spricht von einem nachvollziehbaren Vorgehen. Die Union warnt aber vor weiteren Alleingängen.

Bundesregierung zu Giftgaseinsatz

„Assad trägt alleinige Verantwortung“

Bundesregierung zu Giftgaseinsatz: „Assad trägt alleinige Verantwortung“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinBundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) zeigt Verständnis für die US-Angriffe auf Syrien. Er mahnt aber zugleich eine politische Lösung in dem Bürgerkrieg an. „Dass die Vereinigten Staaten jetzt mit einem Angriff gegen die militärischen Strukturen des Assad-Regimes reagiert haben, von denen dieses grausame Kriegsverbrechen ausging, ist nachvollziehbar“, sagte Gabriel. „Es war kaum erträglich mit ansehen zu müssen, dass der Weltsicherheitsrat nicht in der Lage war, klar und eindeutig auf den barbarischen Einsatz chemischer Waffen gegen unschuldige Menschen in Syrien zu reagieren.“

Giftgas sei eine international geächtete Waffe. Darin sei sich die Weltgemeinschaft auch einig. Aber, sagte Gabriel weiter: „So nachvollziehbar nach dem Versagen des Weltsicherheitsrats der Militäreinsatz der USA gegen die militärische Infrastruktur auch war, so entscheidend ist es jetzt, zu gemeinsamen Friedensbemühungen unter dem Dach der Uno zu kommen.“ Nur ein neues und demokratisches Syrien werde dauerhaften Frieden bringen. „Europa und auch Deutschland stehen dafür bereit“, versprach der Minister. „Die schrecklichen Ereignisse der letzten Tage zeigen, dass dafür auch die beteiligten Konfliktparteien aus der Region und auch die USA und Russland gebraucht werden.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich in einem gemeinsamen Statement mit dem französischen Staatspräsidenten Francoise Hollande. Der Luftschlag wird darin indirekt gutgeheißen: Präsident Baschar al-Assad trage „die alleinige Verantwortung“ für das Massaker und den Vergeltungsschlag, heißt es. „Sein wiederholter Einsatz von chemischen Waffen und seine Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung verlangten eine Sanktionierung, wie Frankreich und Deutschland sie bereits im Sommer 2013 nach dem Massaker von Ghuta gefordert hatten“.

Die britische Regierung unterstützt die US-Aktion ausdrücklich. „Sie war unserer Meinung nach eine angemessene Antwort auf die barbarische Attacke des syrischen Regimes mit chemischen Waffen. Sie zielt darauf ab, vor weiteren Angriffen (mit Chemiewaffen) abzuschrecken“, hieß es in einer Mitteilung.

Wie das Verteidigungsministerium in Washington mitteilte, wurde der syrische Luftwaffenstützpunkt von einem Kriegsschiff im Mittelmeer angegriffen – mit 59 Tomahawk-Raketen. Nach Erkenntnissen der US-Regierung wurde von dort aus am Dienstag ein Angriff mit Chemiewaffen in der Provinz Idlib geflogen, durch den mehr als 80 Menschen getötet wurden. Das syrische Staatsfernsehen sprach von einem Akt der Aggression. Der Gouverneur der Provinz Homs erklärte, durch den Angriff der USA seien mehrere Menschen getötet worden - unter anderem in einem nahegelegenen Dorf.

Die Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assads verurteilten den Angriff der USA scharf. Russland sprach von einer Aggression gegen eine souveräne Nation. Die Vereinigten Staaten hätten internationales Recht verletzt, erklärte ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin. Den russisch-amerikanischen Beziehungen sei „beträchtlicher Schaden“ zugefügt worden. Auch der Iran verurteilte den Angriff auf eine Luftwaffenbasis nahe Homs. Die USA hätten den Syrien-Konflikt damit noch komplizierter gemacht. Präsident Donald Trump rechtfertigte die Bombardierung mit dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Idlib. Es sei im Interesse der USA, die Verbreitung und den Einsatz von Chemiewaffen zu verhindern.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Michael Müller

07.04.2017, 10:20 Uhr

Ungewöhnlich, dass unsere Regierung Trump Rückendeckung gibt. Da müssen eindeutige Beweise vorliegen, sonst würden die sich nicht so weit hinauslehnen und Trump (!!!) unterstützen!

Herr Hofmann Marc

07.04.2017, 10:52 Uhr

Ist schon interessant...sobald die USA (Trump) in den Krieg zieht bekommt sogar Trump von der Bundesregierung (Außenminister Gabriel und somit auch von Merkel) den Verdienstorden....wie haben die Deutschen Eliten Politiker noch im Wahlkampf geschimpft und Angst geschürt...ein Trump mit dem Atomkoffer, der wäre der Untergang der Welt....ein Trump als Präsident...dem kann man keine Militär/Atomkoffer anvertrauen...und jetzt schießt der Trump einfach drauf los....obwohl es nur ein MUTMAßLICHER Giftgasangirff war...also Assad im Zweifel freigesprochen ist....aber hauptsache, man hat mal wieder einige Raketen verschossen um den Krieg und somit den Flüchtlingsstrom von Syrien nach EU-Deutschland am Laufen zu halten....vor diesen Hintergrund kann ich es ja verstehen, wenn die Bundesregierung (Gabriel) hier applaudiert.

Herr Günther Schemutat

07.04.2017, 11:57 Uhr

Da die BW in diesen dreckigen Krieg involviert ist und Aufklärung plus Markierung von Zielen vornimmt , wo anschliessend nach Tagen Bomber die Ziele angreifen und
dann auch Zivilisten Frauen und Kinder töten können ,ist man als Bürger fassungslos.

Kann ich, können wir Bürger den Wahnsinn beenden in unserer Demokratie? Nein!

Wir haben das Kreuz gemacht, worunter nun Frauen und Kinder begraben werden
und Merkel und Gabriel nicht weniger schlimmer sind als Hitler ,was die militärischen Angriffsziele betrifft. Überall wo die BW nicht eingeladen ist von Serbien bis Afghanistan und Syrien etc macht sich die Regierung Merkel schuldig.

Vermutlich wurde auch der Flugplatz von Assad von Deutschen Tornados markiert
man hilft ja wo man kann.

Da stellt sich die Frage ist das aussuchen von Zielen weniger schlimm, als die Bombardierung?

Zumindest müsste die BW abgezogen werden, wo die Russen keine Absprachen über Flüge in Syrien mehr treffen. Aber die BW steht ja unter dem Kommando von Erdogan.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×