Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2010

09:59 Uhr

Rückfall

Immer mehr Ex-Guantánamo-Häftlinge wieder Terroristen

Die Guantánamo-Schließung wird immer umstrittener: US-Beamte berichten unter Berufung auf jüngste Statistiken der Regierung in Washington, dass sich immer mehr Häftlinge aus dem US-Gefangenenlager nach ihrer Freilassung wieder Terrorgruppen anschließen.

Guantánamo-Gefangener. Freigelassene Häftlinge sollen sich verstärkt wieder dem Terrorismus zuwenden. ap

Guantánamo-Gefangener. Freigelassene Häftlinge sollen sich verstärkt wieder dem Terrorismus zuwenden.

HB WASHINGTON. Demnach steht mittlerweile einer von fünf aus dem Gefangenenlager auf Kuba entlassenen Häftlingen wieder unter Terrorverdacht oder ist bereits zurückfällig geworden, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag weiter meldete.

Damit sei die Rückfallquote auf 20 Prozent gestiegen. In einem Regierungsbericht vom vergangenen April war noch einer Quote von 14 Prozent wie Rede gewesen. Der Zuwachs mache es für US-Präsident Barak Obama schwieriger, das Lager wie geplant zu schließen, sagte ein nationaler Sicherheitsberater. „Niemand möchte für die Freilassung von Jemandem verantwortlich zeichnen, der anschließend weiter Amerikaner tötet“, wurde Dan Baman, der Direktor des Zentrums für Frieden und Sicherheitsstudien an der Georgetown Universität in Washington zitiert.

Am Dienstag hatte Obama die Überstellung von in Guantánamo einsitzenden Häftlingen aus dem Jemen in ihre Heimat gestoppt. In dem Gefangenenlager stammen rund die Hälfte der noch etwa 200 Häftlinge aus dem südarabischen Land. Es wird befürchtet, dass sie bei ihrer Rückkehr im Jemen von Terrorgruppen angeheuert werden.

Das Terrornetzwerk El Kaida hat unterdessen den jüngsten Anschlag auf einen Stützpunkt des US-Geheimdienstes CIA in Afghanistan als Rache für die Tötung mehrerer pakistanischer Taliban-Führer bezeichnet. Das gehe aus einer am Mittwoch im Internet veröffentlichten Erklärung des Terrornetzwerks hervor, berichtete das auf die Auswertung islamistischer Websites spezialisierte IntelCenter in Washington. Der Anschlag, bei dem ein Selbstmordattentäter vor einer Woche sieben CIA-Agenten und einen Jordanier mit in den Tod gerissen hatte, „rächt den Tod von Baitullah Mehsud, Abi Saleh el- Somali und Abdula el-Libi“, heißt es demnach in der Erklärung.

Mehsud, oberster Anführer der Taliban in Pakistan, war im August vergangenen Jahres bei einem US-Raketenangriff im Grenzgebiet zu Afghanistan getötet worden. Die Taliban-Kommandeure El-Somali und El- Libi starben Anfang Dezember bei einem Angriff einer unbemannten US- Drohne im pakistanischen Stammesgebiet Nord-Waziristan.

El Kaida hatte sich schon unmittelbar nach dem Anschlag auf den CIA-Stützpunkt zu der Tat bekannt. Von der sogenannten Forward Operation Base Chapman aus sollen die Angriffe der unbemannten Drohnen auf Taliban-Verstecke gesteuert werden. Das Attentat wurde von einem jordanischen Doppelagenten, dem Mediziner Humam Khalil Abu- Mulal al Balawi verübt, von dem sich der US-Geheimdienst Informationen über El Kaida erhofft hatte. Es war der blutigste Anschlag gegen die CIA seit Anfang der 80er Jahre.

Am heutigen Donnerstag wurde bekannt, dass bei einer Explosion in seinem Büro der Gouverneur der afghanischen Provinz Chost verletzt wurde. Dies teilte das Militär mit. Auch weitere ranghohe Provinzvertreter und mehrere Polizisten hätten Verletzungen erlitten, sagte ein General der afghanischen Armee . Niemand sei lebensgefährlich verletzt. Die Ursache der Detonation werde untersucht. Es wurde jedoch vermutet, dass es sich um einen Anschlag handelte.

Chost liegt im Südosten des Landes an der Grenze zu Pakistan. In der von Gewalt geprägten Provinz hatte sich vor einer Woche ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und sieben Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA und einen jordanischen Spion mit in den Tod gerissen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×