Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.05.2012

06:56 Uhr

Rückkehr zur Drachme

Die Kostenrechnung des Euro-Austritts

VonNorbert Häring, Axel Schrinner, Olaf Storbeck

Zahlungsunfähigkeit, Währungsabwertung, Schuldenausfall: So klingen die Konsequenzen der Rückkehr zur Drachme. Die indirekten Kosten einer Währungsumstellung sind indes völlig unberechenbar. Panik und Chaos drohen.

Ein Markt im Zentrum Athens. AFP

Ein Markt im Zentrum Athens.

Düsseldorf/Frankfurt/LondonMit der Rückkehr zur Drachme würden der griechische Staat und große Teile der Privatwirtschaft des Landes auf einen Schlag zahlungsunfähig - die neue griechische Währung würde drastisch abwerten, und Schulden in Euro könnten nicht mehr bedient werden.

Die Ratingagentur Fitch beziffert das Gesamtvolumen der griechischen Verbindlichkeiten gegenüber der Euro-Zone auf 375 Milliarden Euro. Mehr als 75 Prozent davon - 302 Milliarden - liegen bei den Notenbanken und Regierungen.

Griechenlands Exportwirtschaft

Brennstoffe, technische Öle

Den größten Anteil an Exportgütern aus Griechenland haben Brennstoffe und technische Öle. Sie umfassen 27,1 Prozent des hellenischen Exports.

Vorerzeugnisse

Vorerzeugnisse wie Stahl haben bei den griechischen Exportgütern einen Anteil von 16,8 Prozent.

Lebende Tiere und Nahrungsmittel

Mit 14,2 Prozent sind lebende Tiere und Nahrungsmittel das drittgrößte Importgut Griechenlands. In Deutschland erreichen diese Produkte nur Platz fünf der Exportgüter (4,2 Prozent).

Maschinen und Fahrzeuge

Maschinen und Fahrzeuge machen in Deutschland mit 47,6 Prozent fast die Hälfte aller Exporte aus. In Griechenland sind es 13,9 Prozent und damit Platz vier im Landesvergleich.

Chemische Erzeugnisse

Mit 10 Prozent sind chemische Erzeugnisse die Produktgruppe, die Griechenland am fünfhäufigsten exportiert. In Deutschland landen sie mit 15,3 Prozent auf Platz zwei.

Gesamtexport

Insgesamt exportiert Griechenland Güter im Wert von 22,5 Milliarden Euro. Deutschland erreicht ein Exportvolumen von 1060 Milliarden Euro.

Der größte Einzelposten sind die Kredite an den griechischen Staat, die sich auf insgesamt 156,5 Milliarden Euro summieren. Bis 2014 würde sich diese Summe auf 240 Milliarden Euro erhöhen (siehe Grafik). Hinzu kommen 122 Milliarden Euro Verbindlichkeiten der griechischen Notenbank gegenüber der EZB im Rahmen des Target-2-Zahlungssystems und der Bargeldbereitstellung. Der dritte wichtige Einzelposten ist der Bestand an griechischen Staatsanleihen bei der EZB, dessen Anschaffungspreis bei rund 40 Milliarden Euro liegt. Die Zahlungsausfälle würden nach dem Kapitalschlüssel der einzelnen Notenbanken bei der EZB auf die Länder verteilt.

Auf Deutschland kämen durch den griechischen Ausstieg nach Einschätzung von Fitch Kosten von rund 87 Milliarden Euro zu, gefolgt von Frankreich (65 Milliarden) und Italien (57 Milliarden). Insgesamt erscheinen die direkten Belastungen verkraftbar. Die Last, die Deutschland zu tragen hätte, entspricht 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Schuldenkrise: Briten wetten auf griechischen Euro-Austritt

Schuldenkrise

Briten wetten auf griechischen Euro-Austritt

Die Briten sind davon überzeugt, dass Griechenland aus dem Euro austritt.

Völlig unklar sind allerdings die indirekten Kosten, die durch einen griechischen Euro-Austritt entstünden. Zahlreiche Volkswirte prophezeien totales Chaos an den Finanzmärkten - in den anderen Krisenländern werde Panik ausbrechen. "Italien und Spanien werden dann sofort zum nächsten großen Schlachtfeld", warnt Jens Sondergaard, Volkswirt bei der japanischen Investmentbank Nomura.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Machiavelli

21.05.2012, 07:17 Uhr

Es wird viel über den Euro-Austritt Griechenland geschrieben und geredet. Soviel ich weiß wollen die Griechen aber nicht aus der Währungsunion austreten und auch dass man sie dazu nicht zwingen kann!
Also was soll die ganze Hetze?
Zuerst haben die deutsche Medien, wie auf Kommando, eine Verleumdungskampagne gegen Griechenland gestartet, was auch eine schnelle Lösung verhindert hat weil kein Politiker sich getraut hätte gegen die aufgehetzte Stimmung des deutschen Volkes zu handeln, jetzt versuchen die deutsche Media den Austritt Griechenlands als wahrscheinlich hinzustellen.
Die deutsche Media die dem Großkapital, wegen der Werbeaufträge, vollkommen ergeben sind.
Es ist wie verhext, das Unheil scheint wieder aus der gleichen Richtung kommen zu wollen: Deutschland

Account gelöscht!

21.05.2012, 08:01 Uhr

Hauptsache die Banken haben Milliarden dran verdient. Allein die Deutshen Unternehmen haben geschätzt über 100Mrd an Refinanzierungskosten gespart. Alle Risiken der Geschäfte trägt freundlicherweise - Dank Mutti - der Steuerzahler - dort sind Banken und Unternehmen dann wieder nicht so stark vertreten: man rechnet sich arm.

Und für die Milliardengewinne lohnt es sich doch ein ganzes Volk vor die Hunde gehen zu lassen! Oder doch nicht?

Account gelöscht!

21.05.2012, 09:13 Uhr

Dem kann ich zustimmen.
Hauptsache Sarrazins Buch kann verkauft werden, denn sonst hört man wohl nicht auf "Volkes Stimme". Schreckensszenarien mit Neiddiskussionen, welche man ursprünglich gegen Hartz4 Empfänger als Sau durchs Dorf getrieben hat, heute ist das die Rente mit 60 z. B. in Frankreich. Pauschale Fehlurteile, denn dort herrscht hohe Jugendarbeitslosigkeit, also kann es national betrachet durchaus richtig sein, alte "Säcke" früher in Rente zu schicken und die Jungen arbeiten zu lassen. Abgesehen vom Rentenniveau. Kaum einer kann von seiner Rente allein leben. Aber Hauptsache man hat "Argumente" gegen etwas. Dieser reaktionäre Journalismus geht mir auch teilweise gegen den Strich. Vor allem ist er einfach oberflächlich und widerkäuend.
Aber dem stehen die anderen EU-Länder in nichts nach.
Es wird Zeit das sich die Medien zu Europa bekennen, statt zum Boulevardjournalismus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×