Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2015

10:28 Uhr

Rückkehr zur Kernenergie

Japan fährt Atomreaktoren in Kürze wieder an

Erfolg für Japans Regierungschef, Niederlage für die Atomkraftgegner: Ein Gericht stärkt Abes Atomkurs. Dabei hatte seine Regierung noch vor wenigen Tagen einen juristischen Dämpfer einstecken müssen.

Das Bezirksgericht in Fukui hatte das Hochfahren der Reaktoren in Takahama kürzlich unterbunden. Reuters

Das Atomkraftwerk Takahama in Westjapan

Das Bezirksgericht in Fukui hatte das Hochfahren der Reaktoren in Takahama kürzlich unterbunden.

TokioVier Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist Japan der Rückkehr zur Kernenergie einen Schritt näher gekommen. Ein Gericht wies am Mittwoch die Forderung von Bürgern zurück, ein Wiederanfahren zweier Reaktoren des Betreibers Kyushu Electric Power im Atomkraftwerk Sendai zu stoppen.

Das Urteil ist ein Erfolg für Ministerpräsident Shinzo Abe, der möglichst schnell die ersten nach der Atomkatastrophe abgeschalteten Meiler im Lande wieder in Betrieb sehen will.

Erst vor wenigen Tagen hatte ein anderes Gericht das Wiederanfahren zweier Reaktoren im AKW Takahama in Westjapan unterbunden und damit Abe einen Stolperstein in den Weg gelegt. Die Reaktoren in Sendai in Südwestjapan sollen im Juli ans Netz gehen.

Die Reaktoren in der südwestlichen Provinz Kagoshima hatten genauso wie die beiden Reaktoren in Takahama die nach dem Gau in Fukushima verschärften Sicherheitsauflagen erfüllt. Daraufhin gab die Atomaufsichtsbehörde für beide Standorte grünes Licht zum Wiederanfahren.

Die japanische Katastrophe in Zahlen

Das Erdbeben

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löste auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe

Die Naturkatastrophe forderte rund 15 800 Tote und mehr als 3700 Vermisste.

Die zivilen Schäden

Die zivilen Schäden der Dreifach-Katastrophe belaufen sich insgesamt auf etwa 160 Milliarden Euro.

Länger unbewohnbar

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100 000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Radioaktiv verseuchtes Wasser

Über 10 000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser flossen in den Ozean. Es geriet 168-mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

Das Kraftwerk

Nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco wird es noch bis zu 40 Jahren dauern, bis das Kraftwerk vollständig gesichert ist. Rund 20.000 Arbeiter halfen bislang, die Reaktoren unter Kontrolle zu bringen.

Das Bezirksgericht in Fukui hatte das Hochfahren der Reaktoren in Takahama jedoch in einer einstweiligen Verfügung kürzlich unterbunden. Begründung: Die neuen Sicherheitsauflagen – laut der Regierung die „strengsten der Welt“ – seien „zu locker“.

Die Richterkollegen in Kagoshima kamen dagegen für die Reaktoren in Sendai nun zum gegenteiligen Urteil. Derzeit stehen sämtliche 48 kommerziellen Reaktoren in Japan still. Sie gingen nach dem Super-Gau in Fukushima im März 2011 Schritt für Schritt vom Netz.

Die rechtskonservative Regierung will zur Atomkraft zurückkehren. Sie setzt sich damit über den breiten Widerstand in der eigenen Bevölkerung hinweg. In Umfragen spricht sich eine Mehrheit der Bürger immer wieder gegen eine Rückkehr zur Atomkraft aus.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×