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02.01.2005

14:40 Uhr

Rückkehrwahrscheinlichkeit schwindet von Tag zu Tag

Kaum noch Hoffnung für vermisste Deutsche

Nach der Flutkatastrophe in Südostasien gibt es für viele der über 1000 vermissten deutschen Touristen nur noch wenig Hoffnung.

HB BERLIN. „Es ist einfach so, dass von Tag zu Tag die Wahrscheinlichkeit wächst, dass viele der Vermissten nicht zurückkehren werden“, sagte der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth, am Sonntag in Berlin. „Zum Optimismus besteht kein Anlass.“ Die Zahl der identifizierten deutschen Toten stieg auf 60. 300 Verletzte wurden gezählt. Außenminister Joschka Fischer will Ende dieser Woche in die Krisenregion reisen.

In Thailand seien 46 deutsche Todesopfer identifiziert worden, in Sri Lanka 14, sagte Scharioth. „Die Zahl der Vermissten steigt weiter.“ Es seien „sehr deutlich über 1000“. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen. „Ich ergehe mich nicht in Spekulationen.“ Die Vermisstenzahlen änderten sich stündlich. Auch Rückkehrer meldeten sich. „Aber der Trend geht nach oben.“

Zu den Vermissten zählten Menschen „die das Meer nicht mehr zurückgibt“. Eine größere Zahl der am Ort aufbewahrten Toten sei noch nicht identifiziert. Zudem gebe es Reisende, von denen „man nicht weiß, wo sie sich aufhalten“. Bislang seien 7000 deutsche Urlauber in die Heimat zurückgebracht worden. Scharioth warnte Angehörige dringend davor, auf eigene Faust nach Vermissten zu suchen: „Sie können in der Region nichts bewirken.“ Straßensperren wegen der Bergung der Opfer und wegen der Seuchengefahr machten das Vorwärtskommen unmöglich. Das thailändische Khao Lak, wo viele Deutsche Urlaub gemacht hatten, sei inzwischen Sperrgebiet. Der Bundeswehr-Airbus „MedEvac“ hat bislang über 90 Verletzte aus Deutschland und anderen europäischen Ländern nach Köln gebracht. Ein zweiter „MedEvac“ sei ab Montag startbereit. In der Provinz Phuket suchten sechs deutsche Helfer-Teams mit jeweils drei Ärzten nach ausländischen Flut-Opfern. „An der finanziellen Frage scheitert keine einzige schnelle Maßnahme“, versicherte Scharioth. Berlin hat bislang 20 Millionen Euro zugesagt.

Deutsche Hilfe wurde verstärkt

Unterdessen wurde die deutsche Hilfe für die Katastrophenregionen verstärkt. In der besonders betroffenen Provinz Aceh im Nordosten Indonesiens soll in wenigen Tagen ein Bundeswehrlazarett die Arbeit aufnehmen. Auch das Marineversorgungsschiff „Berlin“ wurde dorthin dirigiert. Deutschland konzentriert seine humanitären Aktionen auf Sri Lanka und Indonesien. Das Deutsche Rote Kreuz versorge 10 000 Menschen. Das Technische Hilfswerk wird mit 36 Mitarbeitern eine Wasseraufbereitungsanlage betreiben. Die Johanniter entsandten zwölf Tonnen Hilfsmittel nach Sri Lanka. Die Deutsche Welthungerhilfe hilft Zehntausenden in Sri Lanka, Indien und an der thailändisch- burmesischen Grenze. Insgesamt versorgten die zehn in der Aktion Deutschland Hilft vereinten Hilfsorganisationen bis Freitag 280 000 Flutopfer mit Nahrungsmitteln, Medikamenten oder Trinkwasser. Außenminister Fischer wolle sich bei seiner Reise in die Katastrophenregion auf Fragen des Wiederaufbaus konzentrieren, sagte Scharioth. Derzeit stehe noch die humanitäre Hilfe im Mittelpunkt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte sich in seiner Neujahrsansprache für langfristige Hilfen für die betroffenen Länder eingesetzt. „Wir dürfen die von der Flutwelle am stärksten betroffenen Länder, die Menschen dort, nicht allein lassen. Nicht jetzt, aber auch nicht in Zukunft“, sagte Schröder in seiner Neujahrsansprache. Die wohlhabenden Industriestaaten sollten Partnerschaften für den Wiederaufbau eingehen.

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