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15.09.2011

19:12 Uhr

Rücktritte

Politik-Skandale kratzen an Brasiliens Image

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat ein Problem: Fünf Minister mussten in den letzten drei Monaten meist nach massiven Korruptionsvorwürfen zurücktreten. Das kratzt am Image des Boom-Landes.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat ein Problem. Reuters

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat ein Problem.

São PauloPräsidentin Dilma Rousseff war sauer. Das Treffen zwischen ihr und Tourismusminister Pedro Novais in Brasília soll dem Vernehmen nach nur fünf Minuten gedauert haben. Viel länger braucht man wohl auch nicht, um ein Rücktrittsgesuch einzureichen und es zu akzeptieren. Die erst seit Januar amtierende Regierung Rousseff kommt nicht zur Ruhe. Seit Anfang Juni gingen fünf Minister, bis auf einen alle nach massiven Korruptionsvorwürfen. Das regt selbst viele der leidgeprüften und geduldigen brasilianischen Bürger auf.

Das Tourismusministerium war schon länger im Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft. Erst im August wurden über 35 Mitarbeiter wegen mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten bei Ausschreibungen festgenommen. Der 81-jährige Ressortchef Novais soll zudem von 2003 bis 2010 als Abgeordneter eine Hausangestellte mit Steuergeldern bezahlt und auch einen Fahrer des Parlamentes für private Einkaufstouren seiner Frau eingesetzt haben. Er sei „Opfer von Verleumdung und Diffamierung“, verteidigte sich der Politiker am Mittwoch bis zum Schluss.
Er gehört zu Rousseffs wichtigster Koalitionspartei, der Partei der Demokratischen Bewegung Brasiliens (PMDB), die mit Michel Temer auch den Vize-Staatspräsidenten stellt. Aus ihren Reihen musste im August auch Agrarminister Wagner Rossi nach Korruptionsvorwürfen zurücktreten, ebenso wie zuvor Verkehrsminister Alfredo Nascimento von der kleinen Partei der Republik (PR).
Den schwersten Schlag mussten Rousseff und ihre Arbeiterpartei PT im Juni mit dem Abgang ihres Parteigenossen und Kabinettschefs Antonio Palocci hinnehmen, der nicht hinreichend erklären konnte, warum sich sein Vermögen während seiner Abgeordnetenzeit zwischen 2006 und 2010 verzwangzigfachte. Und dann nahm Anfang vorigen Monats auch noch Verteidigungsminister Nelson Jobim (PMDB) seinen Hut - allerdings ohne im
Verdacht der Korruption zu stehen. Ihm wurden kritische Äußerungen über zwei Ministerinnen zum Verhängnis.

Kommentare (2)

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lowabras

15.09.2011, 20:52 Uhr

"Brasilien wird zum Land der Diebe" kann nur ein Journalist schreiben, der Brasilien nur von der Landkarte kennt! Ich wohne seit 7 Jahren hier und kann deshalb diese Dinge aus praktischer Anschauung beleuchten und kann nur erklären, "Brasilien ist ein Land der Diebe"!
Allerdings kommen seit wenigen Jahren diese Dinge mehr und mehr und in schnelleren Abständen ans Licht. Dass hier nicht schon seit Jahren mehr passiert ist, liegt einfach daran, dass die gesamte Regierungsriege, ohne Ausnahme extrem korrupt war und sich somit gegenseitig schützen musste. Eine Krähe......
Nachdem nun einiges aufgeflogen ist und Figuren ausgewechselt wurden, hält das Netz nicht mehr und hat Löcher bekommen, was zu enormer Verunsicherung führt bei den immer noch in der Mehrzahl befindlichen Korrupten.
Man muss jedoch wissen, dass Korruption hier eine lange Historie hat und somit von Betroffenen und der Bevölkerung als "ganz normal" angesehen wurde. Nur sehr, sehr langsam löst sich dieses Selbstverständnis auf. Allerdings aber auch ziemlich lonsequent und mit Rousseff noch etwas beschleunigter als bei Lula.
An der Presse Brasiliens kann sich die gleichgeschaltete Presse in Europa mal ein Beispiel nehmen! Und die Objektivität der Medien nimmt ständig zu, im Gegenteil zu Europa. Das ist eine gute Voraussetzung und wird sich mit zunehmenden Erfolgen bei der Aufdeckung solcher Delikte noch beschleunigen!
Übrigens wird in der öffentlichen Verwaltung seit einiger Zeit kein Bleistift mehr freihändig gekauft, sondern fast ausschließlich über Ausschreibungen und da es heir keinen Datenschutz gibt, kann jedermann sehen wer bei wem, wann zu welchem Betrag was gekauft hat.
Mittlerweile verstärkt sich bei mir der Verdacht, dass speziell in Deutschland der sog. Datenschutz den Bürge(r)n mehr schadet als nützt. Auch ALLE Steuererklärungen sind hier von Jedermann per Internet einsehbar und so kann jeder sehen, was in seiner Umgebung vor sich geht überhaupt sein kann.

Guenter1952

16.09.2011, 16:54 Uhr

Das alles zeigt doch primär, das die Regierung von Dilma Rousseff nicht mehr bereit ist, Korruption in irgendeiner
Weise hinzunehmen. Diese Regierung hat sich die Beämpfung
der Korruption auf die Fahne geschrieben, und das kommt auch bei der Bevölkerung an.
Wieso diese neue massive Bekämpfung der Korruption an Brasiliens Image kratzen soll, bleibt das Geheimnis des Autors.

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