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28.04.2016

15:51 Uhr

Rüstungsprogramm

Südkorea meldet weiteren Raketenfehlstart Nordkoreas

Mit Raketentests will Nordkorea Stärke und Souveränität demonstrieren. Doch die Technik spielt nicht immer mit. Nach südkoreanischen Angaben hat eine Mittelstreckenrakete einen Fehlstart hingelegt.

Nordkorea unterlaufen bei Raketentests immer wieder Fehlschläge. dpa

Raketenstart in Nordkorea

Nordkorea unterlaufen bei Raketentests immer wieder Fehlschläge.

SeoulDas kommunistische Nordkorea soll nach südkoreanischen Angaben erneut eine Mittelstreckenrakete getestet haben. Das Geschoss sei aber bereits wenige Sekunden nach dem Start abgestürzt, berichtete das südkoreanische Verteidigungsministerium am Donnerstag. Wo die Trümmer niedergingen, war zunächst nicht klar. Das Außenministerium in Seoul sprach von einer Provokation.

Dem Verteidigungsministerium zufolge handelte es sich offenbar um den zweiten gescheiterten Test der neuen Rakete namens Musudan, die eines Tages 3500 Kilometer weit fliegen und auch relativ weit entfernte Ziele wie US-Basen in Asien und im Pazifik erreichen könnte. Nordkorea hatte die Musudan-Rakete 2011 auf einer Militärparade gezeigt, soll aber erst in diesem Monat Flugtests gewagt haben. Darüber hinaus arbeitet Nordkorea an der Entwicklung von Langstreckenraketen, die auch das US-Festland erreichen sollen.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Allerdings unterlaufen Nordkorea dabei immer wieder Fehlschläge. Erst vor wenigen Tagen hatte Südkorea gemeldet, dass Nordkorea eine ballistische Rakete von einem U-Boot aus gestartet habe, die statt 300 nur etwa 30 Kilometer geflogen sei. Mitte April explodierte eine Mittelstreckenrakete südkoreanischen Angaben zufolge kurz nach dem Start. Auch im Dezember soll ein Raketentest von einem U-Boot aus fehlgeschlagen sein.

Das nordkoreanische Raketenprogramm löst - ebenso wie die Entwicklung von Atomsprengköpfen durch den abgeschotteten und autoritär regierten Staat - international Besorgnis aus. Nordkorea begründet die Rüstungsprogramme damit, dass es sich durch den Süden und die mit ihm verbündeten USA bedroht fühle. Die jährlichen Frühjahrsmanöver der beiden Bündnispartner bezeichnet die Führung in Pjöngjang als Übung für eine Invasion.

Viele Beobachter werten die Raketentests aber auch als Machtdemonstration des nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un vor dem für Mai geplanten Parteitag. In diesem Zusammenhang gibt es in Südkorea auch Spekulationen über einen fünften Atomtest Nordkoreas in den kommenden Tagen.

Von

ap

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