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26.09.2012

12:47 Uhr

Ruf nach Reformen

Mehr als drei Millionen Franzosen ohne Arbeit

In Frankreich hat die Arbeitslosigkeit die psychologisch kritische Marke von drei Millionen überstiegen. Die Rufe nach Reformen werden lauter - auch nach Kurzarbeit nach deutschem Vorbild.

Arbeitsuchende Franzosen stehen vor einem Büro französischen Arbeitsagentur Schlange. dpa

Arbeitsuchende Franzosen stehen vor einem Büro französischen Arbeitsagentur Schlange.

ParisIn Frankreich ist die Zahl der Arbeitslosen im August erstmals über die Marke von drei Millionen geklettert. Dies ist der höchste Stand seit Juni 1999. Arbeitsminister Michel Sapin gab die Zahl am Mittwoch im staatlichen Fernsehen bekannt, noch vor der erwarteten Veröffentlichung der offiziellen Statistik am Abend.

Seinen Angaben nach stieg die Zahl der Menschen ohne Job den 16. Monat in Folge. Im Juli waren es noch 2,987 Millionen. Die Misere am Arbeitsmarkt bringt die seit wenigen Monaten amtierende sozialistische Führung des Landes unter Präsident Francois Hollande zunehmend unter Druck. Bis Jahresende sollen wichtige Reformen am Arbeitsmarkt in einem „historischen Kompromiss“ besiegelt werden. Die Rufe nach Kurzarbeit nach deutschem Vorbild wurden zuletzt lauter.

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Der französische Präsident möchte auch in Zukunft Schulden abbauen. Auf seine Landsleute komme die größte Anstrengung seit 30 Jahren zu. Trotzdem soll die geplante Reichensteuer geringer ausfallen.

Sapin sieht die desaströse Lage am Arbeitsmarkt als Ergebnis einer verfehlten Politik des abgewählten konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy. „Es handelt sich im Kern um die drei Millionen Arbeitslosen, die wir bei Antritt vorgefunden haben“, sagte er dem Sender „France 2“.

Die hohe Arbeitslosigkeit drückt mittlerweile auch auf die Stimmung der Verbraucher. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen sank im September um einen Punkt, wie das Statistikamt mitteilte.

Zahlreiche Großkonzerne wie Carrefour oder Peugeot haben Massenentlassungen angekündigt. Die Regierung intervenierte diese Woche bereits beim Pharmakonzern Sanofi und konnte nach eigenen Angaben das Sparprogramm etwas abmildern.

Hollande hat am 9. September versprochen, den negativen Trend am Arbeitsmarkt bis 2013 umzukehren. Die Sozialpartner sind aufgerufen, sich bis Ende diesen Jahres auf wichtige Arbeitsmarktreformen zu einigen. Er sprach von einem „historischen Kompromiss“, der nötig sei.

Industrieminister, Arnaud Montebourg, schlug am Dienstag vor, auch über Konzepte nach deutschem Vorbild wie Kurzarbeit nachzudenken. Frankreich solle die Möglichkeit schaffen, dass Firmen im Abschwung die Arbeitszeit reduzieren könnten, damit sie nicht gleich entlassen müssten. Deutschland sei damit gut durch die Krise gesteuert, sagte Montebourg.

Hollandes Handlungsspielraum ist mit Blick auf das Budget klein. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat einen Schuldenberg von 90 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung angehäuft, spielt an den Finanzmärkten aber bislang in einer Liga mit Deutschland. Damit das so bleibt, muss Hollande am Freitag einen ehrgeizigen Haushalt vorlegen, um EU-Defizitziele zu erreichen. Bislang hat er sich eher weniger als Reformer präsentiert. Den zusätzlichen Sparbedarf will er vorwiegend über höhere Steuern und das Einfrieren staatlicher Ausgaben schaffen.

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Von

rtr

Kommentare (4)

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Brasil

26.09.2012, 13:51 Uhr

Dieses System ist nicht mehr zu reparieren, egal was diese Politdeppen auch anstellen, es wird nur noch schlimmer!
Das Problem liegt nicht an dem, was dem Volk vorgegaukelt wird, sondern am Geldsystem und dafuer gibt es nur alle ca. 70 Jahre eine Loesung, RESET mittels Waehrungsreform, basta!
Natuerlich kann man das System noch lange aufrecht erhalten mit immer mehr Geld und solange keine Hyperinflation zu SPUEREN ist, so lange wird das Rad auch weiter gedreht! Durch die Globalisierung und den damit moeglichen Export der Inflation ist das noch eine ganze Weile moeglich, aber eben trotzdem ENDLICH!
Ob jetzt oder erst spaeter, fuer das Volk ist das gleichgueltig, nur die Hochfinanz profitiert von der Verzoegerung, weil immer mehr Assets verpfaendet werden und so ihr wertloses Papiergeld vergoldet wird! Aber das begreifen nur sehr wenge, leider!

Gast

26.09.2012, 14:19 Uhr

Den Dollar gibt es schon deutlich länger als 70 Jahre.

Account gelöscht!

26.09.2012, 14:55 Uhr

Reformen - Reformen - Reformen
auschließlich zu Lasten der normalen Bürger.
man kann es nicht mehr hören.
In der Krise verdienen sich Banken und sonstige Finanzhaie dumm und dämlich und unsre Politiker sind völlig unfähig.
In Spanien, in Griechenland sind Massenproteste, in Frankreich werden sie wohl auch kommen und letztendlich auch bei uns.
So ruinieren völlig unfähige Politiker einen ganzen Kontinent
Wann stehen wir endlich alle auf und teilen unseren Euro-Fanatikern mit, dass wir, das Volk, Europa sind und nicht die satten und trägen Politiker, denen es nur um die Macht und ums eigene Wohlleben geht?

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