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17.05.2015

09:14 Uhr

Rumäniens Urwälder

Ein Paradies wird abgeholzt

Holz ist in Rumänien ein hochpolitisches Thema. Wegen legaler und illegaler Abholzung droht ein ganzes Naturparadies in Osteuropa zu verschwinden. Dabei geht es nicht zuletzt um wirtschaftlichen Druck.

Das Geschäft – legal wie illegal –  boomt in Rumänien. dpa

Holzeinschlag in Rumänien

Das Geschäft – legal wie illegal – boomt in Rumänien.

Toplita/Campeni/Comanesti/GheorgheniFrische, klare Spuren eines jungen Bären zeichnen sich an diesem Morgen im Mai auf dem weichen Waldboden ab. Angst brauchen Wanderer im Naturpark Apuseni aber nicht zu haben, denn die wilden Tiere suchen in dieser vom Massentourismus verschonten Region das Weite, wenn sie Menschen auch nur riechen. Angst hat der Bauer, der die Reporterin der Deutschen Presse-Agentur zu einer abgeholzten Fläche führt, trotzdem. Aber nicht vor Bären, sondern vor der Holzmafia. Er will seinen Namen nicht gedruckt sehen, weil die Polizei gegen ihn und andere Bauern ermittelte, nachdem sie vor einem Jahr aus Protest gegen die Rodungen Holztransporte blockiert hatten. Die Ermittlungen wurden eingestellt, aber die Verunsicherung bleibt.

In Rumäniens Wäldern geht es zu wie in einem Krimi. Von den 6,6 Millionen Hektar Wald verschwinden nach Schätzung von Greenpeace stündlich drei Hektar. Seit der Wende vor 25 Jahren wurden es nach Angaben des rumänischen Rechnungshofs fast 400.000 Hektar weniger. Etwa die Hälfte des Bestandes befindet sich in Privatbesitz, nachdem Flächen, die von den Kommunisten enteignet worden waren, an die früheren Besitzer oder deren Nachkommen zurückgegeben wurden.

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Der frühere Polizist Florin Cadar ist nur um die Neujahrszeit zu Hause im siebenbürgischen Toplita anzutreffen. Das liegt daran, dass er in einem Schlachthof im fernen Norddeutschland arbeiten muss. Es ist der bittere Preis dafür, dass er sich früher als Polizist mit der Holz-Mafia anlegte, wie er sagt. Er habe nämlich konsequent alle illegalen Wald-Rodungen in seinem Revier angezeigt - etwa zehn bis 20 Fälle im Jahr. Das brachte ihm Ärger mit den Vorgesetzten ein. Diese arbeiteten mit den Holzdieben zusammen, sagt Cadar. Ein Bericht des Umweltaktivisten Hans Hedrich gibt ihm recht.

2010 wurde Cadar wegen Diebstahls von sechs Baumstämmen zu zwei Jahren Haft verurteilt. Aufgrund gekaufter Zeugenaussagen, wie er sagt. Als er ein Jahr abgesessen hatte, bescheinigte ihm die Forstverwaltung, dass es den betreffenden Diebstahl gar nicht gegeben habe. Seine Ehefrau legte das entsprechende Dokument bei Gericht vor. Daraufhin bekam sie Drohanrufe von Unbekannten, die verlangten, sie solle das Papier wieder zurückziehen. Sie tat es nicht. Einen Tag später brannte Cadars Garage samt Auto. Wer die Brandstifter waren, blieb unklar.

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Cadar kam zwar vorzeitig frei, seinen Job bei der Polizei bekam er aber nicht zurück. „Ich habe gesehen, wie das Schmiergeld in weißen Bastsäcken gebracht wurde. Polizisten und Förster sind reich geworden. Früher hatten sie nicht einmal Geld für Zigaretten, heute fahren sie BMWs“, sagt er.

Umweltschützer werfen der österreichische Firma Holzindustrie Schweighofer vor, den Anreiz für das massive illegale Abholzen geschaffen zu haben. Die Firma ist in Rumänien seit 2002 präsent, kauft das meiste Nadelholz auf und zahlt am besten dafür. Vor kurzem veröffentlichte die US-Umweltschutzorganisation EIA ein Video, das belegen soll, dass Schweighofer in Rumänien illegal geschlagenes Holz kaufe. Der EIA-Chef Alexander von Bismarck hatte sich gegenüber Mitarbeitern von Schweighofer als Holzhändler ausgegeben, der schwarz gefällte Bäume zu verkaufen habe. Er filmte diese Gespräche mit versteckter Kamera. Es war nicht der erste derartige Coup des weltweit aktiven Bismarck. Schweighofer wies die Vorwürfe zurück, bezeichnete die Video-Ausschnitte als „aus dem Zusammenhang gerissen“ - versprach aber zugleich interne Kontrollen und suspendierte einen der verdächtigen Mitarbeiter vom Dienst.

Kommentare (1)

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Frau ines oppel

21.05.2015, 10:40 Uhr

Und wo ist hier die EU, welche sich doch sonst in alles einmischt (Glühbirnen, Krümmung der Banane, Staubsauger....)? Rumäniens Regierung müssten alle Fördergelder gestrichen werden, dann würde ihr bestimmt sehr bald einfallen, was gegen die korrupten und skrupellosen Machenschaften der Profitgeier in dieser Sache und zur Rettung des Waldes getan werden muss. Aber wenn die EU wirklich einmal gebraucht wird, dann stellt sie sich blind, taub und desinteressiert.

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