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20.08.2014

13:41 Uhr

Russen in Deutschland

„Wir sind stolz auf Putin“

VonMartin Pirkl

In der Kneipe „Roter Platz“ trifft sich, wer einen Hauch von Russland in Köln erleben will. Auch hier wird kontrovers über die Ukraine diskutiert. Die einen lieben Kremlchef Wladimir Putin – doch längst nicht alle.

Die Meinungen über Wladimir Putin sind auch unter den in Deutschland lebenden Russen und Ukrainern ganz unterschiedlich. dpa

Die Meinungen über Wladimir Putin sind auch unter den in Deutschland lebenden Russen und Ukrainern ganz unterschiedlich.

KölnHammer und Sichel kreuzen sich auf einem goldenen Stern. Darunter blickt ein grimmiger Lenin in die Ferne. Um die Ecke freut sich Stalin auf einem Bild über seinen russischen Wodka. Was wie ein sowjetisches Museum wirkt, ist in Wirklichkeit die russische Kneipe „Roter Platz“ im Zentrum Kölns. Hier stoßen jedes Wochenende die Gäste zu russischem Bier und den verschiedensten Wodkasorten an.

Einer von ihnen ist Evgenij Dunajewski. Der 24-jährige sitzt mit seinen Freunden an diesem Freitag Abend im Außenbereich der Kneipe. Die meisten kommen aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion wie Kasachstan oder Litauen.

Dunajewski ist in der ostukrainischen Stadt Dnepropetrovsk, 200 Kilometer südöstlich von Donezk, aufgewachsen. Er bezeichnet sich aber selbst als Russe. Seit er 14 Jahre alt ist lebt er in Deutschland, mittlerweile hat er einen deutschen Pass. In seinem Freundeskreis ist der Ukraine-Konflikt ein wichtiges Thema. Wenn sie sich über Kreml-Chef Wladimir Putin unterhalten, sind sie sich einig: Russland könne stolz auf einen Präsidenten wie Putin sein. „Wir sind stolz auf Putin.“

Evgenij Dunajewski (vorne rechts) mit seinen Freunden vor der Kneipe „Roter Platz“ in Köln. Martin Pirkl

Evgenij Dunajewski (vorne rechts) mit seinen Freunden vor der Kneipe „Roter Platz“ in Köln.

„Er kümmert sich um sein Volk, hat die russische Wirtschaft gestärkt und die Korruption bekämpft“, sagt Dunajewski. Die Vorwürfe des Westens, Putin sei für die Eskalation in der Ukraine verantwortlich, seien haltlos. „Das ist Hetze, Hetze, Hetze“, sagt er und hebt dabei seine Stimme an.

Rund 200.000 Russen leben in der Bundesrepublik. Die Meisten wohnen in Nordrhein-Westfahlen. Köln hat mit etwa 5.000 Russen die größte russische Gemeinde NRWs. In der Millionenstadt gibt es mehrere russische Kneipen, zwei russisch-orthodoxe Kirchen und zahlreiche russische Restaurants.

Fragen und Antworten zu Sanktionen gegen Russland

Auf welche Sanktionen müssen sich Unternehmen einstellen?

Die EU diskutiert bislang über eine mögliche Einschränkung für Rüstungsausfuhren sowie für Exporte von Hochtechnologie für den Energiebereich. Offen ist, was damit genau gemeint ist. Außerdem sollen Möglichkeiten geprüft werden, den Zugang Russlands zu den EU-Finanzmärkten zu erschweren.

Was wären die Folgen?

Eingriffe in die Finanzierung würden die russische Wirtschaft querbeet treffen. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahres stark zugenommen“, schreiben die Volkswirte der Hypovereinsbank (HVB). Sollte die EU dem Beispiel der USA mit einem Verbot für die Finanzierung erster russischer Unternehmen folgen, werde dies zwangsläufig sehr schnell wirken - denn bislang hätten russische Firmen Finanzierungen in Dollar zumindest teilweise durch Finanzierungen in Euro ersetzen können.

Und wie sieht es mit Handelsbeschränkungen aus?

Von Handelsverboten beispielsweise bei Rüstung und Maschinen wären natürlich die Hersteller selbst betroffen. Schon jetzt berichten Maschinenbauer über Einbrüche, obwohl es noch gar keine konkreten Schritte gibt. „Die Russen würden uns die Maschinen ja gern abnehmen, aber es ist nicht sicher, ob sie zum Zeitpunkt der Fertigstellung überhaupt noch nach Russland ausgeführt werden können“, sagt der Präsident Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge. Einzelne Firmen berichten, russische Kunden sähen sich schon jetzt nach Alternativen zum Beispiel in Asien um. Die mittelständische Wirtschaft fürchtet, dass ein Embargo bei uns vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektronische Erzeugnisse, Pharma und Nahrungsmittel zurückschlagen würde.

Wie wichtig ist denn Russland insgesamt als Kunde?

Russland hat zuletzt (2013) Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Das entspricht rund 3 Prozent aller Exporte. Damit steht das Land aber nur auf Platz 11 der wichtigsten Kunden, hinter Handelspartnern wie zum Beispiel Belgien, Polen, der Schweiz oder Österreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führen aber lediglich 10 Prozent aller Exporteure Waren nach Russland aus. „Für etwa 73 Prozent dieser Unternehmen machen die Exporte nach Russland maximal ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.“ Einzelne Firmen oder Branchen könnten also deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft.

Dann droht also kein handfester Konjunktureinbruch?

Eher nicht. Sollte die ohnehin aktuell schwächelnde russische Wirtschaft weiter einbrechen, hätte das zwar auch negative Konsequenzen für Deutschland. Wegen des begrenzten Anteils der Exporte nach Russland wäre das für die deutsche Wirtschaft aber „wohl verschmerzbar“, meinen die HVB-Ökonomen.

Wie könnte Russland auf ein Embargo reagieren?

Auch das ist völlig unklar. Allerdings hätte Moskau genügend Mittel für einen Gegenschlag: Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz 8 der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Ein Großteil der Wirtschaftsmacht des „Rohstoffgiganten Russland“ beruht auf Erdöl, Erdgas, Kohle sowie Metallen wie Nickel, Aluminium. Und genau hier könnte das Drohpotenzial liegen - theoretisch zumindest: „Nach rationalen Erwägungen würden sich die Russen stärker selbst schaden, wenn sie uns den Gashahn beginnen abzudrehen, weil sie ... von den Einnahmen daraus abhängig sind“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Donnerstag im Südwestrundfunk.

Seit Monaten kämpfen im Osten der Ukraine Regierungstruppen gegen prorussische Separatisten um die Kontrolle der Gebiete. Ausgelöst wurden die Kämpfe durch die Proteste auf dem Kiewer Maidan-Platz. Diese führten zum Sturz des damaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch. Anschließend wählte die Bevölkerung der Ukraine eine neue Regierung. Doch damit kehrte keine Ruhe ein.

Kommentare (26)

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Herr Dipl. Ing.

20.08.2014, 14:07 Uhr

Das Ergebnis von Rot-Grün-Multi-Kulti: Immer mehr internationale Konflikte (Ukraine, Syrien, Israel, Iran, Jesiden, Kurden, Islamisten, Salafisten, Roma, ...) werden auf Deutschem Boden ausgetragen.

Zwischenzeitlich ist es ja auch kein Geheimnis mehr, dass 9/11 auch in Deutschland geplant wurde! Wer weiß, was die restlichen radikalen Gruppen aktuell planen???

Deutschland darf nicht zum Tummelplatz ausländischer Radikaler werden! Durch unsere Rot-Grüne-Multi-Kulti-Zwangskultur haben die es zwischenzeitlich einfacher als die Anhänger der rechten Gruppierungen!

Der Staat muß innerhalb Deutschlands endlich stärker und effektiver gegen diese importierten Probleme vorgehen. Dazu gehört auch, nicht jedem die Deutsche Staatsbürgerschaft anzubieten und stärker von Ausweisungen gebrauch zu machen. Nur so ist das Problem zu lösen. Alles andere ist nur die Behandlung der Sympthome, nicht der Krankheit!

Quo vadis Deutschland!

Herr Ulrich Wahr

20.08.2014, 14:08 Uhr

Ich frage mich warum die Putinbegeisterten hier in Deutschland leben, sollen sie doch zurück nach Russland gehen und helfen dort das Land aufzubauen. Aber sie sonnen sich lieber hier in der Demokratie und im Wohlstand welcher der geliebte Putin in Russland nicht liefern kann, welch eine Schizophrenie. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Moritz J. Mueller

20.08.2014, 14:19 Uhr

Herr Dunajewski Äußerungen sind mal wieder Beispielhaft für das Denken und Empfinden des kleinen Mannes, der mangels eigenen Selbstbewusstseins sich in den Stolz einer gewissen Gesellschaftszugehörigkeit verliert. Und dabei die (für ihn unbequeme) Wahrheit verdreht und es vorzieht Lügen glauben zu schenken. Putin „hat die Russische Wirtschaft gestärkt und die Korruption bekämpft“. Das Gegenteil ist freilich der Fall. Er hat nur das gefördert was er persönlich kontrolliert (Rohstoffe) und das freie Unternehmertum und damit die Industrieproduktion vernichtet. Gerade Personen, die die Korruption bekämpfen wollten (und dies leichtsinnigerweise geäußert haben) wurden über Jahre, wie Michail Chodorkovskij, weg gesperrt.
Und wie immer kommt Hochmut (Stolz) bekanntlicherweise vor den Fall.

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