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10.02.2014

14:33 Uhr

Russische Aktivisten

Pussy-Riot-Frauen drängen in die Politik

Gerüchten zufolge gehören sie nicht mehr zu Pussy Riot. Das dementieren die Aktivistinnen Tolokonnikowa und Aljochina: Sie könnten nur keine Aktionen mehr stützen. Stattdessen wollen sie auf die politische Bühne.

Zwei Frauen gegen Putin

Pussy Riot wollen Bürgermeisterinnen werden

Zwei Frauen gegen Putin: Pussy Riot wollen Bürgermeisterinnen werden

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BerlinDie Ende vergangenen Jahres aus der Lagerhaft entlassenen Aktivistinnen der russischen Punkband Pussy Riot erwägen einen Gang in die Politik. Zur Präsidentschaftswahl in Russland würden sie zwar nicht antreten, sagte Nadeschda Tolokonnikowa am Montag vor Journalisten in Berlin. Aber sie könnten sich vorstellen, bei der nächsten Bürgermeisterwahl in Moskau anzutreten, fügte sie hinzu. „Das ist einen Versuch wert“, sagte Maria Aljochina (25) am Montag in Berlin beim ersten Deutschland-Auftritt der beiden Aktivistinnen, nachdem sie kurz vor Weihnachten nach 20 Monaten Haft freigekommen waren. Bei der Pressekonferenz kritisierten beide Frauen die Zustände in russischen Gefängnissen. Abends wollen sie bei der Filmgala „Cinema for Peace“ auftreten. Dort war die Dokumentation „Pussy Riot – A Punk Prayer“ für einen Preis nominiert.

Die Aktivistinnen berichteten über ihre Organisation Zona Priva, mit der sie sich für die Verbesserung der Haftbedingungen in russischen Gefängnissen einsetzen wollen. Sie forderten, russische Gefängnisse unter internationale Beobachtung zu stellen. Die Misshandlung von Gefangenen müsse unter Strafe gestellt werden, forderte Tolokonnikowa.

Aufführung geplatzt: Moskauer Kulturdezernent verbietet Pussy-Riot-Film

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Seit wenigen Tagen sind die Pussy-Riot-Aktivistinnen frei. Doch mehr Toleranz ihnen gegenüber zeigt Russland nicht: In Moskau wurde nun die Aufführung einer Dokumentation über die regierungskritischen Frauen verboten.

Angaben über eine Trennung von Pussy Riot dementierten sie. „Wir haben nie Pussy Riot verlassen“, sagte Tolokonnikowa. Allerdings könnten sie nun keine Aktionen für die Gruppe mehr machen, denn diese fänden stets anonym statt. „Menschen mit offenen Gesichtern können nicht sagen, dass sie zu Pussy Riot gehören“, sagte Alechina. „Unsere Gesichter sind jetzt offen.“

Über angebliche Pussy-Riot-Mitglieder, denen zufolge die beiden Aktivistinnen nicht mehr zu der Punkband gehören, sagte Tolokonnikowa, sie wisse nicht, wer dies sei. Grundsätzlich könne jeder zu Pussy Riot gehören. Zu den Bandkolleginnen, die vor ihrer Festnahme Mitglieder von Pussy Riot waren, hätten sie weiterhin Kontakt.

Tolokonnikowa, Alechina und ihre Bandkollegin Jekaterina Samuzewitsch hatten im Februar 2012 an einem „Punkgebet“ in einer Moskauer Kirche teilgenommen, das sich gegen den heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putin richtete. Sie wurden darauf wegen „Rowdytums“ zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Samuzewitsch kam später auf Bewährung frei, Tolokonnikowa und Alechina profitierten im Dezember von einer Amnestie.

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