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15.10.2013

12:23 Uhr

Russische Experten

Polonium-Vergiftung Arafats ausgeschlossen

Der Verdacht auf eine Vergiftung des 2004 gestorbenen Palästinenser-Führers Arafat mit Polonium lässt sich nicht halten. Das sagen russische Fachleute. Ein Artikel in einem Fachmagazin sorgt allerdings für Verwirrung.

Jassir Arafats Ehefrau Suha (rechts) und die gemeinsame Tochter Zahwa. AFP

Jassir Arafats Ehefrau Suha (rechts) und die gemeinsame Tochter Zahwa.

Moskau/Tel AvivRussische Experten haben keine Spuren des radioaktiven Gifts Polonium 210 im Leichnam des 2004 gestorbenen Palästinenserführers Jassir Arafat gefunden. „Er kann nicht mit Polonium vergiftet worden sein“, sagte Wladimir Ujba, der Chef der staatlichen biologisch-medizinischen Agentur, am Dienstag in Moskau. Arafat war am 27. November 2012 in Ramallah exhumiert worden. Die Palästinenser hatten behauptet, dass Israel ihren Präsidenten vergiftet hat.

Außer russischen Experten hatten auch je ein Team aus der Schweiz und aus Frankreich bei der Öffnung von Arafats Grab Gewebeproben für eine Untersuchung entnommen. Deren Ergebnisse wurden jedoch noch nicht veröffentlicht.

„Die für die Studien verantwortlichen russischen Experten haben keine Spuren dieser Substanz entdeckt“, fügte Ujba hinzu. Die Spezialisten hätten eine genaue Expertise angefertigt und zudem regelmäßig das Außenministerium in Moskau über ihre Erkenntnisse informiert. Zur Frage, warum das Ergebnis soviel später als ursprünglich angekündigt veröffentlicht wurde, gab es keine Auskunft. Im vergangenen November war von drei bis vier Monaten die Rede gewesen.

Der Verdacht, Arafat könnte mit Polonium vergiftet worden sein, war durch Untersuchungen von einigen seiner persönlichen Gegenstände durch das Instituts für Radiophysik des Universitätsklinikums in Lausanne (CHUV) im Juli 2012 aufgekommen. Experten des CHUV hatten dabei unter anderem Unterwäsche und eine Mütze untersucht, die Arafat kurz vor seinem Tod getragen haben soll. Daran hatten sie erhöhte Werte von Polonium 210 festgestellt. Auch an Arafats Zahnbürste sowie an den Haaren waren Spuren des radioaktiven Isotops gefunden worden.

Allerdings hatten die Wissenschaftler auch darauf hingewiesen, dass diese vorläufigen Ergebnisse keine Beweise für eine Vergiftung Arafats seien. Seine Witwe Suha reichte Ende Juli 2012 wegen der Hinweise aus Lausanne in Frankreich Klage ein wegen des Verdachts auf Vergiftung.

Das Wissenschaftsmagazin „The Lancet“ sorgte mit einem am Samstag veröffentlichten Artikel für Aufsehen. Demnach hätten Schweizer Wissenschaftler an Hand der 2012 an Arafats persönlichen Gegenständen gefundenen Polonium-Mengen berechnet, dass der Palästinenserführer acht Jahre zuvor mehrere tödlich wirkende Mengen von Polonium erhalten haben könnte. Dies seien allerdings nur wissenschaftliche Schlussfolgerungen ohne konkrete Beweise einer Vergiftung.

Von

dpa

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