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22.09.2015

17:03 Uhr

Russische Kampfflugzeuge für Syrien

Assads Truppen fliegen mit Putins Jets

Die Terrormiliz IS kommt von mehreren Seiten unter Feuer. Der Westen verfolgt das ausgeweitete Militär-Engagement Russlands in Syrien allerdings mit Sorge. Nun bestätigte Damaskus eine neue russische Waffenlieferung.

Russland gilt neben dem Iran als der engste Verbündete Assads und unterstützt dessen Regime trotz westlicher Kritik seit Jahren mit Waffen. ap

Syrische Frau küsst Putin-Plakat

Russland gilt neben dem Iran als der engste Verbündete Assads und unterstützt dessen Regime trotz westlicher Kritik seit Jahren mit Waffen.

DamaskusDie syrische Luftwaffe benutzt nach Angaben eines Militärsprechers neugelieferte russische Kampfflugzeuge in dem Bürgerkriegsland. Mehrere russische Jets seien vor mehr als zehn Tagen eingetroffen und erstmals vergangene Woche bei der Bombardierung der nordsyrischen Stadt Al-Rakka, der Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), eingesetzt worden, sagte der Militär-Angehörige am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Des Weiteren seien dem Regime auch andere schwere Waffen übergeben worden. Zudem bestätigte ein syrischer General im Ruhestand den Erhalt neuer Kampfflugzeuge aus Moskau.

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass die Luftwaffe des Regimes von Machthaber Baschar Al-Assad neue russische Maschinen zur Bombardierung des IS eingesetzt habe. So seien mit diesen auch Luftangriffe auf Stellungen der Extremisten in der historische Oasenstadt Palmyra geflogen worden. Erst am Montag und Dienstag waren dort mindestens 38 Dschihadisten durch Luftschläge ums Leben gekommen.

Russland gilt neben dem Iran als der engste Verbündete Assads und unterstützt dessen Regime trotz westlicher Kritik seit Jahren mit Waffen. Der Westen, allen voran die USA, hatte in den vergangenen Wochen Sorge über ein größeres Militär-Engagement Russlands in Syrien geäußert.

Die syrischen Flüchtlinge und die Nachbarstaaten

Fast vier Millionen Flüchtlinge

Der syrische Bürgerkrieg hat sich zu einer humanitären Katastrophe entwickelt. Mehr als 3,8 Millionen Syrer sind ins Ausland geflohen, seit vor vier Jahren der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad begann. Die meisten von ihnen sind in den Nachbarländern untergekommen und haben diese damit vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt. Viele von ihnen sind nirgendwo registriert. Hier ein Überblick über die Situation. (Quelle: AP)

Libanon

1,2 Millionen Flüchtlinge sind registriert. In den oft spontan errichteten Notunterkünften werden jedoch noch zahlreiche weitere Vertriebene vermutet. Mit einer ursprünglichen Einwohnerzahl von 4,5 Millionen ist der Libanon damit nach Angaben der Vereinten Nationen das Land mit der höchsten Flüchtlingsquote der Welt. Die Regierung in Beirut hat aus Furcht um die innere Stabilität des Landes eine Reihe von Beschränkungen für Syrer verhängt. Eine der wichtigsten ist die Visumpflicht.

Jordanien

Nach offiziellen Angaben sind 625 000 Syrer nach Jordanien geflohen. Viele Flüchtlingslager stehen direkt an der Grenze zu Syrien, andere in der Nähe von Großstädten. Im größten Lager, Sataari, leben etwa 84 000 Flüchtlinge unter direkter Verwaltung der Regierung und der Vereinten Nationen.

Türkei

Der nördliche Nachbar Syriens hat 1,6 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge registriert. Die Regierung hat 21 Flüchtlingslager errichtet, zu denen auch Schulen und medizinische Einrichtungen gehören.

Irak

Der Irak wird selbst von einem Bürgerkrieg erschüttert. Trotzdem hat er 245 000 Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten von ihnen sind Kurden, die in die von ihren Stammesverwandten bewohnten Gegenden im Nordirak gezogen sind. Zehntausende hausen in Zeltstädten oder eilig aus dem Boden gestampften Baracken. Die Regierung der weitgehend autonomen Kurdenregion im Irak erlaubt den Flüchtlingen eine große Freizügigkeit. Einige haben Arbeit und Wohnungen in Städten gefunden.

Ägypten

Die Regierung in Kairo geht nach eigenen Angaben von 136 000 Bürgerkriegsflüchtlingen aus. Doch selbst Beamte schätzen, dass hunderttausende Syrer im Land leben, die nicht registriert sind.

Moskau hatte zu eigenen Kampfflugzeugen oder anderen Waffen für einen russischen Einsatz in Syrien bislang keinerlei Stellungnahme abgegeben. Offiziell gibt es auch keine russischen Soldaten in Syrien, sondern nur sogenannte Militärberater. Berichte über den Ausbau eines Flughafens im Westen Syriens für militärische Zwecke hatte Moskau kürzlich zurückgewiesen.

Unter westlichen Diplomaten besteht wenig Zweifel an der verstärkten militärischen Hilfe Russlands, die darauf ziele, Assad und seiner vom mehr als vierjährigen Bürgerkrieg ausgelaugten Armee den Rücken zu stärken. Russland spricht sich für eine Lösung des Konflikts unter Einbeziehung des syrischen Präsidenten aus. Westliche Staaten haben dies wiederholt abgelehnt.

In Moskau begrüßte der iranische Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian am Dienstag dagegen den russischen Vorschlag einer internationalen Koalition gegen den IS. Sein Land sei zu gemeinsamen Aktionen bereit. „Welcher Schritt auch unternommen wird - Assad wird Teil der Krisenbewältigung sein“, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Die britische Regierung zeigte sich am Dienstag besorgt. Dass Moskau Schiffe und Flugzeuge in die Region liefere, „macht eine enorm komplizierte Situation noch komplizierter“, sagte Verteidigungsminister Michael Fallon in London. Die britische Regierung beteiligt sich bisher an Luftschlägen gegen den IS im Irak, will die Angriffe aber auf Syrien ausweiten. Dort bombardiert eine US-geführte Militärkoalition Stellungen des IS.

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dpa

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