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02.09.2014

16:28 Uhr

Russische Sanktionen

Restaurantkette Rosinter muss Läden schließen

Das Einfuhrverbot für Lebensmittel aus Europa bringt die russische Restaurantkette Rosinter ins Straucheln. Lieferengpässe und Schließungen. Rosinter ist einziger Fremd-Betreiber von McDonald's-Filialen in Russland.

Die Kette Rosinter ist einziger Fremd-Betreiber von McDonald's-Schnellrestaurants in Russland. Behörden hatten zuletzt mehrere Filialen des Fastfood-Riesen geschlossen. dpa

Die Kette Rosinter ist einziger Fremd-Betreiber von McDonald's-Schnellrestaurants in Russland. Behörden hatten zuletzt mehrere Filialen des Fastfood-Riesen geschlossen.

MoskauDas Einfuhrverbot für Lebensmittel aus Europa und den USA trifft die russische Restaurantkette Rosinter ins Mark. Die 323 Läden im Land könnten derzeit nicht mehr ausreichend beliefert werden, einige Lokale müssten schließen, sagte Firmen-Gründer Rostislaw Ordowski-Tanaewski Blanco der Nachrichtenagentur Reuters.

Durch das Einfuhrverbot muss die Kette für rund ein Drittel der Produkte Ersatz finden, die in den Küchen benutzt werden. Seit dem 7. August hat Russland als Reaktion auf westliche Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts Importe von Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Obst und Gemüse aus den USA, der EU, Kanada, Australien und Norwegen verboten.

Rosinter ist auch einziger Fremd-Betreiber von McDonald's-Schnellrestaurants in Russland.

„Die Logistik wurde durch das Einfuhrverbot komplett zerstört“, sagte der Rosinter-Manager. Es werde mindestens drei Monate dauern, bis klar sei, auf welche Struktur in der Zukunft gesetzt werden könne.

Wen die Russland-Sanktionen treffen

Ukraine

Das politisch wie wirtschaftlich größte Problem bei Russland-Sanktionen ist, dass auch die Ukraine unter den Folgen leiden wird. In einer Umfragen des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft nannten im Juni 21 Prozent der befragten Unternehmen die Ukraine als das Land, das nach Russland (37 Prozent) und Deutschland (33 Prozent) am stärksten unter Sanktionen zu leiden haben wird. Der Grund ist zum einen die enge wirtschaftliche Verflechtung der ehemaligen Sowjetrepublik mit Russland, die jeden Konjunktureinbruch dort auch für das Nachbarland zum Problem macht. Zum anderen bestraft Russland den Westkurs der Ukraine wie auch den Moldawiens mit Gegensanktionen wie einem Embargo gegen Milch und Fleisch. Bei einer Eskalation könnte auch der Gashahn zugedreht werden.

Balkan

„Auch die ganze Balkan-Region wird unter einem neuen Wirtschaftskrieg leiden“, meint der Balkan-Experte Duan Reljic von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Verantwortlich macht er hierfür die traditionell engen Beziehungen von Ländern wie Serbien mit Russland, vor allem aber das starke Interesse der ganzen Region an russischem Gas. Interessiert ist man auch am Bau der von Russland vorangetriebenen South-Stream-Pipeline durch die Region, die die EU-Kommission nun im Zuge der Abkühlung der EU-Russland-Beziehungen rechtlich überprüfen lässt. „Fast jedes Land der Region hat sich Hoffnung auf einen dreistelligen Millionenbetrag an Durchleitungsgebühren pro Jahr gemacht - die drohen nun wegzufallen“, meint Reljic. Finanzexperten weisen zudem darauf hin, dass öffentliche EU-Banken auch mit Töchtern russischer Institute in der Region keine Geschäfte mehr machen können, wenn deren Chefs auf einer Sanktionsliste der USA und der EU stehen - die ständig ausgeweitet werden.

EU-Mitglieder Bulgarien und Zypern

Innerhalb der EU gelten die Länder als anfällig, die teilweise zu 100 Prozent von russischem Gas abhängig sind und einen Lieferboykott befürchten müssen. Besonders betroffen sind zudem die stark nach Russland ausgerichteten EU-Staaten Zypern und Bulgarien. Am Finanzplatz Zypern etwa ist so viel russisches Geld angelegt, dass der Inselstaat von einem Abzug des Kapitals in Folge von EU-Finanzsanktionen stark getroffen werden könnte.

Zentralasien

Mit sehr gemischten Gefühlen schauen die Länder in Zentralasien auf die Entwicklung in der Ukraine. „Die kasachischen Banken würden wegen der engen Beziehungen sofort in Schieflage geraten, wenn ihre russischen Partner wackeln“, meint Beate Eschment, Redakteurin bei den Zentralasien-Analysen in Berlin. „In der Hauptstadt Astana ist man derzeit zudem ausgesprochen nervös, weil die Ukraine zeigt, was passieren kann, wenn man sich russischen Wünschen widersetzt.“ Eschment verweist darauf, dass auch im Norden der öl- und gasreichen ehemaligen sowjetischen Republik viele Russen leben und Russland nach wie vor Militärbasen in dem Land unterhält. Seit 2010 ist Kasachstan Mitglied in der Zollunion mit Russland. Anfang 2015 soll das bereits unterzeichnete Abkommen für eine eurasische Union in Kraft treten, das beide Länder noch enger aneinander schweißt - für gute wie schlechte Zeiten.

Allerdings hält man in der deutschen Wirtschaft durchaus auch einen umgekehrten Effekt für möglich: Als Mitglied der Zollunion könnte das Land sogar von harten Sanktionen gegen Russland profitieren - weil dann Geschäfte für den russischen Markt über Kasachstan abgewickelt werden müssten.

Afghanistan

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte am Wochenende drohend, die EU demonstriere mit Sanktionen, dass sie offenbar kein Interesse mehr an einer Sicherheitspartnerschaft mit Russland habe. Diese beinhaltet aber etwa die Versorgung der Nato-Soldaten in Afghanistan über den russischen Luftraum und die russische Eisenbahn. Auch der geplante schrittweise Abzug der Truppen läuft über Russland und nicht das wesentlich gefährlichere Pakistan. Das könnte sich ändern - mit unklaren Auswirkungen auf das ohnehin instabile Krisenland Afghanistan.

China

China, darin sind sich alle Experten einig, gehört dagegen zu den Gewinnern einer Eskalation zwischen dem Westen und Russland. Die deutsche Industrie warnt, dass ihnen nun chinesische Konkurrenten in Russland die Aufträge wegschnappen. Und Russlands mühsame Suche nach neuen Partnern beschert China günstige Preise für die kommenden Gaslieferungen vom Nachbarn. „China profitiert von der Isolation Russlands und kann gegen ein geschwächtes Russland die eigenen Interessen besser durchsetzen“, meint der China-Experte des Mercators Institutes for China Studies (Merics), Moritz Rudolph.

Ob es auf lange Sicht überhaupt weitergehe, stehe in den Sternen. „Wenn eine Krise politisch begründet ist, gibt es Konfrontation. Dann fängt man an, sich über die Zukunft Sorgen zu machen.“

Zu den bekanntesten Marken von Rosinter in Russland gehören „Planet Sushi“ und „Il Patio“ mit italienischen Speisen. Die Firma betreibt insgesamt 369 Restaurants in mehreren Ländern, darunter auch Weißrussland und Kasachstan.

2013 setzte sie etwa 200 Millionen Euro um und schrieb bereits vor den Sanktionen Verluste – auch wegen des Stillstands der russischen Wirtschaft.

Mit Blick auf das Vorgehen russischer Behörden gegen McDonald's-Restaurants im Land sagte Ordowski-Tanaewski Blanco, er hoffe, dass die von Rosinter betriebenen Schnellrestaurants der US-Marke verschont blieben. Die Behörden hatten zuletzt die Schließung mehrerer McDonald's-Filialen veranlasst und das mit Verstößen gegen Hygienevorschriften begründet.

Allerdings finden die Kontrollen vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts statt. McDonald's betreibt in Russland 400 Restaurants in Eigenregie und hat Lizenzen einzig an Rosinter vergeben, die vor allem an Bahnstationen und Flughäfen Schnellrestaurants der Kette betreibt.

Von

rtr

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