Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2017

14:35 Uhr

Russischer Abzug aus Syrien beginnt

Die „Admiral Kusnetzow“ geht zuerst

Russland hat mit der Reduzierung seiner Truppen in Syrien begonnen. Das teilte das Verteidigungsministerium mit. Als erstes sollen der Flugzeugträger „Admiral Kusnetzow“ und mehrere Begleitschiffe die Region verlassen.

Der Abzug des russischen Militärs aus Syrien nimmt seinen Anfang. dpa

Russlands Flugzeugträger „Admiral Kusnetzow“

Der Abzug des russischen Militärs aus Syrien nimmt seinen Anfang.

MoskauNach der Eroberung der Großstadt Aleppo durch die syrische Armee zieht Russland seine ersten Truppen aus dem Bürgerkriegsland ab. Oberbefehlshaber Wladimir Putin habe entschieden, die Streitkräfte in Syrien zu reduzieren, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag mit. Zunächst sollten demnach der Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“, der Raketenkreuzer „Peter der Große“ sowie mehrere Begleitschiffe die Region verlassen.

Unklar war zunächst, wie groß die Truppenreduzierung insgesamt ausfällt. Der Schritt kommt nicht überraschend. Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte Präsident Putin bereits Ende Dezember vorgeschlagen, dass angesichts der jüngsten Waffenruhe in Syrien russische Einheiten abgezogen werden könnten.

Russland unterstützt die syrischen Streitkräfte seit September 2015 vor allem mit Luftangriffen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), aber auch gegen moderatere Gegner der Regierung. Moskau weist Vorwürfe zurück, dass dabei auch Zivilisten getötet wurden.

Die „Admiral Kusnezow“, Russlands einziger Flugzeugträger, hatte Moskau erst im November 2016 zur Unterstützung ins Mittelmeer verlegt. Russische Experten kritisieren, das Schiff sei vor allem zu Trainingszwecken ins Mittelmeer beordert worden und um den Status der Streitkräfte aufzupolieren. Während der zwei Monate waren zwei russische Kampfflugzeuge ins Meer gestürzt.

Die Aufgaben der Marine-Verbände seien erfüllt, sagte der russische Generaloberst Andrej Kartapolow. Die Schiffe sollen innerhalb der kommenden zehn Tage den Hafen von Seweromorsk bei Murmansk im Norden Russlands ansteuern. Sie blieben aber in Bereitschaft, um bei Bedarf wieder in den Konflikt einzugreifen. Putin hatte im Frühjahr 2016 schon einmal einen Teilabzug der Streitkräfte aus Syrien angeordnet, die Kampfeinsätze gingen aber weiter.

Russland gehört neben dem Iran zu den wichtigsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Mit russischer Unterstützung gelang es der syrischen Armee Ende Dezember, nach langen Kämpfen die strategisch wichtige Stadt Aleppo im Norden des Landes komplett unter Kontrolle zu bringen. Für Assad und seine Anhänger war das einer der wichtigsten Erfolge seit Ausbruch des Konflikts im März 2011.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow meinte, mit der „Befreiung“ Aleppos sei eine wichtige Basis für eine politische Lösung des Konflikts gelegt. Ob es zu einer raschen Verbesserung der Lage kommt, ist jedoch völlig offen. Für Januar von Russland und der Türkei ins Spiel gebrachte Gespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana sind noch nicht bestätigt.

Der syrische Generalstabschef Ali Abdullah Ajub bekräftigte die Bedeutung der russischen Unterstützung für die syrische Armee im „Krieg gegen den Terror“. Die festen Beziehungen zwischen Damaskus und Moskau seien auf Freundschaft, Kooperation und der Verteidigung moralischer Werte aufgebaut, sagte er.

Seit einer Woche gilt in Syrien eine landesweite Waffenruhe. Nach Angaben von Aktivisten kommt es aber in einigen Gebieten immer wieder zu Gewalt. Syriens Luftwaffe flog in den vergangenen Tagen unter anderem Angriffe auf das von Rebellen gehaltene Tal Wadi Barada. Es ist strategisch wichtig, weil von hier aus Millionen Menschen in der Hauptstadt Damaskus mit Wasser versorgt werden.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×