Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.08.2014

15:06 Uhr

Russischer Konvoi

Hilfe oder Invasion?

Russland hat einen Hilfskonvoi für die Ostukraine auf den Weg geschickt. Die Regierung in Kiew will ihn nicht ins Land lassen. Auch im Westen befürchten Politiker, der Konvoi diene nur der Tarnung – für eine Invasion.

Trotz Einreiseverbot

280 russische Lkw Richtung Ukraine gestartet

Trotz Einreiseverbot: 280 russische Lkw Richtung Ukraine gestartet

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

MoskauRussland hat einen Konvoi mit Hilfsgütern in Richtung Ukraine geschickt. Die Regierung in Kiew will die russischen Lastwagen aber auf keinen Fall über die Grenze lassen. Die Lage droht zu eskalieren. Im Westen wächst die Sorge, dass Russland einen Eimarsch in das Nachbarland vorbereiten könnte.

In Alabino bei Moskau setzten sich am Dienstag 280 Lastwagen mit Hilfsgütern Richtung Ukraine in Bewegung. Die russische Nachrichtenagentur Itar Tass meldete, der Transport werde zwei bis drei Tage brauchen, um das Nachbarland zu erreichen. Bis zur ukrainischen Grenze sind es rund 1000 Kilometer. Die etwa 2000 Tonnen Hilfsgüter waren nach russischen Medienberichten von Einwohnern Moskaus und Umgebung gesammelt worden.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, sagte, die Lastwagen seien „ohne militärische Eskorte“ unterwegs. Rund um den Konvoi waren keine Militärfahrzeuge zu sehen, lediglich weiße Lastwagen ohne Nummernschilder und zum Teil mit roten Kreuzen versehen.

Die Regierung in Kiew erklärte, die Lastwagen dürften keinesfalls auf ukrainisches Territorium gelangen. Kein Konvoi, der von Angehörigen des russischen Militärs oder Katastrophenschutzministeriums begleitet werde, dürfe auf ukrainisches Hoheitsgebiet fahren, sagte Waleri Tschali, ein enger Vertrauter von Präsident Petro Poroschenko. „Alles wird unter der Kontrolle der ukrainischen Seite stehen.“

Die ukrainische Führung fürchtet, Russland könnte unter dem Deckmantel eines Hilfskonvois Soldaten in die Ostukraine einmarschieren lassen. Nach westlichen und ukrainischen Angaben sollen 45.000 russische Soldaten an der Grenze zusammengezogen worden sein.

Die Nato stufte die Wahrscheinlichkeit einer russischen Invasion als sehr hoch ein. Es gebe weiter keine Anzeichen dafür, dass Russland die Truppenstärke an der Grenze verringere, hatte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Montag gesagt.

„Wir müssen außerordentlich vorsichtig sein“, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius im Hörfunksender France Info. Es könne sein, dass sich auf diesem Wege Russen in der Nähe der Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk in Stellung brächten und den Westen vor vollendete Tatsachen stellten. Der Hilfskonvoi sei nur möglich, wenn das Rote Kreuz ihn genehmige.

Kommentare (57)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr peter Spirat

12.08.2014, 14:23 Uhr

Da sich der DAX seinem oberen Wendepunkt bei ca. 9400 wieder nähert, kann man fest davon überzeugt sein, dass der Russe endlich dafür sorgtr, dass das Morden seiner Landsleute ein Ende hat.

Mal sehen, wie viele desmotivierte und resignierte ukrainischen Soldaten dann überlaufen. Sie werden von der Kalashnikow-Ludmilla und den amerikanischen Söldner angetrieben, ihre russischen Brüder zu ermorden. Aber wie lange lassen sie sich das nocht gefallen.

Vietnam läßt grüßen.

Ich würde es begrüßen, wenn Putin endlich dafür sorgt, dass der Kriegstreiber endlich wieder auf seinen Kontinent getrieben wird. Und wir hier endlich den Dollar als Leitwährung aufgeben würden.


... bürste

12.08.2014, 14:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

... bürste

12.08.2014, 14:54 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×