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15.09.2011

19:33 Uhr

Russischer Milliardär

Prochorow gibt überraschend Parteivorsitz ab

Der russische Milliardär gibt überraschend Parteivorsitz der liberal-konservativen Gerechte Sache auf. Er wirft Kreml-Berater Surkow Einmischung vor - und kündigt die Bildung einer neuen Bewegung an.

Michail Prochorow wirft Kreml-Berater Surkow Einmischung vor. dpa-tmn

Michail Prochorow wirft Kreml-Berater Surkow Einmischung vor.

MoskauDer russische Milliardär Michail Prochorow ist überraschend vom Vorsitz der liberal-konservativen Partei Gerechte Sache zurückgetreten. Prochorow gab am Donnerstag auf einem Parteikongress in Moskau seinen Rückzug bekannt, nachdem seine parteiinternen Gegner eine Abstimmung über seinen Verbleib an der Parteispitze angesetzt hatten. „Ich rufe meine Anhänger auf, diese Marionetten-Partei zu verlassen“, sagte Prochorow vor der Presse mit Blick auf eine mögliche Steuerung aus dem Kreml und kündigte die Bildung einer neuen Bewegung an.
Der Geschäftsmann, der laut Forbes mit einem Vermögen von 18 Milliarden Dollar (etwa 13 Milliarden Euro) der drittreichste Mann Russlands ist, griff auf dem Parteikongress den stellvertretenden Verwaltungschef von Präsident Dmitri Medwedew, Wladislaw Surkow, scharf an. „Das ist ein Marionettenspieler, der seit langem das politische System privatisiert hat, die Medien unter Druck setzt und die Führung des Landes auf Abwege führt“,
sagte Prochorow, nachdem es innerhalb der Partei zu einer Spaltung gekommen war. „Ich werde alles tun, um seine Entlassung zu erreichen“, sagte Prochorow.
Surkow steht dem früheren Präsidenten und heutigen Regierungschef Wladimir Putin nahe und gilt als eine der einflussreichsten Figuren des Kreml. Er ist auch verantwortlich für die Parlamentswahlen am 4. Dezember. Prochorow, der Ende Juni mit großer Mehrheit zum Vorsitzenden von Gerechte Sache gewählt worden war, hatte bei den Wahlen eigentlich Putins Regierungspartei Einiges Russland herausfordern wollen.
Die liberal-konservative Gerechte Sache galt lange als Marionette des Kreml. Auch als Prochorow im Juni überraschend die Parteiführung übernommen hatte, wurde spekuliert, dass er sich dafür die Billigung des Kreml geholt hatte. Am Donnerstag gab er sich jedoch kämpferisch. „Ich habe keine Angst, ich halte mich an die russischen Gesetze und sehe nichts, was mich bedrohen könnte“, sagte Prochorow. Sollte er tatsächlich eine neue Partei gründen, kann diese aber nicht bereits bei den nächsten Wahlen antreten, wie die Wahlkommission mitteilte.

Von

afp

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