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11.12.2011

19:34 Uhr

Russischer Präsident

Medwedew lässt Parlamentswahl untersuchen

Russlands Präsident Medwedew wendet sich per Facebook an sein Volk: Er werde die Vorwürfe zum Wahlbetrug untersuchen lassen, teile aber die die Meinung der Demonstranten nicht. Sofort hagelte es wütende Kommentare.

Zehntausende Menschen protestierten in Russland gegen die mutmaßlich getürkten Parlamentswahlen. dapd

Zehntausende Menschen protestierten in Russland gegen die mutmaßlich getürkten Parlamentswahlen.

MoskauRusslands Präsident Dmitri Medwedew hat die Regierung damit beauftragt, die Betrugsvorwürfe bei der Parlamentswahl zu untersuchen. Er reagiert damit auf die größte Anti-Regierungs-Demonstration in Russland seit Ende der Sowjetunion. Am Sonntag teilte Medwedew über das soziale Onlinenetzwerk Facebook mit, er habe die Regierung angeordnet, allen Berichten über mutmaßliche Wahlmanipulation nachzugehen, fügte jedoch an: „Ich stimme mit den Parolen und Aussagen der Kundgebungen nicht überein.“ Innerhalb von nur einer Stunde handelte sich der Präsident mit seiner Ankündigung mehr als 2.200 wütende Kommentare ein.

So reagierten zahlreiche Internetnutzer mit Antworten wie „Schande!“ oder „Wir glauben dir nicht“. Andere Facebook-Aktivisten fragten den Präsidenten zynisch, ob er denn tatsächlich gegen die wesentliche Forderung der Demonstranten sei - also gegen den Slogan „Wir sind für faire Wahlen“. Einige schrieben, die jüngste Nachricht Medwedews habe sie noch in ihrer Entschlossenheit bestärkt, an einer weiteren, für den 24. Dezember geplanten Demonstration teilzunehmen.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew machte sich mit seiner Ankündigung über Facebook nicht unbedingt viele Freunde. dapd

Russlands Präsident Dmitri Medwedew machte sich mit seiner Ankündigung über Facebook nicht unbedingt viele Freunde.

Am Samstag hatten zehntausende Menschen gegen den mutmaßlichen Betrug protestiert. Während die Polizei die Teilnehmerzahl der Großkundgebung in Moskau auf rund 30.000 schätzte, ließen Bilder aus der Luft eine weit höhere Zahl vermuten: Die Veranstalter sprachen teilweise von mehr als 100.000. Die Polizei hielt sich weitgehend zurück, landesweit kam es zu rund 100 Festnahmen. Im staatlichen Fernsehen erhielten die Proteste überraschend viel Sendezeit.

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