Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.06.2013

20:06 Uhr

Russland

Adoptionsverbot für gleichgeschlechtliche Paare

Homosexuelle Paare aus dem Ausland dürfen russische Kinder nur unter strengen Auflagen adoptieren. Ein entsprechendes Gesetz hat die Duma beschlossen. Deutsche Politiker zeigten sich besorgt über diese Entwicklung.

Die Duma hat ein Gesetz erlassen, wonach ausländische homosexuelle Paare russische Kinder nur unter strengen Auflagen adoptieren dürfen. Reuters

Die Duma hat ein Gesetz erlassen, wonach ausländische homosexuelle Paare russische Kinder nur unter strengen Auflagen adoptieren dürfen.

BerlinDas russische Unterhaus hat ein Gesetz beschlossen, wonach die Adoption russischer Kinder in Ländern mit legaler Homo-Ehe nur unter strengen Auflagen möglich ist. 444 Abgeordnete stimmten in der dritten und letzten Lesung am Freitag in der Moskauer Duma für den von Menschenrechtsorganisationen kritisierten Gesetzestext. Es gab keine Gegenstimme.

Das Gesetz muss nun noch vom Oberhaus verabschiedet werden, bevor es wie angekündigt von Präsident Wladimir Putin unterzeichnet wird. Nach der Regelung ist nicht nur gleichgeschlechtlichen Ehepaaren aus derzeit 14 Staaten die Adoption russischer Waisenkinder untersagt, sondern auch unverheirateten Bürgern aus diesen Ländern. Als 14. Staat weltweit legalisierte Frankreich Mitte Mai die gleichgeschlechtliche Ehe. Heterosexuelle Ehepaare dürfen wie bisher russische Waisenkinder adoptieren.

Die Menschenrechtsaktivistin und ehemalige sowjetische Dissidentin Ljudmila Alexejewa, nannte die Verabschiedung des Gesetzes eine „große Schande“. Die Duma sei dabei, „alles Mögliche zu verbieten und nichts zu erlauben“. Sie bringe die Bürger, „einschließlich die unglücklichen Waisenkinder“, um viele Rechte.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich während eines Besuchs im litauischen Kaunas besorgt über die derzeitige Entwicklung in Russland. Diskriminierungen sexueller Minderheiten seien unannehmbar, sagte er.

Protest: Duma verhängt Adoptionsverbot für US-Familien

Protest

Duma verhängt Adoptionsverbot für US-Familien

Russland will US-Familien ab 2013 die Adoption von russischen Kindern verbieten.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), erklärte, das neue russische Adoptionsrecht bestrafe vor allem Waisenkinder. Hunderttausende von ihnen lebten unter zum Teil sehr schlimmen Bedingungen in Kinderheimen. Für viele dieser Kinder sei die Adoption der Weg in ein menschenwürdiges Leben. Mit dem neuen Gesetz würden viele Adoptionen verhindert.

Nach der russischen Oktoberrevolution von 1917 wurden alle diskriminierenden Gesetze gegen Homosexualität aufgehoben. Erst ab 1933 unter Stalin wurde Homosexualität bestraft. Die Strafbarkeit wurde erst 1993 aufgehoben, und erst seit 1999 gilt Homosexualität offiziell nicht mehr als psychische Störung. Dennoch ist Homophobie weit verbreitet und salonfähig. In der vergangenen Woche verabschiedete das Parlament in Moskau ein Gesetz, das positive Äußerungen über „nicht traditionelle sexuelle Beziehungen“ in Anwesenheit von Minderjährigen unter Strafe stellt.

Seit einigen Monaten ist in Russland eine Kampagne zur Verteidigung „traditioneller Werte“ im Gange. Nach Meinung von Beobachtern steht dahinter die Absicht, die Putin-Anhänger fester hinter dem „starken Mann“ an der Spitze des Landes zusammenzuschließen und Russland gegen „verderbliche westliche Einflüsse“ zu schützen.

Im vergangenen Jahr hatte Moskau ein Gesetz erlassen, mit dem US-Bürgern die Adoption russischer Kinder untersagt wurde. Moskau reagierte damit auf Sanktionen der USA gegen russische Beamte, die am Tod des inhaftierten Anwalts Sergej Magnizki im Jahr 2009 beteiligt gewesen sein sollen.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×