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11.08.2015

15:33 Uhr

Russland auf dem Balkan

„Putin ist unser Gott“

VonStefan Kreitewolf

In Sarajevo trägt die Jugend Putin-Shirts. In Belgrad preisen Plakate den „großen Bruder Russland“: Auf dem Balkan ist Russland noch immer eine Weltmacht. Aus einem einfachen Grund.

In Bosnien-Herzegowina ist der Kreml-Chef für viele ein Vorbild – und die einzige Hoffnung für den Balkan. dpa

Wladimir Putin

In Bosnien-Herzegowina ist der Kreml-Chef für viele ein Vorbild – und die einzige Hoffnung für den Balkan.

Belgrad/SarajevoLinks werben Großbildschirme für Flachbildfernseher, rechts zerfällt ein Haus. In den Wänden: Einschusslöcher aus dem Balkankrieg der Neunzigerjahre. Auf der Straße: Tiefe Pfützen und Schlaglöcher, Schlaglöcher und tiefe Pfützen. An einer Straßenecke im Zentrum der Hauptstadt Sarajewo wartet Darijo Marakovic auf den Bus.

„Pfffffft.“ Wer den 23-Jährigen nach Europa fragt, erntet einen abfälligen Prustlaut, Kopfschütteln und: Schweigen. Der junge Mann aus Sarajewo studiert Politikwissenschaften. Sein Haar trägt er lang, seine Hosen haben Löcher an den Knien. Der lange Bart erinnert mehr an Salafisten als an Berliner Hipster. Auf Darijos T-Shirt prangt das Konterfei eines mächtigen Mannes: Wladimir Wladimirowitsch Putin. „Ich mag Wladimir“, sagt Darijo freundschaftlich.

Die Balkan-Länder und ihre Beziehungen zu Russland

Serbien

Im Mai 2014 waren Serbien und Russland eine „strategische Partnerschaft“ eingegangen. Außerdem unterzeichneten beide Länder einen auf 15 Jahre veranschlagten Vertrag über den Austausch von Aufklärungsinformationen und gemeinsame militärische Übungen. Überdies arbeiten 2.000 Uniformierten beider Seiten in einem „Zentrum für außergewöhnliche Situationen“.

Kosovo

Putin bekräftigte in der Krim-Krise das Selbstbestimmungsrecht der Kosovaren. Damit brüskierte er zwar Serbien, im Kosovo gilt Putin seither aber als Verbündeter. Der Energiesektor der Russen wird von Russen dominiert.

Mazedonien

Mazedonien hat nur zwei Millionen Einwohner, ist aber fundamental wichtig für Russland. Die geplante Pipeline von Russland in die Türkei („Turkish Stream“) führt durch das Land. Insbesondere nachdem das „South Stream“-Projekt im Dezember 2014 nach dem Widerstand der EU fallen gelassen worden war, gilt „Turkish Stream“ als besonders prestigeträchtig.

Albanien

In Albanien sollen russische Immobilienfirmen im großen Stil Geldwäsche betreiben. In die Machenschaften sollen Informationen von „Wikeleaks“ zufolge auch Lukoil und Gazprom verstrickt sein.

Bosnien-Herzegowina

Das russische Außenministerium unterstützt die Teilrepublik Srpska. Von dort kommen immer häufiger Autonomiebestrebungen. Moskau forderte Sarajevo zum wiederholte Male zu einem Dialog mit den bosnischen Serben auf. Sarajevo bewertet einen drohenden Volksentscheid jedoch als Gefahr für die territoriale Integrität des Landes.

Montenegro

In Montenegro gehören ein Drittel aller Unternehmen russischen Staatsbürgern. Außerdem kauft Russland in dem kleinen Balkanstaat großflächig Grundstücke auf. Mittlerweile befinden sich 40 Prozent der Grundstücke in den Händen russischer Investoren, viele von ihnen sind staatliche Ministerien und staatseigene Betriebe.

„Putin bekommt immer, was er will.“ Der Kreml-Chef sei für ihn ein Vorbild, sagt Darijo mit einem Blick, der keine Einwände zulässt. Er sei die einzige Hoffnung für den Balkan. „Putin ist gewissermaßen unser Gott.“ Zwar sei er mit dieser Meinung nicht in der Mehrheit, doch „wir Russen“, wie er sich selbst nennt, werden immer mehr.

Nicht viel anders sieht es in Serbien aus: In dem EU-Beitrittsland ist Russland omnipräsent. In der serbischen Hauptstadt Belgrad grüßt Putin nicht von den T-Shirts und Kapuzenpullis der Jugend, sondern von großflächigen Plakaten am Straßenrand. Russland wird an vierspurigen Straßen als „großer slawischer Bruder“ gepriesen, Präsident Putin als „vorbildlicher Slawe“.

Die Plakate zeigen Wirkung: Die Bürger des Landes befürworten mit einer klaren Mehrheit eine Annäherung an Russland. Mehr als 61 Prozent stimmten bei einer von der Zeitung „Politika“ in Auftrag gegebenen, repräsentativen Umfrage für „engste Beziehungen mit Russland“. Marija Seijic nickt: Die 73-Jährige verkauft als Marktfrau in Belgrad Gemüse.

Kommentare (12)

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Herr Klaus Stumm

11.08.2015, 16:22 Uhr

Wir in der EU sollten all diese Länder auf absehbare Zeit nicht als Beitrittsländer betrachten, dafür sind die Kulturunterschiede u. die polititische Zerrissenheit zu groß. Das würde die EU mit ihren genügenden Baustellen auch nicht verkraften.

Herr Michael Kirsch

11.08.2015, 16:30 Uhr

@Klaus Stumm... Ich habe da eine Lösung für Sie. Ziehen Sie 4 Meter hohe Mauern um Ihr Grundstück! Dann sind Sie unter sich :)

Frau Margrit Steer

11.08.2015, 18:03 Uhr

Klaus Stumm,
ich möchte Ihnen Recht geben.
Dieses Gezerre was Brüssel macht und auch Merkel um immer noch mehr EU-Länder, ist irgendwann tödlich.
Auch gehört Albanien nicht in die EU, es ist ein rein islamisches Land.
ber das Prolem ist, Merkel strebt an, die große Staatsratsvorsitzende von ganz Europa zu werden

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