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12.05.2015

17:58 Uhr

Russland-Besuch des US-Außenministers

Kartoffeln für Kerry

Knollen-Diplomatie zwischen Russland und den USA: Erstmalig seit zwei Jahren reist US-Chefdiplomat Kerry nach Russland und trifft Kremlchef Putin. Als Willkommensgeschenk gibt's Gemüse – und Kritik von den USA.

Treffen in Sotschi: Läuten Kerry und Putin das Ende der doplomatischen Eiszeit ein? Reuters

John Kerry (L) und Wladimir Putin

Treffen in Sotschi: Läuten Kerry und Putin das Ende der doplomatischen Eiszeit ein?

SotschiEin Korb mit Kartoffeln, ein Korb mit Tomaten: Mit diesem bäuerlichen Willkommensgeschenk suchte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag seinen US-Kollegen John Kerry heiter zu stimmen. „Heute ist es sonnig in Sotschi“, informierte Lawrows Sprecherin Maria Sacharowa auf Facebook, und meinte damit wohl auch das freundliche Klima, das bei den Gesprächen herrschte.

Kerry ist der höchste US-Vertreter in Russland seit Beginn der Ukraine-Krise. Er kam am Dienstag – zwei Tage nach dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel – in der Schwarzmeerstadt Sotschi mit Lawrow und später mit Präsident Wladimir Putin zusammen. Der russische Sender Kommersant sah allein dadurch schon den „Beginn einer neuen Saison“ im zuletzt eisigen Verhältnis beider Staaten.

Zwischen Kerry und Lawrow entwickelt sich die Kartoffel-Diplomatie zur Tradition. Als sich die beiden Politiker im Januar in Paris zu Gesprächen über den Iran trafen, überreichte Kerry Lawrow zwei dicke Kartoffeln aus dem US-Bundesstaat Idaho. Ob die gegenseitigen Knollen-Gaben ein augenzwinkernder Kommentar zu dem Embargo von Landwirtschaftsprodukten sind, das Moskau als Retourkutsche für die Ukraine-Sanktionen gegen die EU und die USA verhängt hat, bleibt Spekulation.

Russland-Geschäft: Mission Moskau

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Der Merkel-Besuch bei Wladimir Putin lässt die deutsche Wirtschaft hoffen. Fast alle Unternehmen sind trotz Ukraine-Krise in Russland geblieben – und erwarten bald wieder boomende Geschäfte. Viele profitieren schon jetzt.

Kery drängte Russland während des Besuches zu mehr Engagement für den Frieden in der Ukraine. Kerry traf am Dienstag in der Schwarzmeerstadt Sotschi zunächst vier Stunden Lawrow und anschließend Präsident Putin. Vordringlich sei „die konkrete Umsetzung der nächsten Schritte“ aus dem Minsker Waffenstillstandsabkommen, sagte ein hoher Mitarbeiter Kerrys.

Die Ukraine befinde sich derzeit in einem „kritischen Moment“, sagte ein Mitarbeiter Kerrys auf dem Flug nach Sotschi. Wenn der Vertrag von Minsk vollständig umgesetzt werde und die Ukraine die Souveränität über ihre Grenzen zurückerhalte, könnte eine Rücknahme der gegen Moskau verhängten Sanktionen erwogen werden. "Wenn es mehr ernsthafte Verletzungen gibt, wird der Druck erhöht.“

Nach einem Gespräch mit Lawrow wurde Kerry von Putin in dessen Sommerresidenz empfangen. Nach einem Händedruck vor den Kameras zogen sich beide Politiker zu ihren Beratungen zurück. Die USA und die Europäische Union werfen Moskau vor, die gegen Kiew kämpfenden Rebellen in der Ostukraine mit Soldaten und Ausrüstung zu unterstützen. Merkel hatte Putin am Sonntag indirekt gedrängt, auf die Separatisten einzuwirken, damit diese die Waffenruhe einhalten.

Die Strafmaßnahmen der USA gegen Russland

Visa und Konten

Die USA haben Visa-Beschränkungen und Kontosperrungen gegen eine ganze Reihe von Personen im Umfeld des russischen Regierung verhängt. Nun wurden dieser Liste sieben weitere Personen hinzugefügt, darunter den Chef des Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin. Auf der Liste finden sich auch Politiker und Militärangehörige, die im Zusammenhang mit der Krim-Krise gesehen werden.

Banken und Firmen

Gegen die St. Petersburger Bank Rossija wurden von den USA ebenfalls Maßnahmen beschlossen. Indirekt ist zudem die russische Bank SMP betroffen, deren Miteigentümer Boris und Arkadi Rotenberg auf der Sanktionsliste stehen. Dazu kommen nun 17 Firmen, die laut US-Regierung Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin haben.

Exporte

Zusätzlich gibt es Beschränkungen bei Exporten von Hochtechnologie-Produkten, wenn diese vom russischen Militär verwendet werden können. Eine nächste Stufe könnten laut US-Präsidialamt Schlüsselbranchen der russischen Wirtschaft treffen, falls Russland in der Ukraine weiter militärisch intervenieren sollte.

Vertraute des im Februar ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow stellten am Dienstag einen Bericht vor, wonach die Aufständischen ihre entscheidenden Siege „allein durch die Unterstützung regulärer russischer Truppen“ erringen konnten. Dafür gebe es „vollständige Beweise“, sagte der Oppositionelle Ilja Jaschin. Putins Sprecher Dmitri Peskow lehnte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab. Die russische Regierung bestreitet, eigene Truppen in die Ukraine geschickt zu haben.

Den Besuch Kerrys bewertete Peskow laut Berichten russischer Nachrichtenagenturen als „äußerst positiv". Seinen Angaben zufolge sollte es neben internationalen Themen auch um die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern gehen. Nur durch Dialog könnten eine "Normalisierung" der Beziehungen und "eine engere Zusammenarbeit bei der Lösung internationaler Probleme" erreicht werden, sagte er.

Kerry reist von Sotschi weiter in die südtürkische Stadt Antalya. Dort kommen am Mittwoch die Nato-Außenminister zusammen. Auch auf ihrem Treffen wird die Ukraine-Krise eine wichtige Rolle spielen.

Kommentare (4)

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Herr der Ringe

12.05.2015, 18:36 Uhr

>> Erstmalig seit zwei Jahren reist US-Chefdiplomat Kerry nach Russland und trifft Kremlchef Putin >>

Zuerst Merkel, kurz darauf Kerry.....zu Gast beim DEMON Putin....?

Russland sollte doch isoliert werden. Diese Besuche sagen uns, dass die Isolationspolitik GESCHEITERT ist und jetzt versuchen sich die westlichen Lügendiplomaten durch die Hintertür, ohne das Gesicht zu verlieren, bei den Russen wieder einzuschmeicheln...?

Was für ein schäbiges Theater-Stückchen.



Herr Edmund Stoiber

12.05.2015, 19:35 Uhr

Stutz......., ich dachte, der Typ hätte Einreiseverbot!?

Putin, Putin, erst Mathias Rust auf dem Roten Platz und jetzt der Oberlügner aus dem US-Imperialistenladen unmittelbar im Kreml..... !???

Hat die russische Flugabwehr mal wieder nicht funktioniert ?

Herr C. Falk

12.05.2015, 19:46 Uhr

Bestimmte Kreise der US-amerikanischen politischen Elite haben erkannt, dass es ohne Russland nicht geht, wenn man eine Reihe von Problemen lösen will, Iran, Syrien, Lybien u.s.w.

Außerdem läuten die Arlamglocken in Anbetracht einer engen Allianz Russland-China.

Putin ist intelligent genug ebenfalls entsprechende Signale zu senden und unmißverständlich darauf hinzuweisen, dass sein Land alles andere ist als eine "unbedeutende Rgionalmacht".

Nebenbei, die Sanktionspolitik ist vollständig gescheitert, was natürlich auch Effekt macht.

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