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06.04.2014

14:31 Uhr

Russland

„Gas ist keine Waffe“

ExklusivRussland will nicht auf die Einnahmen aus dem Verkauf von Gas verzichten. Wenn Gazprom seine Verpflichtungen nicht erfüllen würde, müsste der Konzern zudem hohe Strafen bezahlen, erklärte der Vizechef des Konzerns.

Druckmittel für Putin: Gazprom könnte seine Preise erhöhen – mit verhängnisvollen Auswirkungen für die Ukraine.

Druckmittel für Putin: Gazprom könnte seine Preise erhöhen – mit verhängnisvollen Auswirkungen für die Ukraine.

DüsseldorfDer russische Gazprom-Konzern verspricht den Deutschen eine sichere Gasversorgung - trotz der aktuellen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. „Wir halten unsere vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Deutschland ein“, sagte Alexander Medwedjew, Vize-Chef des weltgrößten Gaskonzerns und als Chef von Gazprom Export verantwortlich für das Europa-Geschäft, in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Die Exportmengen seien in langfristigen Verträgen fest vereinbart. Wenn Gazprom seine Verpflichtungen nicht erfülle, müsse der Konzern „hohe Strafen bezahlen“. „Welchen Sinn hätte es, wenn wir auf die Einnahmen aus dem Gasexport verzichten würden?“, fragte Medwedjew.

Der Manager des russischen Gaskonzerns spricht gut Deutsch. Er ist aber nicht näher mit dem ehemaligen russischen Präsidenten und ehemaligen Gazprom-Aufsichtsratsvorsitzenden Dmitri Medwedjew verwandt.

Die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas und Öl

Gas

Deutschland kann aus eigenen Quellen gut zehn Prozent seines Bedarfs decken. Der Rest wird überwiegend aus Norwegen (gut ein Viertel) und den Niederlanden (knapp ein Fünftel) geliefert. In unterirdischen Speichern wird im Regelfall der Bedarf für mindestens zwei Monate vorgehalten. Russland ist somit größter Lieferant beider Brennstoffe für Deutschland. Beim Gas bezieht auch die EU insgesamt rund ein Viertel ihres Verbrauchs aus Russland.

Gastransport

Die Hälfte des russischen Gases nimmt den Weg über die Ukraine. Da beide Länder schon häufig über Preise, Transitgebühren und Lieferungen stritten und zeitweise die Versorgung unterbrochen war, wurden in Europa Alternativen gesucht. So wurde die Pipeline Nord Stream, die von Russland über den Ostseegrund direkt nach Deutschland führt, gebaut. Sie ist nicht ausgelastet und könnte weiteres Gas aufnehmen, sollte über die Ukraine nicht mehr geliefert werden. Daneben strömt ein großer Teil des Brennstoffes auch über die Jamal-Pipeline über Weißrussland und Polen nach Deutschland.

Ein weiterer Weg wäre der Import von flüssigem Erdgas etwa aus dem Nahen Osten über Tanker nach Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es aber kein Terminal zum Entladen. Auch eine Einfuhr etwa über Rotterdam spielt kaum eine Rolle.

Gaseinsatz und -preis

Gas wird in Deutschland zum Heizen, für die Industrie und die Stromherstellung gebraucht. Letztere hat im Zuge der Energiewende an Bedeutung verloren, da die Kraftwerke durch Ökostrom-Anlagen verdrängt werden.

Daran ändert auch der Druck auf die Gaspreise weltweit nichts. Zwar steigt der Energiehunger in China und Indien. Auf der anderen Seite aber hat der Boom der Schiefergas-Gewinnung, dem sogenannten Fracking, die USA von Importen unabhängig gemacht. Das Land will nun sogar Gas ausführen. Auch die Ukraine wollte das Potenzial von Schiefergas nutzen und sich unabhängiger von Russland machen. Das erste Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der ukrainischen Regierung, dem Konzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte sich angesichts der Fracking-Konkurrenz zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern.

Öl

Russland ist auch Deutschlands größter Öllieferant. An Position zwei und drei liegen Großbritannien und Norwegen mit jeweils um die zehn Prozent. Auch Libyen, Nigeria und Kasachstan spielen ein Rolle. Gespeichert wird in Deutschland Öl für den Bedarf von mindestens 90 Tagen.

Transport

Der größte Teil des russischen Öls kommt über die Pipeline Druschba (Freundschaft) über Weißrussland und Polen ins brandenburgische Schwedt. Ein zweite Leitung führt über das Gebiet der Ukraine.

Öleinsatz und -preis

Öl wird als Treibstoff, für die Chemie, aber auch in vielen anderen Grundstoff-Industrien benötigt. Auch als Heizöl wird es in Deutschland oft eingesetzt. Der Preis ist nach jahrelangem Anstieg auf dem Weltmarkt etwas zurückgegangen. Die EU und Deutschland versuchen sich über den Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroautos langfristig unabhängiger von Erdöl zu machen. Die Abhängigkeit bleibt aber für die kommenden Jahrzehnte hoch.

Seit Beginn der Krim-Krise sorgen sich Deutschland und Europa um die Zuverlässigkeit der russischen Gaslieferungen, schließlich bezieht Europa knapp 30 Prozent seines Gases aus Russland. Führende Politiker fürchten, dass Russland aus politischen Gründen die Lieferungen drosseln könnte und fordern die Abhängigkeit zu verringern.

Mit Medwedjew äußert sich erstmals ein Manager des Konzerns in einem Interview mit einer westlichen Zeitpunkt zu den Ängsten: „Gas ist keine Waffe, es ist eine Ware“, sagte er, „wir sind daran interessiert, diesen Brennstoff zu verkaufen, um im Interesse unserer Anteilseigner Geld zu verdienen.“

Er reagierte verärgert auf die Vorwürfe aus dem Westen. Gazprom fühle sich „in Europa zeitweise aggressiv und manchmal sogar ungerecht behandelt“: „Die USA und Europa brauchen ein „Feindbild“, und wir scheinen in diese Rolle des „Schreckgespenstes“ gut passen.“

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