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16.06.2017

15:44 Uhr

Russland

Irak äußert sich über angeblichen Tod von IS-Chef skeptisch

Der Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al Bagdadi soll bei einem Luftangriff gestorben sein. Das teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Die irakische Regierung äußerte sich skeptisch.

Der Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Bagdadi könnte nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums getötet worden sein. dpa

Abu Bakr al-Bagdadi

Der Anführer der IS-Terrormiliz Abu Bakr al-Bagdadi könnte nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums getötet worden sein.

MoskauDer Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, könnte nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums getötet worden sein. Das Ministerium prüfe Berichte, wonach Al-Bagdadi (45) bei einem russischen Luftangriff in der Nähe der syrischen Stadt Al-Rakka gemeinsam mit weiteren IS-Führern ums Leben gekommen sein könnte, teilte das Ministerium am Freitag in Moskau mit. Allerdings gab es schon häufiger Berichte, nach denen der IS-Chef verletzt oder sogar getötet worden sein sollte.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat noch keine letzte Sicherheit über den angeblichen Tod des Terrorführers Abu Bakr al-Bagdadi. „Ich habe keine hundertprozentige Bestätigung der Information“, sagte Lawrow. Lawrow sagte, selbst wenn Al-Bagdadi tot sei, dürfe man dies nicht überschätzen. Ähnliche Aktionen in der Vergangenheit seien zwar groß gefeiert worden, doch die Erfahrung lehre, dass die Strukturen des Terrors in solchen Fällen intakt bleiben könnten.

Der Luftangriff soll den Angaben aus Moskau zufolge in der Nacht auf den 28. Mai erfolgt sein. Al-Bagdadi soll an dem Abend an einem Treffen mit anderen Anführern des Islamischen Staates teilgenommen haben. Sie sollen Routen geplant haben, um die Stadt zu verlassen. Auch andere ranghohe Mitglieder des IS sollen bei dem Angriff getötet worden sein. Das russische Verteidigungsministerium hatte nach eigenen Angaben die USA vorab über den geplanten Luftangriff informiert.

Der unsichtbare „Kalif“: Abu Bakr al-Bagdadi

1971

Al-Bagdadi wird in der irakischen Stadt Samarra geboren. An der Universität Bagdad macht er einen Abschluss in Islamischen Studien. Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 sitzt er eine Zeit lang in einem US-Gefängnis im Irak.

2010

Al-Bagdadi übernimmt die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, damals noch unter dem Namen „Islamischer Staat im Irak“. Nach und nach beginnt die Gruppe, sich nach Syrien auszudehnen. Darüber bricht Al-Bagdadi mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida, weil er nicht die Forderung der Führung des Terrornetzwerkes akzeptieren will, sich auf den Irak zu beschränken. Mit Ausrufung des Kalifats benennt sich die Terrormiliz in „Islamischer Staat“ um.

2014

Wenige Tage nach Ausrufung des Kalifats Ende Juni 2014 taucht er völlig überraschend in einer Moschee in der nordirakischen Stadt Mossul auf, wo er die Freitagspredigt hält. Danach aber zeigt er sich nicht mehr. Immer wieder gibt es Gerüchte, er sei bei Angriffen verletzt oder sogar getötet worden.

2016

Die US-Regierung erhöht im Dezember 2016 das zur Ergreifung des IS-Chefs ausgelobte Kopfgeld von zehn auf 25 Millionen US-Dollar (22,43 Millionen Euro).

2017

Der Chef der Terrormiliz IS regiert sein zunehmend schrumpfendes „Kalifat“ auf syrischem und irakischem Boden aus dem Verborgenen heraus. Informationen und Details über den 45-Jährigen sind mit Vorsicht zu genießen. Häufig lassen sie sich nicht überprüfen.

Im Irak sind die Nachrichten aus Russland auf Skepsis gestoßen. Ein Oberst der irakischen Sicherheitskräfte sagte am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters, der Extremist habe sich zum genannten Zeitpunkt vermutlich nicht in der syrischen Stadt Rakka aufgehalten. Möglicherweise sei ein Begleiter Al-Bagdadis bei dem Angriff ums Leben gekommen. Ein irakischer Geheimdienstmitarbeiter erklärte zudem, Russland habe das Land nicht darüber informiert, dass Al-Bagdadi tot sei. Man überprüfe entsprechende Berichte.

Al-Bagdadi sah sich in der Nachfolge des Propheten Mohammed und beanspruchte als „Kalif“, Führer der gesamten islamischen Gemeinschaft zu sein. Das Kalifat bezeichnet das Herrschaftsgebiet des Kalifen.

Al-Rakka im Osten Syriens gilt als die inoffizielle Hauptstadt des Islamischen Staates. Die Terroristen hatten im Januar 2014 die Kontrolle über die Stadt gewonnen.

Dreieinhalb Jahre später, Anfang Juni, haben kurdisch geführte Truppen die Stadt mit Unterstützung einer von den USA geführten Militärkoalition eingekreist und damit begonnen, in das Stadtgebiet vorzurücken.

Der IS hat zuletzt große Teile seines einstigen Herrschaftsgebietes verloren. Auch in Mossul, seiner letzten verbliebenen Hochburg im Irak, stehen die Terroristen kurz vor einer Niederlage. Sie beherrschen nur noch wenige Stadtviertel. In ihrer Blütezeit stand die IS-Terrormiliz praktisch vor den Toren der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Der Aufenthaltsort von IS-Anführer Al-Bagdadi war immer wieder unklar. Nur selten trat der selbst ernannte „Kalif Ibrahim“ in der Öffentlichkeit auf. Am bekanntesten ist sein Auftritt Ende Juni 2014, wenige Tage nach Ausrufung des Kalifats.

Völlig überraschend tauchte er in einer Moschee in der nordirakischen Stadt Mossul auf, wo er die Freitagspredigt hielt. Danach aber zeigte er sich nicht mehr und wandte sich auch nur selten in Botschaften an seine Anhänger. Eine letzte Audiobotschaft wurde im Dezember 2015 veröffentlicht. Das danach folgende Schweigen führte zu Spekulationen, dass er schwer entweder schwer verletzt oder sogar getötet worden sei.

Kommentare (5)

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Herr Martin Wienand

16.06.2017, 10:07 Uhr

Den hätten wir gerne vor Gericht gesehen.

Herr Tom Schmidt

16.06.2017, 11:34 Uhr

Ich weiss nicht? Hätten wir den wirklich gerne vor Gericht gesehen? Damit er seinen ganzen Gehirnmatsch nochmal in der Welt verteilen hätte können?

Der einzige Vorteil wäre gewesen, dass bei uns all diejenigen, die immer meinen der Terror hätte nichts mit dem Islam zu tun, etwas in Erklärungsnot gekommen wären. Da diese aber auch unbelehrbar und beratungsresistent sind, hätte das auch nichts gebracht!

G. Nampf

16.06.2017, 13:24 Uhr

@Tom Schmidt16.06.2017, 11:34 Uhr

"Ich weiss nicht? Hätten wir den wirklich gerne vor Gericht gesehen?"

Vrr etlichen Jahren hatte jemand ich im Fernsehen folgende Idee entwickelt (@HB genaue Quelle leider unbekannt,;ich kann mir nicht alles merken, schon garnicht so lange):


Gefaßte IS-Terroristen sollten in jedem Land , in dem der IS Anschläge verübt hat, vor Gericht gestellt werden. In jedem Land sollen sie begründen, warum sie Frauen und Kinder töten. In jedem muslimischen Land sollen sie begründen. warum sie auch Muslime töten. Zuletzt in Saudi-Arabien; dort wartet dann das Schwert.

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