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04.08.2016

17:05 Uhr

Russland kürzt bei der Bildung

Putin – Panzer statt Professoren

VonAndré Ballin

Russlands muss sparen, denn es fehlen Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft. Kremlchef Putin will aber nicht bei den Streitkräften kürzen. Statt dessen muss der Bildungssektor dran glauben. Den Nachwuchs trifft es hart.

Russland kürzt bei der Bildung, nicht aber bei den Militärausgaben.

Wladimir Putin

Russland kürzt bei der Bildung, nicht aber bei den Militärausgaben.

MoskauDie Krise in Russland macht vor Bildung und Wissenschaft nicht Halt: Um Geld zu sparen, sollen laut einem Zeitungsbericht bis 2019 8.300 Wissenschaftlerstellen an Universitäten, der Akademie der Wissenschaften und dem Kurtschatow-Institut gestrichen werden. Das Ministerium dementierte die Pläne.

Hintergrund ist die nötige Haushaltsdisziplin aufgrund der gefallenen Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor. In der vergangenen Woche wurde auf einer Regierungssitzung beschlossen, den Ausgabenpart in den Jahren 2017 bis 2019 stabil bei 15,78 Billionen Rubel (umgerechnet gut 200 Milliarden Euro) zu halten.

Für Bildung und Wissenschaft bedeutet die Entscheidung über das Einfrieren höherer Haushaltsausgaben reale Kürzungen: Der Einschnitt bei den Bildungsausgaben ist mit mehr als 20 Prozent deutlich. Damit sinkt der Anteil der Bildungsausgaben am Gesamthaushalt von 2,75 Prozent (2015) auf 2,45 Prozent (2019). Auch den Wissenschaftssektor trifft es hart: Statt 0,98 Prozent werden 2019 nur noch 0,87 Prozent für Forschung und neue Technologien aus dem Etat verwendet. Zum Vergleich: Für den Unterhalt der Streitkräfte gibt Russland knapp 20 Prozent seines Budgets aus.

Russland im Überblick

Regierung

Präsidialdemokratie mit föderativem Staatsaufbau

Präsident: Wladimir Putin (Staatsoberhaupt)

Ministerpräsident: Dimitri Medwedjew (Regierungsschef)

Fläche

rund 17 Millionen Quadratkilometer

Einwohner

144 Millionen

Nachbarländer

Russland grenzt an Nordkorea, China, die Mongolei, Kasachstan, Aserbaidschan, Georgien, Polen, Weißrussland, Lettland, Estland, Finnland, Norwegen und die Ukraine.

Religion

Das Christentum ist in Russland am weitesten verbreitet. Ein großer Teil der Bevölkerung ist russisch-orthodoxen Glaubens.

Währung

Bedingt durch den Ölpreisverfall und Sanktionen des Westens verlor der russische Rubel 2014 und 2015 stark an Wert. Im Frühjahr 2016 konnte sich der Rubel-Kurs leicht stabilisieren.

Die Kürzungen haben einem Bericht der Internetzeitung gazeta.ru nach deutliche Konsequenzen für Studenten und Wissenschaftler. Unter Berufung auf Dokumente aus dem Bildungsministerium sollen 40 Prozent der durch den Haushalt gestützten Studienplätze wegfallen und 8.300 Wissenschaftler entlassen werden.

Allein im Kurtschatow-Institut müssen demnach schon 2017 1.500 Mitarbeiter gehen. Das nach dem Atomforscher Igor Kurtschatow benannte Institut gilt nicht nur als ein Leuchtturm der russischen Wissenschaft, sondern ist auch direkt der Regierung unterstellt und wies aufgrund seiner zahlreichen Verknüpfungen mit dem Rüstungssektor in den vergangenen Jahren eine recht solide Finanzierung auf.

Kommentare (17)

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Herr Tom Schmidt

04.08.2016, 17:04 Uhr

Wenn wir schlau wären, dann würden wir ganz schnell Stipendienprogramme für russische Wissenschaftler auflegen und sie an unsere Institute aufnehmen.

Aber das wird nicht geschehen, die Stipendien sind zu teuer, und die russischen Wissenschaftler haben nicht dasselbe Potential wie die afrikanischen und arabischen Analphabeten (für die Sozialindustrie).

Herr Paul Kersey

04.08.2016, 17:08 Uhr

Typen wie Putin oder Erdogan geht es nur um sich selbst und ihren Machterhalt.
Da sind gebildete Bürger ein klarer Störfaktor. Dass diese Länder langfristig Nachteile durch eine solche Politik erlangen, interssiert einen Despoten nicht.

Account gelöscht!

04.08.2016, 17:09 Uhr

Herr Tom Schmidt@Wir nehmen nur Afrikaner, Russen kommen nicht in Frage,
das sind Europäer und somit unbrauchbar für die Umvolkung.
2. Ich bekomme immer noch das gleiche Salär, von Kürzungen keine Spur.

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