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05.10.2013

14:49 Uhr

Russland

Piraterie-Vorwurf gegen Greenpeace-Aktivisten

Greenpeace-Aktivisten wollen nun das Ende ihrer Untersuchungshaft einklagen. In Deutschland sind Unterstützungsaktionen geplant. Australien verlangt derweil von Russland Aufklärung über die Inhaftierung der Aktivisten.

Die Dänin Anne Mie Roer Jensen, Crewmitglied der Greenpeace Artic Sunrise, auf dem Weg zum Gericht in Murmansk. dpa

Die Dänin Anne Mie Roer Jensen, Crewmitglied der Greenpeace Artic Sunrise, auf dem Weg zum Gericht in Murmansk.

MoskauDie australische Regierung fordert von Russland Aufklärung über die Inhaftierung von 30 Greenpeace-Aktivisten. Ihre Regierung wolle wissen, ob der „sehr schwerwiegende“ Piraterie-Vorwurf gegen die Umweltschützer „angemessen“ sei, sagte die australische Außenministerin Julie Bishop am Samstag. Die Politikerin äußerte sich nach einer Unterredung mit dem russischen Vize-Außenminister Igor Morgulow am Rande des Gipfels der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft auf der indonesischen Insel Bali. Sie habe in dem Gespräch darum gebeten, dass die russischen Behörden für ein „faires Gerichtsverfahren“ sorgen, sagte Bishop.

Die 30 wegen bandenmäßiger Piraterie in Russland angeklagten Greenpeace-Aktivisten wollen kommende Woche in Berufungsverhandlungen um ihre Freiheit kämpfen. Für den 8. Oktober seien erste Anhörungen festgesetzt, teilte das Gericht in der Hafenstadt Murmansk am Freitag der Agentur Interfax zufolge mit. Es gehe um den bekannten russischen Fotografen Denis Sinjakow und zwei Besatzungsmitglieder des Aktionsschiffs „Arctic Sunrise“. Ihre Berufung richtet sich gegen die zweimonatige Untersuchungshaft nach ihrer aufsehenerregenden Aktion in der russischen Arktis vor zwei Wochen.

Den Männern und Frauen aus rund 20 Ländern drohen jeweils bis zu 15 Jahre Gefängnis. Mit Aktionen in mehreren deutschen Städten will sich Greenpeace an diesem Samstag für die Inhaftierten einsetzen.

Greenpeace betont, Sinjakow sei Journalist und kein Aktivist. Die Organisation habe ihn als Reporter engagiert, damit er über den spektakulären Protest gegen Ölbohrungen in der Arktis berichtet. Kremlkritische Medien und Menschenrechtler warfen der Justiz vor, durch die Inhaftierung von Journalisten russische Gesetze mit Füßen zu treten sowie faire und freie Berichterstattung zu verhindern. Auch die Bundesregierung zeigt sich besorgt über das Vorgehen der Justiz.

Greenpeace-Direktor Kumi Naidoo kritisierte die Handlungen der Behörden als „schwerste Bedrohung des friedlichen Umweltprotests“ seit der Versenkung des Aktionsschiffs „Rainbow Warrior“ in Auckland 1985 durch französische Geheimagenten. Damals starb ein Aktivist.

Die russischen Ermittler hatten gegen die Besatzungsmitglieder am Vortag offiziell Verfahren eingeleitet. Alle Beteiligten hätten in den Verfahren ihre Unschuld beteuert und sonst keine Aussagen gemacht, hieß es. Unter den inhaftierten Greenpeace-Aktivisten ist auch der Australier Colin Russell. Australische Konsularbeamte hätten Kontakt ihm gehabt, sagte Bishop: „Meines Wissens geht es ihm gut, seine Haftbedingungen sind angemessen.“ Russell und die anderen 29 Umweltschützer hatten am 18. September versucht, eine russische Bohrinsel des Staatsunternehmen Gazprom in der Arktis zu entern, um auf Umweltrisiken durch die Gas- und Ölförderung in dem Gebiet aufmerksam zu machen. Nach eigenen Angaben wollten sie dort ein Transparent befestigen. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB beendete die Aktion gewaltsam.Ihr Schiff „Arctic Sunrise“ wurde jedoch von der russischen Küstenwache aufgebracht und in nach Murmansk geschleppt wurde. Dort sitzen die Umweltschützer in Untersuchungshaft.

Die Umweltschützer werfen Gazprom vor, mit Bohrungen das Ökosystem der äußerst anfälligen Arktis zu gefährden. Ein Leck hätte ihrer Ansicht nach katastrophale Folgen für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der noch weitgehend unberührten Region. Dort wird etwa ein Viertel der weltweiten Öl- und Gasvorräte vermutet.

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