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07.04.2017

09:43 Uhr

Russland

Putin stoppt Vereinbarungen mit US-Militär in Syrien

„Aggression gegen das Völkerrecht“, „erdachter Vorwand“: Die Reaktion des Kremls auf den US-Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis ist scharf. Das Verhältnis von Putin und Trump bekommt eine größere Bedeutung.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat eine entscheidende Rolle im Konflikt mit Syrien. AFP

Putin kritisiert den US-Angriff

Russlands Präsident Wladimir Putin hat eine entscheidende Rolle im Konflikt mit Syrien.

MoskauDer russische Präsident Wladimir Putin hat das US-Bombardement gegen syrische Regierungstruppen als Angriff auf die Souveränität Syriens verurteilt. „Präsident Putin hält die amerikanischen Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat, gegen das Völkerrecht, dazu noch mit einem erdachten Vorwand“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UN-Organisation bestätigt.

Ähnlich äußerte sich die iranische Regierung. Der einseitige Schritt sei „gefährlich, destruktiv und verstößt gegen die Prinzipien des internationalen Rechts“, sagte der iranische Außenamtssprecher Bahram Ghasemi am Freitag laut der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Isna. Der Angriff werde Terroristen stärken und die Situation in Syrien und der gesamten Region noch komplizierter machen, sagte er. Der Iran gilt neben Russland als der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Irans paramilitärische Revolutionsgarde ist tief in den Krieg in Syrien verstrickt.

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Mit einem gezielten Raketenbeschuss will der US-Präsident das syrische Regime für den Einsatz von Giftgas gegen Zivilisten bestrafen. Er könnte eine Eskalation in Gang bringen, deren Ausgang völlig offen ist.

Russland setzt nun zudem die Vereinbarung mit dem US-Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen in Syrien aus. Mit der Vereinbarung informierten Russland und die USA einander bislang über Militärflüge und Angriffe über Syrien. Das Außenministerium kündigte auch an, Moskau werde eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates einberufen. Das „völlig gedankenlose Vorgehen“ der USA habe die Syrienkrise nur vertieft, hieß es in einer Mitteilung. Die bestehenden Probleme würden dadurch verschärft. Der Schlag habe sich gegen ein Land gerichtet, das sich gegen Terrorismus engagiere. Mit dem Vorfall müsse sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung befassen.

Der Vorsitzende im Außenausschuss des Oberhauses des russischen Parlaments, Konstantin Kosatschew, erklärte, der US-Angriff beende wahrscheinlich die Hoffnungen auf eine amerikanisch-russische Kooperation in Syrien. „Russische Marschflugkörper treffen die Terroristen, US-Flugkörper treffen die syrischen Regierungskräfte, die den Kampf gegen die Terroristen anführen“, schrieb er auf Facebook.

Beipflichtende Worte kamen dagegen von den Verbündeten der USA. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er unterstütze die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zu dem Angriff vollkommen. Trump habe in Wort und Tat die deutliche Botschaft gesendet, dass der Gebrauch und die Verbreitung von Chemiewaffen nicht toleriert werde, schrieb Netanjahu in einer Mitteilung am Freitag. Nach Angaben des TV-Senders Channel 2 waren Israel und weitere US-Alliierte über den Angriff informiert worden.

Israel hatte mehrfach gewarnt, dass von Syrien aus Waffen an die Hisbollah im Libanon geliefert werden könnten. Die Miliz steht im Syrischen Bürgerkrieg an Assads Seite. Im vergangenen Monat hatte Israel eine Rakete abgeschossen, die ein israelisches Flugzeug treffen sollte, das wiederum einen mutmaßlichen Hisbollah-Konvoi im Visier hatte.

Marschflugkörper: Flexibel und gefährlich

Unbemannte Flugkörper

Marschflugkörper verfügen anders als ballistische Raketen über einen permanenten eigenen Antrieb. Sie werden in vorher definierte Ziele gelenkt und tragen häufig Tragflächen zur Stabilisierung der Flugbahn. Die unbemannten Flugkörper mit einem Sprengkopf können nach dem Abfeuern ein programmiertes Ziel automatisch treffen. Sie können von Rampen und Radfahrzeugen ebenso gestartet werden wie von Schiffen, U-Booten oder Flugzeugen.

Erste „fliegende Bombe“ aus Deutschland

Bereits im Zweiten Weltkrieg wurden vollwertige Marschflugkörper eingesetzt. Der Urtyp ist die als „V1“ oder „fliegende Bombe“ bekannte deutsche Fieseler Fi 103 mit Strahltriebwerk. Sie hatte noch nicht die Treffgenauigkeit heutiger Marschflugkörper.

Schwer zu orten

Bei einer niedrigen Flughöhe von unter 200 Metern sind Marschflugkörper von gegnerischem Radar nur schwer zu orten. Die Reichweiten der von verschiedenen Staaten entwickelten Modelle liegen zwischen rund 30 und 3000 Kilometern. Damit überschneidet sich der Aktionsradius einiger Modelle mit dem ballistischer Mittelstreckenraketen (800 bis 5500 Kilometer).

Tomahawks mit großer Reichweite

Der bekannteste Marschflugkörper der USA ist die BGM-109 „Tomahawk“. Die Waffe gibt es in verschiedenen Versionen mit Reichweiten bis zu 2500 Kilometern. „Tomahawks“ wurden unter anderem im Golfkrieg 1991 und im Irakkrieg 2003 massiv eingesetzt.

Quelle: dpa

Unterstützung bekamen die USA von auch von Großbritannien. Das Vorgehen sei eine angemessene Antwort auf den „barbarischen Chemiewaffenangriff“ der syrischen Regierung, sagte ein Sprecher von Premierministerin Theresa May. Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault sprach von einer Warnung an ein „kriminelles Regime“. Die Zukunft Syriens sei nicht mit Assad verbunden.

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, die Regierung Assads müsse auf der internationalen Ebene bestraft werden. Scharfe Kritik kam aus dem Iran. Solche Angriffe würden Terroristen in Syrien stärken und die Lage in dem Bürgerkriegsland und der Region schwieriger machen, berichtete die Nachrichtenagentur Insa unter Berufung auf einen Sprecher des Außenministeriums in Teheran.

Australien hieß den US-Angriff ebenfalls gut. Seine Regierung unterstütze die schnelle und angemessene Reaktion der USA, sagte Premierminister Malcolm Turnbull am Freitag in Sydney. „Das war eine kalibrierte, verhältnismäßige und gezielte Antwort. Sie sendet eine starke Botschaft an das Assad-Regime und (...) hat genau den Flugplatz getroffen, von dem der chemische Angriff erbracht wurde“, sagte er. Man befinde sich jedoch nicht im Krieg mit Assad.

Saudi-Arabien lobte die „mutige Entscheidung“ Trumps. Dies sei die richtige Reaktion auf „die Verbrechen dieses Regimes an seinem Volk“ gewesen, erklärte das saudische Außenministerium.

Kommentare (3)

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Herr Old Harold

07.04.2017, 14:25 Uhr

Putin sollte sein Engagement in Syrien nicht nur kündigen, sondern seine Truppen von dort schnellstens zurückziehen.

Dann kann Trump mit Drohnen unbehindert und erfolgreich Jagd auf den Folterer Assad machen, auf dass in Syrien wieder endlich Ruhe einkehrt.

Herr Peer Kabus

07.04.2017, 15:45 Uhr

Wer glaubt, dass mit einer Beseitigung Assads Ruhe in Syriehn einkehrt, glaubt vermutlich auch den Weihnachtsmann und den Klapperstorch.

Herr Tomas Maidan

10.04.2017, 18:51 Uhr

Putin kann doch kein Mensch mehr ernst nehmen. Hintenrum unterstützt er einen gefährlichen Irren wie Trump - vornerum verbreitet er Dementis en Masse. Putin sollte als gesichtsloser Spion wieder in irgend einem Hinterzimmer sein Geheimdienst-Süppchen kochen, aber sich aus der ernsthaften Politik heraushalten.

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