Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.03.2012

08:01 Uhr

Russland

Putin weint über den Wahlsieg

Wladimir Putin kehrt in den Kreml zurück. Er gewinnt die Präsidentenwahl in der ersten Runde. Bei der Siegesfeier weint er vor Glück - und greift die Opposition an. Doch die wird er so schnell nicht mehr los.

Russland wählt

Putins Wiederwahl scheint gewiss

Russland wählt: Russland wählt einen neuen Präsidenten

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

MoskauDer russische Regierungschef Wladimir Putin hat die Präsidentenwahl bereits in der ersten Runde für sich entschieden. Laut Wahlkommission hat Putin 63,75 Prozent der Stimmen bei dem Urnengang erzielt. Eine Stichwahl ist damit ausgeschlossen. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,3 Prozent der rund 110 Millionen Stimmberechtigten.

Putin erklärte sich umgehend zum Wahlsieger. „Ich habe euch versprochen, wir würden gewinnen - und wir haben gewonnen. Ruhm für Russland“, sagte Putin am Sonntagabend vor tausenden Anhängern im Zentrum Moskaus. Über seine Wangen liefen Tränen. Die Tränen waren „echt, aber echt wegen des Winds“, sagte Putin, als er in seiner Wahlkampfzentrale befragt wurde. Doch nicht alle waren von der Erklärung Putins überzeugt, der sich dem Volk gerne mit entblößtem Oberkörper beim Fischen und Jagen als starker Mann Russlands präsentiert. „Moskau glaubt den Tränen nicht“ schrieb der Blogger Slawik Zehner auf dem Kurznachrichtendienst Twitter in Anspielung auf einen berühmten sowjetischen Film von 1980, der am Sonntag im Fernsehen lief.

„Wir haben alle geschlagen, die Russland zerstört sehen wollen“, rief Putin am Abend etwa 100.000 Anhängern zu, die sich auf dem Manegen-Platz vor dem Kreml versammelt hatten. Die „offene und ehrliche“ Wahl sei ein Test für die Unabhängigkeit und Reife des Landes gewesen. Das russische Volk habe gezeigt, dass Versuche der Zerstörung des Staates zum Scheitern verurteilt seien. Das sagte Putin mit schneidendem Ton in der Stimme mit Blick auf die jüngsten friedlichen Massenproteste. Seine Unterstützer feierten ihn mit „Putin“-Sprechchören.

Putins Wahlkampfchef sprach gar von den „saubersten Wahlen in der russischen Geschichte“. Das Ergebnis sei ein Beweis, dass das Volk keinen Systemwechsel in Form eines Arabischen Frühlings in Russland wolle, sagte Sergej Goworuchin.

Putins stärkster Rivale, der Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, erreichte laut Wahlkommission 17 Prozent der Stimmen. Er kündigte umgehend an, das Ergebnis nicht anzuerkennen. Es sei intransparent und illegitim. Es folgen der ultrarechte Politclown Schirinowskij (7,1 Prozent), der Milliardär und liberale Politiker Prochorow (6,9 Prozent) und auf dem letzten Platz Parlamentspräsident Mironow (3,7 Prozent). Putin hatte auf einen Sieg in der ersten Runde und damit eine starke Legitimation gehofft.

Der bisherige Premierminister Putin war bereits von 2000 bis 2008 russischer Präsident gewesen. Da er nach der Verfassung 2008 nicht sofort wieder antreten durfte, installierte er seinen Vertrauten Dmitrij Medwedjew im Präsidentenamt. Medwedjew soll nun wieder Ministerpräsident werden. Der neue Präsident wurde das erste Mal gemäß geänderter Verfassung für sechs und damit zwei Jahre länger als bisher gewählt. Putin könnte nach seinem Zwischenspiel als Premier wieder zwei Amtszeiten als Kremlchef in Folge ableisten, wenn er 2018 noch einmal gewählt würde.

Die Opposition hatte bis zuletzt auf eine Stichwahl gehofft, obwohl Putins Werte in Umfragen zuletzt teils deutlich über der erforderlichen Mehrheit lagen. Für Montag haben die Unzufriedenen eine weitere Großdemonstration im Zentrum von Moskau angekündigt.

Kommentare (33)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Joe

04.03.2012, 18:34 Uhr

Was in Russland lief, hat natürlich nichts mit Demokratie zu tun. Aber Russland braucht einen starken Mann wie Putin! Russland braucht jemanden, der den Geiern (Oligarchen) zeigt, wer in Russland das sagen hat. Ohne Putin wäre Russland längst ausgeplündert und eine Marionette des Westens geworden.

Ich Putin - Ein Porträt - Interview mit Wladimir Wladimirowitsch Putin

http://www.youtube.com/watch?v=NSKlEEPifIk&feature=channel_video_title

factum_est

04.03.2012, 18:41 Uhr

Habemus Putin.
Bei alles innenpolitischen Querelen in Rußland: das ist auch ganz gut so.
Freuen wir uns auf weiterhin spannende Entwicklungen aus dem Hause KGB.

Lisali

04.03.2012, 18:43 Uhr

Putin ist selber ein Geier, der Russland in den globalen Abgrund führen wird. Unter ihm wird es kein global wettbewerbsfähiges Russland geben, dessen 'Wohlstand' nicht auf bald verflossenen Rohstoffen basiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×